Bad Schmiedeberg (md/wg). Der mitteldeutsche Raum gehört deutschlandweit zu denjenigen Regionen mit der höchsten Dichte an Kirchengebäuden. Die sprichwörtliche „Kirche im Dorf“ ist nicht nur für religiöse Menschen ein Ankerpunkt, sie verkörpert eine örtliche Identität, ein Zuhause. Vielerorts stehen die großen Denkmale überwiegend leer, nur mit großem Aufwand werden sie erhalten, nicht selten sind sie bereits im Verfall begriffen. Doch immer wieder gibt es interessante Beispiele, bei denen sich Menschen zusammenfinden und „ihre“ Kirche mit Leben erfüllen – ein Beispiel dafür ist die Kirche in Österitz, ein Ortsteil der Ortschaft Trebitz in der Stadt Bad Schmiedeberg.
Diese kleine Dorfkirche wäre beinahe verloren gegangen, aber es gab Menschen, die sich mit ihrem Verfall nicht abfinden wollten: In Österitz zeigt sich, was möglich ist, wenn eine Dorfgemeinschaft gemeinsam anpackt, denn heute ist die Kirche saniert. Nun soll sie nicht nur ein Ort für Gottesdienste sein, sondern auch Raum für Kultur, Begegnung und neue Ideen bieten. Österitz zählt gerade einmal rund 60 Einwohner. Trotzdem steckt viel Leben in dem kleinen Dorf in der Dübener Heide. Als die Schäden an der Dorfkirche immer größer wurden, stand ihre Zukunft auf dem Spiel. Risse im Mauerwerk, ein maroder Dachstuhl und ein gefährdeter Kirchturm machten eine Sanierung dringend notwendig. Aus eigener Kraft hätte die Kirchengemeinde die Kosten kaum stemmen können.
Doch die Menschen vor Ort wollten ihre Kirche nicht aufgeben. Mit Unterstützung von Fachleuten, Handwerkern, dem Kirchenkreis Wittenberg und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland sowie vielen helfenden Händen gelang die Rettung. Auch die LEADER-Förderung machte das Vorhaben möglich: 200.000 Euro aus dem ELER-Programm, kofinanziert durch die EU und das Land Sachsen-Anhalt, flossen in das Projekt. Mit der Sanierung wurde ein wichtiger Schritt geschafft, jetzt geht es darum, die Kirche dauerhaft mit Leben zu füllen. Konzerte sind bereits im Gespräch, auch die örtliche Grundschule soll künftig für ökologische Projekte und Ausflüge einbezogen werden. Das Beispiel Österitz zeigt, wie viel entstehen kann, wenn Engagement vor Ort und passende Förderung zusammenkommen.
Die Sanierung war dabei nicht das Ende des Projekts, sondern der Anfang eines neuen Kapitels. Gemeindekirchenratsvorsitzender Rolf Schulze bringt es auf den Punkt: Ziel sei nicht allein ein kirchliches, sondern auch ein gesellschaftliches Gemeindeleben. Die Kirche soll Menschen zusammenbringen – unabhängig davon, ob sie selbst Mitglied der Kirchengemeinde sind. Wie solche neuen Nutzungen aussehen können, war auch Thema der Veranstaltung „Zukunftsort Kirche – Perspektiven für sakrale Räume“ in Köthen. Die Lokalen Aktionsgruppen der Dübener Heide, Anhalt und des Wittenberger Landes hatten dazu eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie historische Kirchengebäude künftig als Orte der Begegnung, Kultur und Gemeinschaft genutzt werden können.
Was hat das mit dem Naturpark Dübener Heide zu tun? Auf den ersten Blick scheint eine sanierte Dorfkirche wenig mit Naturparkarbeit zu tun. Doch Heimat besteht nicht nur aus Wäldern, Wiesen und Mooren. Sie entsteht auch dort, wo Menschen sich begegnen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas für ihren Wohnort bewegen. Dazu gehören lebendige Dörfer, das Wissen um die eigene Geschichte und Orte, an denen Gemeinschaft wachsen kann. Wenn ein historisches Gebäude erhalten bleibt und neue Aufgaben bekommt, stärkt das auch das Leben vor Ort. Die geplanten ökologischen Angebote mit der Grundschule schlagen zudem eine Brücke zur Umweltbildung.
Nicht Resignation, sondern Kreativität, Gottvertrauen und gemeinschaftliches Engagement sollten den Umgang mit Kirchen prägen, betont Dr. Gabriele Metzner, Superintendentin des Kirchenkreises Wittenberg. Erfahrungen seit den 1990er-Jahren zeigten, dass vermeintlich aussichtslose Kirchengebäude durch zivilgesellschaftliches Engagement rettbar seien. Sie ermutigt dazu, Aufgeben nicht als alternativlos hinzunehmen. An vielen Orten zeigten Restaurierungen und neue Nutzungen, was durch Kirchengemeinden, Kommunen, Vereine, öffentliche Förderung und ehrenamtliches Engagement möglich ist. Kirchen böten Schutz, Stille, Schönheit, Geschichte und Gemeinschaft. Ihr Wert lasse sich nicht allein in Geld ausdrücken. Jedes Gebäude und jeder Ort brauchten eine individuelle Lösung. Foto: Wikipedia


