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Erik Kunert aus Reinsdorf hat bereits über 400 Stadien weltweit besucht

Wittenberg (aw). Wenn Erik Kunert über Fußball spricht, wird schnell klar: Für den 37-Jährigen ist es weit mehr als ein Hobby. Kunert gehört zu den Groundhoppern – Fußballfans, die möglichst viele verschiedene Stadien und Fußballplätze besuchen. Über 400 Stadien und rund 650 Spiele hat er inzwischen gesehen. Und ein Ende ist längst nicht in Sicht. „Mein Ziel ist es, irgendwann in 100 Ländern Fußball geschaut zu haben“, sagt Kunert und lacht. Verrückt? Vielleicht ein bisschen. Aber in der Groundhopper-Szene gibt es laut ihm noch deutlich extremere Sammler. Manche hätten bereits mehr als 2000 Stadien besucht.

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Die Fußballbegeisterung begann früh. Eigentlich sogar mit einem Computerspiel. „1995 hatte ich ein Amiga Spiel, das hieß Manchester United Hero. Da konnte man nur mit Manchester United spielen“, erzählt Kunert. Irgendwann kannte er alle Spieler. Damals war er gerade sieben Jahre alt. Dazu kam ein Moment, den viele Fußballfans bis heute nicht vergessen haben: das Champions-League-Finale 1999 zwischen Manchester United und Bayern München, das die Engländer in die Nachspielzeit drehten. „Da hab ich zu meinem Papa gesagt: Irgendwann fahren wir nach Manchester.“

2005 wurde dieser Wunsch Realität. Gemeinsam mit seinem Vater, der Lokführer ist, reiste er mit dem Zug von Wittenberg nach England. „Wir waren 24 Stunden unterwegs.“ Das Spiel endete zwar 0:0, doch für Kunert blieb es ein prägendes Erlebnis. „Das war mein erstes Live-Spiel von Manchester United.“ Heute war er bereits mehr als 50-mal bei den „Red Devils“ und ist Vorsitzender des deutschen Manchester-United-Fanclubs mit rund 200 Mitgliedern. Über Kontakte erhält der Fanclub Kartenkontingente:„Sonst sind die Spiele fast immer ausverkauft.“ Sein großes Ziel: alle 92 Stadien der englischen Profiligen besuchen. „Ich bin aktuell bei 80, zwölf fehlen noch.“

Durch Manchester-United-Fan entwickelte Kunert auch eine enge Verbindung zur englischen Nationalmannschaft. „Bei großen Turnieren hab ich immer England unterstützt.“ Er ist Mitglied eines Auslandsfanclubs der englischen Nationalmannschaft und war bei zahlreichen Welt- und Europameisterschaften live dabei. Sein erste WM erlebte er 2006 in Deutschland – natürlich mit seinem Vater. „Wir hatten Gruppentickets für Paraguay bekommen und zufällig spielte Paraguay gegen England.“ In Frankfurt sah er das 1:0 durch David Beckham. Seitdem folgten viele Reisen. 2012 war er bei der EM in der Ukraine, 2018 bei der WM in Russland. Nur nach Katar wollte er bewusst nicht reisen. „Das hatte für mich nichts mehr mit echter Fußballkultur zu tun.“

Fußballkultur ist für ihn ein zentraler Punkt. Kunert liebt traditionelle Stadien mit alten Tribünen und besonderer Atmosphäre. Gleichzeitig faszinieren ihn die weltweiten Unterschiede. „In manchen Ländern bröckelt der Beton von den Tribünen. Das wäre hier undenkbar.“ Besonders beeindruckt hat ihn ein Besuch in Mexiko-Stadt bei Pumas UNAM. „Im Stadion wurde gesungen, getanzt und musiziert. Auch das legendäre Aztekenstadion mit rund 90.000 Plätzen hinterließ Eindruck. Dort fanden bereits zwei WM-Endspiele statt und auch bei der kommenden Weltmeisterschaft spielt es eine Rolle. Weniger positiv blieb ein Erlebnis in Erinnerung: „Uns wurde das Portemonnaie geklaut. Danach konnten wir uns erst mal nichts mehr kaufen“, sagt er rückblickend schmunzelnd. 

Sein bislang ungewöhnlichstes Ziel steht aber erst noch bevor: Grönland. Dort möchte er Anfang August die grönländische Meisterschaft besuchen. „Alle Spiele finden dort in nur einer Woche statt.“ der Austragungsort wird kurzfristig bekannt gegeben, da es zwischen den Städten keine Straßen gibt sind Reisen, nur per Flugzeug oder Schiff möglich.

Trotz aller Reisen ist Reinsdorf sein Zuhause geblieben. Der Software-Architekt arbeitet für ein großes amerikanisches Unternehmen und zog nach Stationen in Berlin und Hamburg bewusst zurück in die Region, wo er direkt neben der Familie ein Haus gebaut hat. Viele reisen unternimmt er inzwischen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen im Alter von sieben und neun Jahren Fußball wird dabei oft mit Urlaub und Familienzeit verbunden. Im vergangenen Jahr war die Familie unter anderem in Miami, wo sie auch Lionel Messi live sahen.

Die Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada wird Kunert bewusst von zu Hause verfolgen. „Für das Geld möchte ich lieber neue Länder entdecken“, sagt er. Gerade die Ticketpreise seien inzwischen explodiert. Bei der Europameisterschaft 2014 in Deutschland zahlte er für das Finale in Berlin bereits 340 Euro – offizieller Preis wohlgemerkt. „Die echten Fans bekommen immer weniger Karten“, sagt er mit Blick auf VIP-Bereiche, Sponsorenplätze und personalisierte Tickets. „Dadurch leidet auch die Stimmung.“

Trotzdem freut er sich auf das Turnier. Im eigenen Partyraum wird mit Familie und Freunden geschaut, oft mit Länderabenden. „Wenn die WM in Mexiko ist, machen wir mexikanisches Essen.“ Sportlich traut er Deutschland ein Halbfinale zu. Favoriten sind Spanien, Brasilien und Argentinien. Und natürlich hofft er, dass Harry Kane, der in Deutschland bei FC Bayern spielt, mit England weit kommt.

Auch abseits des Fußballs ist Sport wichtig. Kunert ist Handballtrainer beim SV Grün-Weiß Piesteritz und selbst seit Jahren im Handball aktiv. Seine beiden Söhne spielen ebenfalls Handball, nachdem sie zuvor in Pratau Fußball gespielt hatten. „Fußball habe ich nie gespielt“, sagt der 1,95 Meter große Reinsdorfer lachend. „Dafür war ich wohl einfach zu groß.“

Seine Stadionreisen dokumentiert Erik Kunert auf Instagram unter „@footballflight“ so wie auf der gleichnamigen Webseite.

Von Redaktion