Di.. Okt. 27th, 2026

Wittenberg (md/wg). Traditionell kommt der Senat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) am Reformationstag, 31. Oktober, zu einer Festsitzung mit Disputation zusammen. Das wissenschaftliche Streitgespräch, das um 15 Uhr im Audimax der Stiftung Leucorea beginnt, hat in diesem Jahr das Thema „Interdisziplinarität in Forschung und Lehre. Erwartungen von Wirtschaft und Gesellschaft an Hochschulabsolventen in der Transformations- und Wissensgesellschaft“. Zuvor ziehen die Mitglieder des Senats in ihren historischen Talaren vom Wittenberger Rathaus zur Stiftung Leucorea.

Transformationen prägen Wirtschaft und Gesellschaft und verändern die Anforderungen an Wissen und Kompetenzen. Zugleich sind die Studiengänge an den Hochschulen vielfach noch an alten Mustern akademischer Disziplinen und Leitbildern beruflicher Praxis ausgerichtet. Was bedeutet das für das Verhältnis von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft? Welche Auswirkungen hat dies auf Studiengänge und das Selbstverständnis wissenschaftlicher Disziplinen an den Universitäten? Muss die universitäre (Aus-)Bildung angesichts der Erwartungen an Hochschulabsolventinnen und -absolventen neu gedacht und gestaltet werden?

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Mit diesen Fragen befasst sich die diesjährige Disputation in Wittenberg. Die Thesen zur Disputation stellt dieses Mal auf: Prof. Dr. Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau und Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre (insbesondere Wirtschaftspolitik und Geschichte des ökonomischen Denkens) an der MLU. Mit ihm diskutieren: Dr. Gabriele Meyer, Professorin für Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der MLU und Dr. Nico Elste, stellvertretender Direktor des Zentrums für Lehrerbildung an der MLU. Die Disputation moderiert Dr. Rebecca Waldecker, Prorektorin für Forschung und Vielfalt in der Wissenschaftskultur und Professorin für Algebra an der MLU.

In der Stadtkirche St. Marien findet um 11 Uhr ein Festgottesdienst mit der Wittenberger Kantorei statt. Die Festpredigt hält Prof. Dr. Matthias Clausen, Professor für Systematische Theologie und Homiletik an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg. In der Schlosskirche ist um 17 Uhr ein Konzert zum Reformationsfest mit Frank Liebscher am Saxophon und Ulrich Hirtzbruch an der Orgel zu hören.

Am Abend, 18.30 Uhr, erklingt zudem in der Stadtkirche Mozarts bekannteste Messe – seine Krönungsmesse – mit der Wittenberger Kantorei, Orchester und Solisten unter der Leitung von Kantor Christoph Hagemann. Ursprünglich für den Ostergottesdienst 1779 in Salzburg komponiert, wurde sie wegen ihres festlichen Charakters schon bald bei Krönungsfeierlichkeiten verwendet. Wie bei jeder Messe schuf Mozart neue Musik für die fünf auch heute noch in jedem Abendmahlsgottesdienst verwendeten Gesänge (Kyrie, Allein Gott in der Höh, das damals gesungene Glaubensbekenntnis, Heilig und Christe, du Lamm Gottes), die an der entsprechenden Stelle im Gottesdienst aufgeführt wurde. Tickets ab zehn Euro sind in der Stadtkirche, in der Tourist-Info am Schloss und online erhältlich.

Hintergrund

Laut Überlieferung hat der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Tag vor Allerheiligen im Jahr 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg 95 Thesen zu den Themen Ablass und Buße angeschlagen, um eine akademische Diskussion darüber herbeizuführen. Im Kern bestritt er die herrschende Ansicht, der Ablass sei die Voraussetzung, den Menschen von der Sünde zu erlösen. Die von ihm eingeleitete Reformation hatte weitreichende Folgen. So ist es gemäß dem „Priestertum aller Gläubigen“ für evangelische Gemeinden selbstverständlich, dass auch Laien nach einer Ausbildung Gottesdienste halten sowie Mitglied der Kirchenleitung sein können. Außerdem werden Frauen zu Pastorinnen ordiniert. Unmittelbar mit der reformatorischen Bewegung ist das evangelische Pfarrhaus entstanden und Pfarrer gründeten Familien. Luther hatte selbst durch seine Heirat mit Katharina von Bora das Ende des Zölibates für die evangelischen Geistlichen eingeleitet. Weltlichen Bezug erlangte Luthers Wirken, indem er dafür gesorgt hatte, dass Kommunen eigene Sozialhaushalte bekamen. Foto: W. Gorsboth

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