Wittenberg (md/wg). Fünf Politikerinnen und Politiker nehmen auf einer Bühne Platz und reden einen Abend lang frei von der Leber über ihre eigenen Fehler, Missgeschicke und Lernerfahrungen. Gibt’s nicht? Doch bei der „Fuckup Night für die Demokratie“ am 25. Juni um 19 Uhr in der Phönix Theaterwelt Wittenberg. Das vom 49-jährigen Politik- und Digitalberater Martin Fuchs entwickelte innovative Format will Impulse für eine neue politische Fehlerkultur setzen und verspricht „einen fehlerhafter Abend, der ungewöhnliche Einblicke in den politischen Alltag ermöglicht und Politikerinnen und Politiker von einer unbekannten Seite zeigt.“ Ein Abend ehrlicher Einblicke und einer Prise Selbstironie.
In der Politik ist es schwer und manchmal unmöglich, offen über Fehler zu sprechen. Politikerinnen und Politiker, die Fehler eingestehen, müssen oft Spott und Häme über sich ergehen lassen, gerade in Social Media. Genau hier setzt die Idee der Veranstaltung an, die ihren Ursprung in der Start-up-Szene hat. In sogenannten „Fuckup Nights“ berichten Unternehmer von gescheiterten Projekten, Fehlentscheidungen und Rückschlägen. Dieses Konzept Fuchs auf die Politik übertragen, um einen Raum zu schaffen, in dem Politiker offen über Fehler sprechen können, ohne dafür sofort an den Pranger gestellt zu werden.
Denn die politische Konkurrenz und Medien lassen keine Gelegenheit verstreichen, Schwächen und Versäumnisse zu skandalisieren. Das wirkt abschreckend auf viele Menschen, die über politisches Engagement nachdenken und führt dazu, dass politisches Handeln viel zu oft auf Fehlervermeidung ausgerichtet ist. „Dabei würden viele Missstände schneller behoben und Verbesserungsmöglichkeiten eher genutzt, wenn sich in der Politik eine Kultur verankern ließe, zu der auch Scheitern, Neuanfänge und das öffentliche Lernen aus Fehlern gehören würden“, erklärt Fuchs. Dies würde langfristig das Vertrauen in die Demokratie stärken.
Für die Wittenberger Ausgabe haben bereits zwei Politiker zugesagt: Bea Lindhorst von den Grünen, die bei der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt kandidieren will, sowie Marcus Hillwig, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Dessau-Roßlau. Angefragt wurden außerdem der CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Feuerborn, der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby sowie Nicklas Kurzweil, Co-Kreisvorsitzender der Linken im Burgenlandkreis.
Hintergrund
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit den Landesstiftungen der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt statt. Gefördert wird sie durch die Zeit-Stiftung Bucerius. Martin Fuchs stammt aus Halle und lebt seit 15 Jahren in Hamburg, er ist der Erfinder und Initiator des Veranstaltungsformats, mit dem er seit 2022 erfolgreich durch Deutschland tourt.
Bislang gab es 18 „Fuckup Nights für Demokratie“ mit mehr als 80 Spitzenpolitikern auf der Bühne. Erst vor wenigen Tagen feierte das Konzept seine Premiere auch in Sachsen-Anhalt mit einer Veranstaltung in Halle. Fuchs wird die Veranstaltungen in Wittenberg moderieren. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei. Die Veranstalter bitten jedoch um eine Anmeldung über die Internetseite fuckup-night.de/wittenberg.

