Mittwoch, 22.05.2024

Tornau (wg). Das Heidedorf Tornau und der Naturpark-Verein Dübener Heide e.V. laden am 30. und 31. Juli nach zweijähriger Zwangspause wieder zum Internationalen Holzskulpturenwettbewerb „Kunst mit Kettensägen“ auf der Skulpturenwiese an Weichers Mühle ein. Das Motto in diesem Jahr lautet: „Der Atem der Bäume schenkt uns das Leben.“ Beginn an beiden Tagen ist jeweils um 10 Uhr, der Eintritt beträgt sieben Euro.

Lange ruhten die Kettensägen, kein Lärm im beschaulichen Heidedorf, keine fliegenden Holzspäne, doch an diesem Wochenende ist es wieder soweit, zum 21. Mal greifen Künstler aus Deutschland und vielen Ländern Europas zur Kettensäge, um Kunstwerke aus Holz zu kreieren. Aus zwei bis drei Meter hohen, wuchtigen Baumstämmen gestalten die Berufs- und Hobbykünstler passend zum Thema imposante Holzfiguren. Umrahmt wird das Spektakel von einem bunten Programm mit Musik und kulturellen Highlights. Die Besucher  können über einen Heidemarkt mit regionalen Spezialitäten schlendern und Kulinarisches im größten Sommerbiergarten des Naturparks genießen.

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„Kunst mit Kettensägen“ ist das größte Sommerfest im Naturpark Dübener Heide. Der Tornauer Wettbewerb war der erste in Deutschland und gehört heute zu den renommiertesten seiner Art. Ins Leben gerufen wurde er vom Heidekünstler Wolfgang Köppe, am 1. Februar 2018 verstarb der Initiator, Mentor und Schirmherr in Tornau im Alter von 91 Jahren. Das Heidedorf und der Naturparkverein führen die Tradition des Wettbewerbs verantwortungsvoll und im ehrenden Gedenken weiter.

Tradition im Sinne des Bewahrens prägt auch die von Köppe begründete Philosophie des Wettbewerbs – den Umgang mit Baumstämmen, totem Holz, das durch die Kunst zu neuem Leben erwacht. Das Hauptwerkzeug der Schnitzer ist die Kettensäge, mit ihrer Hilfe kreieren sie die imposanten Holzfiguren. Viele davon kann man auf der großen Wiese an Weichers Mühle bewundern, Skulpturen, die zeigen, dass Kunst mit Kettensägen kein Event mit Kurzzeitwirkung ist, vielmehr entsteht Bleibendes.

Kurz nach der Wende beschritt Wolfgang Köppe neue Wege, unter anderem lud er Studenten aus England in das 600-Seelen-Dorf zu Kunstlehrgängen ein. Dabei wurde auch viel mit Holz gearbeitet, zunächst aber nur mit traditionellen Werkzeugen wie Beitel und Schnitzmesser. Dann kam die Idee, es einmal mit Kettensägen zu probieren. „Alle neuen Ideen müssen erst einmal reifen, vor allem in den Köpfen der jungen Künstler“, erklärte Köppe damals.

Das aus einer Ulme von englischen Studenten mit der Kettensäge gestaltete Einhorn markierte für Köppe den geistigen Anfang des Holzskulpturen-Wettbewerbs. Weitere Skulpturen entstanden und fanden ihren Platz auf der großen Wiese am Wanderweg, Einheimische und Besucher waren begeistert und im Sommer 2000 fand der erste Holzskulpturen-Wettbewerb mit Kettensägen an Weichers Mühle im Hammerbachtal statt. Obwohl es diese Mühle so gar nicht mehr gab, wurde sie zum Symbol für den Wettbewerb.

Für Köppe war die Liebe zum Baum als Symbol allen Wachstums und zum Holz Grundlage des Wettbewerbs. Entsprechend intensiv war des Künstlers Beziehung zur waldreichen Dübener Heide und zu den Menschen, die hier leben. „Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden“ hat der Dichter Erich Kästner einmal gesagt. Auch Köppe betrachtete Bäume als mitteilsames Gegenüber, als Bildhauer entlockte er dem toten Baum neues Leben.

Bild: Auf der Skulpturenwiese an Weichers Mühle. Foto: Wolfgang Gorsboth

Von Redaktion