Wörlitz (md/wg). Nach Jahren des Dornröschenschlafs wird das historische Ensemble „Gelbes Haus“ in Wörlitz zu neuem Leben erweckt. Mit dem offiziellen Baustart am 27. Mai 2026 wird es denkmalgerecht saniert und für das zukünftige Besucherzentrum der UNESCO-Welterbestätte Gartenreich Dessau-Wörlitz ertüchtigt. Zum symbolischen Akt angesagt haben sich der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Wolfram Weimer, Ministerpräsident Sven Schulze, Rainer Robra, Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Professor Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der deutschen UNESCO-Kommission und Maik Strömer, Bürgermeister der Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Begrüßt werden die Gäste von Prof. Dr. Harald Meller, Kommissarischer Vorstand und Direktor der Kulturstiftung.
Das Bauprojekt ist Teil des Masterplans der Bau- und Gartendenkmalpflege der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und wird finanziert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Land Sachsen-Anhalt. Der Masterplan weist die vordringlichsten bau- und gartendenkmalpflegerischen Vorhaben der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz aus, für deren Instandsetzung die bestehenden Zuwendungen in der Vergangenheit nicht ausreichten. Mit der Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund und dem Land Sachsen-Anhalt, die bereits im Oktober 2023 in Berlin geschlossen wurde, konnte ein wesentlicher Meilenstein für die Sicherung der Zukunft des UNESCO-Welterbes Gartenreich Dessau-Wörlitz erreicht werden.
Bund und Land werden bis 2032 rund 150 Millionen Euro zusätzlich für Investitionen im Dessau-Wörlitzer Gartenreich zur Verfügung stellen. Mit den damit verbundenen finanziellen Mitteln können wichtige Bauvorhaben und Restaurierungsprojekte endlich umgesetzt und bedeutende Baudenkmale gerettet werden. Ein wesentlicher Aspekt des Masterplans ist die nachhaltige Aufwertung des Kernbereiches Wörlitz. Nachdem das Haus der Fürstin als Ausstellungszentrum restauriert und 2023 eröffnet wurde, sollen als nächste Wegmarken das „Gelbe Haus“ zum Welterbe-Zentrum entwickelt und der neugotische Marstall als Ausstellungsobjekt für das Publikum geöffnet werden.
Die Bündelung dieser drei sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses befindlichen Objekte schafft nicht nur eine neue Attraktion im Gartenreich, sondern dient der nachhaltigen Wiederbelebung dieser städtebaulich bedeutenden Situation in Wörlitz. Mit der Schaffung eines Welterbe-Zentrums in Wörlitz soll die Präsentation des UNESCO-Welterbes Gartenreich Dessau-Wörlitz und der WelterbeRegion Luther, Bauhaus, Gartenreich, Elbe sowie das Informationsangebot für Gäste optimiert werden. Für das „Gelbe Haus“ und den Marstall mit Freiflächen wurden Gesamtkosten in Höhe von ca. 33 Mio. Euro ermittelt.
Das Erdgeschoss des „Gelben Hauses“ (auch Amtshaus genannt) weist die älteste Bausubstanz vor, die sich zeitlich in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts einordnen lässt. Die Schwarzküche und ein Kellergewölbe aus dieser Zeit haben sich ebenfalls erhalten. Ein Stadtbrand am 22. Juli 1725 zerstörte vermutlich unter anderem das Gelbe Haus. Ab ca. 1760 wurde es ab dem ersten Obergeschoss in Fachwerkbauweise neu errichtet; die Grundmauern blieben bestehen. Den größten optischen Einschnitt musste das Areal im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erdulden. Der heute nicht mehr vorhandene vierte Flügel im Westen wurde abgerissen und durch die noch immer existierende Einfriedungsmauer mit Tor ersetzt. Foto: W. Gorsboth

