Wittenberg (md/wg). Es gibt Grund zur Freude in der Christuskirche: Seit August vergangenen Jahres war die historische Furtwängler & Hammer-Orgel aufgrund notwendiger Instandsetzungsarbeiten stumm. Nun ist die Restaurierung abgeschlossen und die Orgel kann wieder in der Kirche erklingen. Die Kirchengemeinde lädt herzlich ein, dieses Ereignis gemeinsam zu feiern: Am Sonntag, dem 28. Juni, findet um 14 Uhr der Gottesdienst mit Orgelweihe in der Christuskirche in Wittenberg statt. Markus Schicktenaz und Dr. Marianne Schröter werden Werke von Karg-Elert, Saint-Saens und Kellermann spielen.
Ein besonderes Augenmerk der Restaurierung galt der Wiederentdeckung des ursprünglichen Klangcharakters der Orgel. Furtwängler & Hammer-Orgeln sind bekannt für ihre kunstvolle Streicherintonation. „Diese Register sind das Herzstück dieses Instruments, doch über die Jahre war ihre volle Präsenz verloren gegangen. Sie war gewissermaßen zurückgenommen worden“, erklärt Orgelbaumeister Axel Thomaß vom Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt. Durch die fachkundige Arbeit des Teams konnten diese Streichregister in ihrer ursprünglichen Intonation wiederhergestellt werden. Ergänzt wurde dieses Klangbild durch die Rekonstruktion zweier Register, die verloren gegangen waren.
Die Restaurierung erforderte Fingerspitzengefühl und Geduld, etwa bei der Fehlersuche an den Lederbälgchen, die die Luftzufuhr zu den Pfeifen regulieren. „Es ist ein hochsensibles Gefüge. Wir mussten an vielen Stellen mit größter Präzision arbeiten, um das Leder und die Mechanik wieder in einen perfekten Zustand zu versetzen“, so Thomaß. In den Wintermonaten mussten die Arbeiten außerdem genau geplant werden: Bei zu kalten Temperaturen konnten historische Elemente der Orgel nicht bearbeitet werden.
Während das Innere der Orgel bearbeitet und erneuert wurde, bewahrt das Äußere der Orgel ihre Geschichte. Die Blindpfeifen, die optisch die Fassade prägen, bleiben stumm und müssen daher nicht ausgetauscht werden. „Zum Glück dürfen sie bleiben, denn sie sind eigene Zeitzeugen“, sagt Pfarrer Hans-Jakob Schröter. An den Pfeifen sind kleine Absplitterungen von Schrapnellen aus dem Zweiten Weltkrieg zu entdecken. Die Restaurierung, die das Instrument für kommende Generationen bewahrt, wurde durch die finanzielle Unterstützung aus dem Orgelfonds der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie dem Kirchenkreis Wittenberg und durch Spenden ermöglicht. Foto: W. Gorsboth

