Wittenberg (md/wg). 100.000 Menschen strömten, um die Wunder des Brunnens von Hornhausen bei Halberstadt zu bestaunen. Diesem kaum noch bekannten Ereignis und dem Phänomen der „lutherischen Wunderbrunnen“ in der frühen Neuzeit widmet sich ein Vortrag der LutherMuseen am Dienstag, dem 21. April, um 18.30 Uhr im Großen Hörsaal der Stiftung Leucorea in Lutherstadt Wittenberg. Referent ist der Theologe und Ausstellungsmacher PD Dr. Hartmut Kühne. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung an service@luthermuseen.de oder 03491/42 03 171 wird gebeten.
Wunderbrunnen waren in den lutherischen Territorien des 16. und 17. Jahrhunderts weit verbreitet, daher wurden sie als „lutherische Wunderbrunnen“ bezeichnet. Inzwischen sind sie weitgehend vergessen. Es handelte sich um Wasserquellen, denen man eine universelle Heilkraft nachsagte; sie sollten alle Krankheiten heilen oder bessern können, auch solche, die als unheilbar galten. Die dort vollzogenen Kuren wurden deshalb als Wunder interpretiert, wie Gott sie zu den Zeiten des Alten und Neuen Testamentes gewirkt habe.
Die Entdeckung dieser Heilquellen führte regelmäßig zu einem Auflauf von hunderten, häufig auch tausenden Personen. Diese hofften in improvisierten Brunnenlagern auf ihre Heilung oder nahmen als Schaulustige an den wunderbaren Vorgängen teil. Ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte dieser Heilquellen war die Entdeckung der Wunderbrunnen von Hornhausen bei Halberstadt 1646, die zahllose Menschen anzog und die kirchliche Betreuung der Kuren fest etablierte. Über dieses Ereignis und seine Folgen berichtet der Vortrag.
Der Theologe PD Dr. Hartmut Kühne, geb. 1965 in Magdeburg, war 1993 bis 2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent tätig. Er übernahm Lehraufträge an der Technischen Universität Berlin (Mittelalterliche Geschichte) und an der Theologischen Fakultät in Göttingen (Kirchengeschichte) und ist seit 2008 Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte beim Amt für kirchliche Dienste in Brandenburg.
Seit 2009 war Kühne vor allem freiberuflich für verschiedene Ausstellungs- und Forschungsprojekte tätig. Zuletzt war er 2020 Kurator der Doppelausstellung „Pilgerspuren“ im Museum Lüneburg und im Schwedenspeicher Stade. Im November 2022 reichte er seine Habilitationsschrift „Die lutherischen Wunderbrunnen. Studien zur Alltags- und Kulturgeschichte des Protestantismus im Alten Reich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert“ bei der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig ein; das Verfahren wurde im Dezember 2025 erfolgreich abgeschlossen.
Bild: Darstellung einer Menschenmenge um 1646 an den Heilquellen von Hornhausen bei Halberstadt im Geschichtswerk „Theatrum Europaeum“.

