Wittenberg (md/wg). Martin Luther ist nie in Dänemark gewesen, und doch hat das nördliche Nachbarland die Reformation innerhalb weniger Jahre eingeführt. Wie sich der „neue Glaube“ in Dänemark durchgesetzt hat, darüber berichtet die Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Anna Vind von der Universität Kopenhagen in einem Vortrag der LutherMuseen am Dienstag, 1. September. Beginn im Großen Hörsaal der Stiftung Leucorea Wittenberg ist um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung an service@luthermuseen.de oder unter Tel. 03491/4203 171 wird gebeten.
In wenigen Ländern der Welt gibt es einen so hohen Anteil an Protestanten wie in Dänemark. Die Reformation gewann hier vor allem ab 1526 mit der Einrichtung einer reformatorischen Kirchenordnung und der lutherischen Pfarrerausbildung in den Ländereien Haderslev und Tørning an Fahrt. An der Spitze dieser Entwicklung stand Herzog Christian, der spätere König Christian III. Er holt Luthers Weggefährten Johannes Bugenhagen nach Dänemark, der half, die dänische Kirchenordnung auszuarbeiten. Die endgültige Entscheidung, das gesamte Land zu reformieren, ließ jedoch auf sich warten. Sie fiel erst zehn Jahre später, nach einem Bürgerkrieg.
Die Beziehung zu Deutschland und besonders zu Luther war in mehrfacher Hinsicht von Anfang an eng und bedeutsam. Der junge Herzog Christian hatte sich 1521 selbst in Worms aufgehalten – eine Erfahrung, die großen Eindruck auf ihn gemacht hatte und wohl für seine spätere Ausrichtung von Bedeutung war. Haderslev, der Ursprungsort der Reformation in Dänemark, ist übrigens Partnerstadt der Lutherstadt Wittenberg und erinnert 2026 an den Beginn der neuen Glaubensbewegung vor 500 Jahren.
Prof. Dr. Anna Vind lehrt und arbeitet seit 2002 an der Universität Kopenhagen zur frühneuzeitlichen Kirchengeschichte. Sie ist ausgewiesene Expertin für Reformationsgeschichte, insbesondere zu Martin Luther sowie zu Fragen der Sprache, Kommunikation und Theologie. An der Universität Kopenhagen war sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistenzprofessorin, später als außerordentliche Professorin sowie von 2013 bis 2018 als Professorin für Kirchengeschichte tätig.
Im Jahr 2002 promovierte sie mit einer Dissertation über die Kontroverse zwischen Latomus und Martin Luther zur Frage, ob jede gute Tat zugleich Sünde sei. Seit 2023 arbeitet sie an der von der Carlsberg Foundation geförderten Monografie „Modus loquendi. Word and Communication in Martin Luther“. Zudem gründete sie das Centre for Copenhagen Luther Research, das nationale und internationale Lutherforschung vernetzt, den wissenschaftlichen Nachwuchs fördert und Drittmittelprojekte initiiert.
Bild: Der dänische König Christian III., Gemälde von Jakob Binck, um 1550, Quelle: Wikimedia Commons


