Wittenberg (md/wg). Dr. Guido Messling, Kurator am Kunsthistorischen Museum Wien, beleuchtet im Rahmen des Kolloquiums „Landschaft – Herrschaft – Lichtenburg“ in einem öffentlichen Abendvortrag am 20. April um 19.30 Uhr in der Stiftung Leucorea die Kunstpolitik der Habsburger und Wettiner. Das Kolloquium steht am Anfang eines Forschungsprojekts, das die Stiftung Leucorea dem ehemaligen sächsischen Kurkreis widmet. Der Eintritt ist frei.
Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts zählten die Habsburger und die Wettiner zu den mächtigsten deutschen Herrscherdynastien. Während die österreichischen Habsburger den Kaiser stellten und durch eine geschickte Heiratspolitik europaweit an Einfluss gewannen, beschränkte sich die Bedeutung der Wettiner vor allem auf Sachsen und das Reich. Mit der Kurwürde gehörten sie zu dem kleinen Kreis von Reichsfürsten, die das Reichsoberhaupt wählten.
Auf kunstpolitischer Ebene lassen sich für das 16. Jahrhundert enge und wechselseitige Beziehungen zwischen beiden weitverzweigten Familien nachweisen. Der Vortrag widmet sich den Wegen und Motiven dieses vielschichtigen Kunst- und Kulturtransfers in einer Zeit, in der die Wettiner den Habsburgern teils als loyale Unterstützer, teils – insbesondere während der Reformation – auch als politische und konfessionelle Gegner gegenüberstanden.
Früh zeigt sich die Vorbildfunktion der habsburgischen Hofkultur für die sächsischen Kurfürsten, deren Bildpropaganda wiederum Impulse für die Kunst Kaiser Maximilians I. lieferte. Zugleich dokumentieren gegenseitige Kunstgeschenke gemeinsame Interessen und Vorlieben und dienten bisweilen – etwa während der Reformationszeit – auch dem Versuch, einen Ausgleich zwischen dem reformatorisch gesinnten Kursachsen und dem katholischen Kaiserhaus herzustellen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts pflegte insbesondere Kurfürst August enge Beziehungen zu Vertretern des Hauses Habsburg. So beeinflusste die Geschenkkultur auch den Aufbau fürstlicher Sammlungen in Dresden und in den habsburgischen Residenzen.

