Erfurt/Magdeburg (md/wg). Mit einem Gottesdienst hat am heutigen Donnerstagmittag (23. April) die dreitägige Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) im Landeskirchenamt in Erfurt begonnen. In seiner Rede zum Auftakt der Plenumssitzung forderte Landesbischof Friedrich Kramer, in den Kirchengemeinden verstärkt darüber aufzuklären, was es heißen würde, wenn das AfD-Regierungsprogramm umgesetzt wird. „Außerdem benötigen wir Beratungs- und Schutzstrukturen für diejenigen, die sich Bedrohung und Angriffen ausgesetzt sehen, egal ob im Haupt- oder Ehrenamt“, betonte er.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und ihre möglichen Auswirkungen war und sei ein intensiv diskutiertes Thema in der Kirche. Er verweist auf die Äußerungen der katholischen und evangelischen Bischöfe in Sachsen-Anhalt zum AfD-Wahlprogramm, das ein Angriff auf die offene Gesellschaft und den sozialen Frieden in unserem Land sei („Mittendrin“ berichtete). In einer Zeit, in der Nachrichten in Angst und Schrecken versetzten und das, was Menschen erlebten und wahrnähmen, nach allem anderen als nach österlicher Friedensbotschaft klinge, könne die Realität des Grauens nicht geleugnet werden, aber sie dürfe nicht vom Leben abschnüren. Kramer: „Ostern führt über den Schmerz hinaus und lässt hoffen, dass nicht die Sinnlosigkeit, der Abgrund, die Dunkelheit das letzte Wort haben, sondern der Glaube, die Liebe und die Hoffnung.“
Zur aktualisierten Finanzplanung bis zum Jahr 2045 berichtete der Landesbischof, dass der Mitgliederrückgang mit 4,5 Prozent jährlich höher als der bisherige Durchschnitt (3,5 Prozent) erwartet werde. Demnach gäbe es in den nächsten fünf Jahren etwa 5 Prozent weniger Einnahmen, also einen Rückgang von 217 auf 207 Millionen Euro. Hier seien auch weitere Sparbemühungen einzuordnen. So seien bisherige Einrichtungen wie das Kinder- und Jugendpfarramt und das Pädagogisch-Theologische Institut in das Landeskirchenamt eingegliedert worden, um bei sinkenden Ressourcen dennoch kooperativer arbeiten zu können. Auch werde die Projektentwicklung für den Zusammenschluss der Evangelischen Akademien Thüringen und Sachsen-Anhalt zu einer gemeinsamen Akademie Mitteldeutschland bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
In ihrem Bericht aus dem Sprengel Magdeburg fordern Regionalbischöfin Bettina Schlauraff und Regionalbischof Johann Schneider im Prozess der strukturellen Veränderungen mehr Aufmerksamkeit für das Ehrenamt in der Landeskirche: „Menschen, die ehrenamtlich die Gemeinden in die Hände gelegt bekommen und damit viel Verantwortung und hohe Anforderungen an Selbstorganisation, Verwaltungsvorgänge, Pachtfragen und gleichzeitig das geistliche Leben aufrecht erhalten sollen, müssen noch stärker in den Fokus unseres Handelns rücken.“ Es brauche Netzwerke, Zugänge zu Informationen und Ressourcen, um die Aktiven zu selbstbestimmtem Handeln zu befähigen.
Auch brauche es in Zeiten, in denen mehr experimentiert wird, eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit: „Es hilft eine Praxis der Vergebung, damit wir mitten in dem Ringen um den guten Weg zusammenbleiben. Die oft genannte Fehlerfreundlichkeit bleibt sonst ein theoretisches Konstrukt und weltfremd. Fehlerfreundlich kann ich nur dann sein, wenn ich bereit bin, zu vergeben und das nicht aus einem moralischen, irgendwie angehauchten ideologischen Sinn, sondern weil ich selbst um meine eigenen Schwächen weiß“, heißt es in dem Regionalbischofs-Bericht.
Hintergrund:
Die Landessynode besteht aus 84 gewählten, berufenen und solchen Mitgliedern, die ihr von Amts wegen angehören. Sie verkörpert die Einheit und Vielfalt der Gemeinden, Kirchenkreise, Dienste und Einrichtungen der Landeskirche. Zu den Aufgaben der Abgeordneten, der Synodalen, gehören unter anderem die Kirchengesetzgebung und der Beschluss über den Haushaltsplan; die Synode nimmt Berichte des Landesbischofs, des Landeskirchenrates und des Landeskirchenamtes entgegen und kann ihnen Aufträge erteilen. Die Landessynode tritt in der Regel zweimal im Jahr zu mehrtägigen Sitzungen zusammen.
Hinweis:
Die Landessynode tagt im Landeskirchenamt in Erfurt und ist öffentlich. Der Ablaufplan sowie sämtliche Unterlagen zu der Synodentagung finden sich unter: www.ekmd.de/kirche/landessynode/tagungen/11-tagung-der-iii-landessynode-vom-23-bis-25-april-2026-in-erfurt.html. Die Synodentagung kann im Livestream unter www.ekmd.de/synode verfolgt bzw. nachträglich angeschaut werden. Foto: EKM

