Sonntag, 16.06.2024

Bis 2024 bei den Übernachtungen das Vor-Corona-Niveau erreichen; WelterbeRadeln wird forciert

Wittenberg (wg). „Keine pessimistische Stimmung verbreiten, gleichwohl realistisch auf die Situation schauen“, gibt Elke Witt, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Anhalt-Dessau-Wittenberg e.V., als Motto für die Tourismussaison 2022 aus, die Zielstellung für die Zukunft lautet: Bis 2024 will man bei den Übernachtungen wieder die Zahlen des letzten coronafreien Jahres 2019 erreicht haben. Damals wurden 1,26 Millionen Übernachtungen registriert. In 2021 habe man bei den Übernachtungen im Vergleich zu 2019 einen Rückgang von rund 422.000 Übernachtungen verkraften müssen.

„Das Ziel ist nur erreichbar, wenn es in 2022 und den Folgejahren zu keinen weiteren Lockdowns kommt, diese würden die wirtschaftliche Situation sowie den Arbeitskräftemangel unserer Tourismusunternehmen weiter verschärfen“, warnt Witt. In den beiden Corona-Jahren habe es keine Austritte aus dem Tourismusverband gegeben, auch seien keine Insolvenzen von Mitgliedsunternehmen bekannt. Die großzügigen finanziellen Unterstützungen von Bund, Ländern, Kommunen und privaten Akteuren hätten in den vergangenen beiden Jahren erheblich zur Stabilisierung der Tourismuswirtschaft beigetragen.

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Junge Familien

„Wir konzentrieren uns jetzt vorrangig auf die Umsetzung unseres in 2021 entwickelten neuen Marketing- und Strategiekonzepts, im Fokus steht dabei eine große Re-Start-Kampagne nach Corona, die vom Land finanziell unterstützt wird“, berichtet Witt. Überdies werde man, aufbauend auf den guten Erfahrungen der vergangenen zwei Corona-Jahre, das digitale Marketing inklusive Social Media forcieren, um junge Familien als neue Zielgruppe anzusprechen, ohne den klassischen Bildungs- und Kulturtouristen der Altersgruppe 50plus zu vernachlässigen. Beide Zielgruppen hätten inhaltlich eine andere Ausrichtung und fänden sich auf unterschiedlichen digitalen wie analogen Medien wieder.

Warum junge Familien als neue Zielgruppe? „Die während der Corona-Pandemie durchgeführten Zielgruppenanalysen haben gezeigt, dass aufgrund der gesetzlichen Regelungen wie Schließung von Einrichtungen, Abstandsregelungen, etc. eine Fokussierung auf Outdoor- und Aktivangebote stattfand“, so Witt. „Urlaub in Deutschland hatte plötzlich eine viel größere Bedeutung, vor allem Familien entdeckten viele Reiseregionen in der Bundesrepublik neu als Destinationen.“

Die WelterbeCard bleibe das Hauptmarketing-Instrument des Verbandes, sie habe sich als flexibles All-inklusive Angebot und Premium-Produkt bewährt. Um insbesondere junge Familien anzusprechen, habe man die Drei-Tages-FamilienCard eingeführt, die ebenfalls neu eingeführte digitale WelterbeCard trage dem Trend zur Digitalisierung im Tourismus Rechnung. Die Bibelübersetzung Martin Luthers hat die Welt bewegt – und die moderne deutsche Sprache geprägt: „Mit dem Jubiläum 500 Jahre Bibelübersetzung wollen wir in diesem Jahr als Verband die Möglichkeit nutzen, das Thema ‚Luther’ wieder stärker zu kommunizieren und die Gästegewinnung in den Lutherstädten in unserer WelterbeRegion neu beleben“, kündigt Witt an.

WelterbeRadeln

Der Radtourismus verzeichnete nach den Corona-Jahren 2020/21 als Outdoor-Tourismusform besonders hohe Steigerungsraten, „dieses Thema“, betont Witt, „nimmt deshalb in unserer Verbandsarbeit weiterhin einen hohen Stellenwert ein und ist ein wesentlicher Faktor für den erfolgreichen Re-Start.“ Der Verband trage die Verantwortung für mehr als 700 Kilometer touristischer Radwege mit überregionaler Bedeutung – entweder als Koordinierungsstelle (Europaradeweg R1, Radweg Berlin-Leipzig, die Themenroute Kohle, Dampf Licht, Seen-Radweg) oder als verantwortliche Organisation im Verbandsgebiet.

„Mit der Kampagne ‚Rad & Aktiv – WelterbeRadeln in Anhalt-Dessau-Wittenberg’ wollen wir den Radtourismus auf ein neues, höheres Niveau heben“, erläutert Vanessa Deisinger, Themenmanagerin für Rad- und Aktivtourismus. Man wolle „WelterbeRadeln“ als Claim etablieren und als Zielgruppen Familien, Bildungstouristen sowie Einheimische ansprechen. Dazu würden entlang der Radwege die Sport-, Freizeit und Naherholungsangebote ausgebaut, Wegebeschaffenheit und Ausschilderungen verbessert.

„Die ‚Unesco-Welterbetour’ wird als Highlight in der Region positioniert“, erklärt Deisinger. So gebe es im neuen WelterbeCard-Reiseführer 2022 sechs Sonderseiten zum WelterbeRadeln, zusätzlich jede Menge Social-Media- und Blog-Beiträge mit Tourenvorschlägen und Ausflugtipps, zudem werde man das Angebot an geführten Radtouren und Pauschalreise-Angebote für Radausflüge und Radreisen in der WelterbeRegion ausbauen.

Für den Europaradweg R1, der in London startet und in Moskau endet, hat der Tourismusverband vom Land Sachsen-Anhalt erneut die Fortführung der Koordinierungsstelle für den Streckenabschnitt in Sachsen-Anhalt übertragen bekommen. „Ziel ist es, den Abschnitt in unserem Bundesland im europäischen Kontext als touristisches Produkt weiterzuentwickeln und zu einer starken Säule im Aktiv- und Naturtourismus auszubauen“, betont Deisinger.

Radnetz Deutschland

Gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg hat sich Sachsen-Anhalt für den R1 um eine Förderung aus dem Bundesprogramm „Radnetz Deutschland“ erfolgreich beworben, das Projekt ist im April 2022 gestartet und umfasst unter anderem eine Strecken-, Nutzungs- und Zielgruppenanalyse sowie die Gestaltung eines neuen Webauftritts. Ziel ist es, den R1 wie den Elberadweg zur eigenständigen Marke zu profilieren, den Bekanntheitsgrad und damit die Zahl der Übernachtungen und die Verweildauer zu erhöhen.

Bereits erschienen ist ein neuer Info-Flyer zum beliebten Radweg Berlin-Leipzig inklusive eines Relaunchs der Webseite mit ausführlichen Etappenbeschreibungen und Tourentipps und für den Flämingradweg von Dessau nach Zerbst/Bad Belzig wird in der zweiten Jahreshälfte eine neue Broschüre veröffentlicht. Der erste WelterbeRadeltag findet zentral am 25. September in Aken statt.

BU: Elke Witt (l.), Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Anhalt-Dessau-Wittenberg und Vanessa Deisinger, Themenmanagerin für Rad- und Aktivtourismus, außerdem leitet sie die Koordinierungsstelle des Europaradweges R1 in Sachsen-Anhalt.

Foto: Wolfgang Gorsboth

Von Redaktion