Sonntag, 23.06.2024

In der Evangelischen Stadtkirche Bad Schmiedeberg kann die informative Ausstellung „Von Einheit zu Vielfalt – Bildung und Erziehung in der DDR und deren Wandel seit 1990“ besichtigt werden. Foto: Wolfgang Gorsboth / Text von Wolfgang Gorsboth

Bad Schmiedeberg (wg). „Von Einheit zu Vielfalt“ – Bildung und Erziehung in der DDR und deren Wandel seit 1990“ ist der Titel einer Ausstellung in der Evangelischen Stadtkirche zu Bad Schmiedeberg, die bis zum 30. Juli 2022 zu sehen ist. Besichtigt werden kann die Exposition zu den Öffnungszeiten der Stadtkirche dienstags und freitags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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Das Martin-Luther-King-Zentrum in Werdau hat eine neue Ausstellung gestaltet, die sich mit dem Bildungssystem in der DDR beschäftigt. Auf 20 Rollbildern wird von dem Neuanfang in Ost- und Westdeutschland nach dem Kriegsende, von den Neulehrern der DDR der 1950er Jahre über die Zeit des Bildungsministeriums unter Margot Honecker bis zur Umgestaltung nach 1990 berichtet. Dabei spielt das komplizierte Verhältnis zwischen Schule und Kirche eine besondere Rolle.

Bildung und Erziehung sind in der DDR untrennbar miteinander verbunden. Grundlage ist das politische Verständnis der SED, welches das gesamte gesellschaftliche Leben bis ins Persönliche hinein durchzieht. Um ihren Führungsanspruch durchzusetzen, versucht die Partei vor allem über Bildungsinstitutionen und Massenorganisationen die Gesellschaft von der Richtigkeit der marxistisch-leninistischen Ideologie zu überzeugen – und wenn nötig, auch zu deren Akzeptanz zu zwingen.

Das pädagogische Ziel ist die „Bildung und Erziehung allseitig harmonisch entwickelter sozialistischer Persönlichkeiten“. Erziehung meint im Wesentlichen gesellschaftliche Kontrolle, Belehrung und, wo dies nicht hilft, Disziplinierung.

Anders als in der Bundesrepublik, wo das Bildungssystem durch die Kulturhoheit der Länder viele Facetten aufweist, ist in der DDR das gesamte Bildungswesen als einheitliches sozialistisches Bildungssystem definiert. An dessen Spitze steht das Ministerium für Volksbildung, in dessen Aufgabenbereich unter anderem Grundsatzentscheidungen, Lehrpläne sowie Ausbildung und Vergütung der Lehrkräfte fallen. Kinder und Jugendliche sollen vom Kleinkindalter an zu Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft erzogen werden und sich mit dem DDR-Staat verbunden fühlen.

Neben Schule und Beruf durchlaufen Kinder und Jugendliche in der DDR ein paralleles Erziehungssystem in Gestalt der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und anschließend in der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ). Die verschiedenen Freizeitangebote, die organisierte Feriengestaltung und die sozialistische Wehrerziehung zählen ebenfalls zu diesem mit den Ausbildungseinrichtungen koordinierten Erziehungssystem. 1978 wurde das Fach Wehrkunde als Pflichtfach für die Klassen 9 und 10 eingeführt und spätestens mit dem Wehrdienstgesetz von 1982 war die Vorbereitung auf den Wehrdienst obligater Bestandteil der zentral organisierten Bildung und Erziehung an den Schulen der DDR.

Mit der politischen Wende erfolgt ein allumfassender ideologischer und struktureller Systemwechsel enormen Ausmaßes. Im Prozess der Umstrukturierung sind indessen keine einfachen Kopien westdeutscher Schulsysteme entstanden. Vielmehr haben die einzelnen neuen Bundesländer die ihnen im Rahmen der Länderzuständigkeit für den Bildungssektor eingeräumte Möglichkeit genutzt, sich eigenständige Lösungswege und Reformmodelle zu erschließen. Aus dem System der Einheit entstand ein System der Vielfalt.

Von Redaktion