Mi.. Juli 15th, 2026

Wörlitz (wg). Vor 250 Jahren, im Dezember 1776, besuchte der junge Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) erstmals das Fürstentum Anhalt-Dessau und das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Was mit einer Winterreise im Gefolge des Weimarer Herzogs Carl August begann, entwickelte sich zu einer über zwei Jahrzehnte währenden Verbindung. Insgesamt sieben Aufenthalte führten Goethe nach Anhalt-Dessau. Darunter jener vom Mai 1778, der Goethe nicht nur zu einer Zeichnung des Wörlitzers Schlosses, sondern auch zu den legendären, in einem Brief an Charlotte von Stein notierten Zeilen anregt: „Hier ist’s jetzt unendlich schön…“. Seither ist Goethe, ob gewollt oder nicht, ein viel zitierter Botschafter des Gartenreiches.

Anlässlich dieses kleinen und dennoch besonderen Jubiläums präsentieren die Anhaltische Goethe-Gesellschaft, die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und die Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches vom 16. Juli bis 9. August 2026 eine Kabinettausstellung im historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ in Wörlitz.

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Goethe war im November 1775 in Weimar angekommen und hatte 1776 sein Gartenhaus an der Ilm bezogen, kurz bevor er im Dezember die Reise nach Wörlitz antrat. Wörlitz galt zu dieser Zeit als modernster Landschaftsgarten nach englischem Vorbild in Deutschland. Trotz des Winters war Goethe von der „Landesverschönerung“ und den Parkanlagen des Fürsten beeindruckt, er bewunderte die neoklassizistischen Bauwerke wie das Wörlitzer Schloss und deren Ausstattung mit moderner Technik. Insgesamt sieben Besuche hat Goethe zwischen 1776 und 1797 der Fürstenresidenz Anhalt-Dessau abgestattet und dabei den berühmten Wörlitzer Park viermal besucht. Dabei handelte es sich vor allem um Dienstreisen in seiner Eigenschaft als geheimer Legationsrat, der das besondere Vertrauen seines Herzogs genoss.

Die Ausstellung beleuchtet in sechs Themenbereichen vielfältige Facetten der mitunter auch von Distanz und Kritik geprägten Beziehungen Goethes zum Gartenreich und zu Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. Das Verhältnis war komplex und offenkundig nicht unproblematisch: „Zwar sind wir bisher einander noch nichts geworden“, schrieb Goethe 1782 über den Fürsten in einem Brief an den Schweizer Theologen Johann Kaspar Lavater, um dem Fürsten gleichzeitig eine „schöne und große Natur“ zu attestieren. Fürst Franz wiederum bemerkte über Goethe „passte nicht für mich“ und an anderer Stelle beschrieb er ihn als „manchmal unangenehm schweigsam“. Die Kontakte zwischen beiden dürften eher formeller Natur gewesen sein.

Ebenfalls thematisiert wird der kulturelle Austausch zwischen Dessau-Wörlitz und Weimar. Der umfangreiche und nachhaltig wirkende Wissens- und Kulturtransfer zwischen Dessau-Wörlitz und Weimar und ein gemeinsames, an der klassischen Antike geschultes Kunstverständnis kommen dabei ebenso zur Sprache wie Einflüsse des Wörlitzers Landschaftsgartens auf literarische Werke Goethes. Das berühmteste Beispiel ist hier zweifelsohne der Roman „Die Wahlverwandtschaften“ (1809). Hier finden sich auf den ersten Seiten detaillierte Angaben zur Wörlitzer Topographie und auch die Grundkonstellation, in der sich ein adliges, von der Gartengestaltung begeistertes Ehepaar einander entfremdet und die Liebe in anderen Partnerschaften sucht, erinnert an die Verbindung von Franz und Louise von Anhalt-Dessau. Ebenso wird die spätere Goethe-Rezeption im Gartenreich thematisiert.

Illustriert werden die Themen durch Kunstwerke, Plastiken, Reproduktionen historischer Grafiken und ausgewählte Dokumente. Eine Zeittafel stellt Goethes Leben und die Ereignisse im Gartenreich dar und hebt die Besuche Goethes als Schnittstellen beider Zeitstränge hervor. Ein besonderes Exponat ist das erstmals im Gartenreich präsentierte Faksimile des berühmten Briefes Goethes an Charlotte von Stein mit den Zeilen: „Hier ists iezt unendlich schön…“. Kuratiert wurde die Ausstellung von Kerstin Bittner (Anhaltische Goethe-Gesellschaft), Liane Janzen und PD Dr. Jana Kittelmann (beide Kulturstiftung Dessau-Wörlitz).

Hinweise

„…unendlich schön…“ – 250 Jahre Goethe im Gartenreich Dessau-Wörlitz, Kabinettausstellung vom 16. Juli bis 9. August 2026 im historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ in Wörlitz. Öffnungszeiten: jeweils Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 16 Uhr, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter: www.anhaltische-goethe-gesellschaft.de.

Goethe-Thementag

Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres folgt am 28. August 2026, dem 277. Geburtstag Goethes. Um 15.30 Uhr präsentieren Studierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Sommerspeisesaal des Wörlitzer Schlosses die szenische Lesung „Von Wäldgen und Menschen. 250 Jahre Goethe im Gartenreich“, musikalisch begleitet vom Leipziger Gitarristen Jörg Holzmann. Im Anschluss wird um 18 Uhr im Eichenkranz die selten gezeigte DEFA-Verfilmung von Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ gezeigt.

Bild: Faksimile des berühmten Briefs Goethes an Charlotte von Stein. Foto: ©KsDW/Nicole Boß

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