Do.. Okt. 29th, 2026

Wörlitz (md/wg). Über das Sondervermögen des Bundes „Infrastruktur“ hat die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz einen Fördermittelbescheid über 4,775 Millionen Euro erhalten. Ziel ist es, erneuerbare Energien und Denkmalschutz miteinander zu verbinden und ein Wärmeversorgungskonzept zu entwickeln und umzusetzen. Wie lassen sich historische Schlösser, Orangerien und andere denkmalgeschützte Gebäude klimafreundlich beheizen, ohne ihre historische Substanz und ihr Erscheinungsbild zu beeinträchtigen?

Mit einem umfassenden Wärmeversorgungskonzept stellt die Kulturstiftung die Weichen für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung ihrer Liegenschaften. Rund 120 Gebäude gehören zum Bestand der Kulturstiftung – darunter die Schlösser und historischen Anlagen in Wörlitz, Oranienbaum, Luisium und Mosigkau – sowie Betriebs- und Funktionsgebäude. Gegenwärtig werden die Liegenschaften mit über 37 überwiegend dezentralen Heizungsanlagen mit fossilen Brennstoffen versorgt.

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Der allergrößte Teil der Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die künftige Wärmeversorgung muss deshalb nicht nur energieeffizient und wirtschaftlich, sondern vor allem denkmalgerecht sein. Die Stiftung kann bereits erste Erfolge vorweisen: Die erfassten Treibhausgasemissionen konnten von rund 900 Tonnen Kohlendioxid im Jahr 2024 auf etwa 830 Tonnen im Jahr 2025 reduziert werden. Einen wichtigen Beitrag leistete dabei unter anderem die Umstellung der Heizungsanlage im Wirtschaftshof Wörlitz auf Wärmepumpentechnologie, durch die jährlich rund 12,5 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden konnten.

Kern des neuen Konzepts ist die schrittweise Bildung sogenannter „Wärmeinseln“. Mehrere Gebäude sollen künftig gemeinsam über effiziente, möglichst erneuerbare Energiesysteme versorgt werden. Zunächst sind zentrale Versorgungsbereiche in Wörlitz, Oranienbaum und Luisium vorgesehen. Für Mosigkau, Großkühnau und die Domäne Wörlitz sind dezentrale Lösungen auf Basis erneuerbarer Energien geplant. Ziel ist es, spätestens 2045 vollständig auf fossile Brennstoffe zu verzichten.

Ein besonders anschauliches Beispiel ist Schloss Oranienbaum, die bestehenden Gasheizungen sollen durch vier Sole-Wasser-Wärmepumpenkaskaden ersetzt werden. Als Wärmequelle dient ein geothermisches Bohrfeld im Innenhof mit bis zu 20 Erdsonden. Damit kann erneuerbare Energie genutzt werden, ohne das historische Erscheinungsbild des Schlossensembles zu beeinträchtigen. Auch im Luisium soll eine zentrale Energieversorgung entstehen. Eine Großwärmepumpe soll künftig rund 70 bis 80 Prozent des Jahreswärmebedarfs decken. Ergänzend sind Biomasse und eine Gasversorgung als Notfallreserve vorgesehen. Die Energiezentrale soll bewusst außerhalb der historischen Hauptsichtachsen liegen.

Für die Domäne Wörlitz ist eine weitere innovative Lösung vorgesehen: Ein hofinternes Niedertemperatur-Wärmenetz soll künftig Büro-, Werkstatt- und Sozialbereiche versorgen. Eine hybride Energiezentrale kombiniert Großwärmepumpen, gekoppelt mit einem Biomassekessel. So können fossile Energieträger deutlich reduziert und gleichzeitig Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit gewährleistet werden. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und reicht von der Bestandsanalyse über die Planung und Genehmigung bis zur baulichen Realisierung und anschließenden Betriebsoptimierung.

Für diese bis 2030 ersten vorgesehenen Maßnahmen sind im Konzept insgesamt rund 4,775 Millionen Euro veranschlagt. Mit dem Wärmeversorgungskonzept verbindet die Kulturstiftung Klimaschutz, Energieeffizienz und Denkmalschutz zu einer gemeinsamen Zukunftsstrategie. Das Gartenreich soll damit nicht nur als herausragendes Kulturerbe bewahrt, sondern auch energetisch für die kommenden Generationen fit gemacht werden. Foto: W. Gorsboth

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