Do.. Okt. 29th, 2026

Wittenberg (md/wg). Luther – ein tüchtiger Ökonom? Das erscheint auf den ersten Blick paradox. Doch wie intensiv der Reformator sich mit dem Wirtschaftsgeschehen seiner Zeit auseinandergesetzt hat, wird der Historiker Dr. Philipp Robinson Rößner von der Universität Manchester in einem Vortrag der LutherMuseen am Dienstag, 3. November, erläutern. Beginn im Großen Hörsaal der Stiftung Leucorea ist um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter service@luthermuseen.de oder Tel. 03491/4203 171 wird gebeten.

Zentrale Schriften Luthers, etwa die Streitschrift „Von Kauffshandlung vnd Wucher“ (1524), die einer der (Wirtschafts-)Bestseller seiner Zeit war, zeigen, dass der Reformator neben Religion und Politik auch zum Wirtschaftsleben des 16. Jahrhunderts Stellung nahm. Hierbei ging er Fragen nach, die bis heute relevant sind: Was ist ein Profit und wie viel ist genug? Was ist ein gerechter Unternehmensgewinn? Bis zu welcher Höhe dürfen Zinsen genommen werden? Wie sollten Märkte funktionieren, um zum Wohle aller beizutragen? Wie viel Wettbewerb ist nötig und wie viel ist möglich?

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Alle diese Fragestellungen griff Luther auf, weil er sich als Reformator und öffentliche Person neben der Politik auch zum schnöden Mammon äußern musste. Die von ihm angestoßene Reformation hat den modernen Kapitalismus zwar nicht begründet, doch nahm sie entscheidende Griffe an den Stellschrauben der wirtschaftlichen Entwicklung vor. Luthers Lehre hatte zentralen Einfluss darauf, wie sich Kapitalismus und Wirtschaftsleben nach 1500 entwickelten. Umgekehrt hinterließen auch Wirtschaft und Kapitalismus der Lutherzeit Spuren in seiner Theologie.

Dr. habil. Philipp Robinson Rössner wurde 1977 geboren und war von 2007–2012 Assistenzprofessor an der Universität Leipzig. Von 2012–2017 war er Dozent, seit 2017 Dozent und außerordentlicher Professor sowie seit 2020 Lehrstuhlinhaber für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität von Manchester. Er wurde als Doktor für Wirtschaftsgeschichte 2007 an der University of Edinburgh promoviert und 2011 an der Universität Leipzig habilitiert. Foto: Wikimedia Commons

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