Fr.. Juni 19th, 2026

Wittenberg (aw). Mit zahlreichen Gästen aus dem gesamten Landkreis wurde am Freitag, 19. Juni 2026, das neue Kreisarchiv des Landkreises Wittenberg am Kurfürstenring feierlich eröffnet. Neben Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft waren nahezu alle Bürgermeister der Städte und Gemeinden anwesend. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident a. D. Reiner Haseloff ließ es sich nicht nehmen, an der Eröffnung teilzunehmen.

Fotos: Antje Weiß

Bevor die offiziellen Grußworte begannen, nutzten viele Besucher die Gelegenheit, die neuen Räume zu besichtigen. Während draußen hochsommerliche Temperaturen von rund 32 Grad herrschten, boten die klimatisierten Magazinräume mit angenehmen 18 bis 20 Grad eine willkommene Abkühlung.

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Landrat Christian Tylsch (CDU) bezeichnete das neue Archiv als einen besonderen Ort für den Landkreis. „Wir übergeben heute einen Ort, an dem das Gedächtnis unseres Landkreises bewahrt wird“, sagte er in seiner Begrüßung. In den Archiven würden nicht nur Akten lagern, sondern auch Dokumente von ganz persönlicher Bedeutung für viele Menschen: Bauakten, Verwaltungsunterlagen, Hinweise auf Familiengeschichten und Zeugnisse der Entwicklung der Städte und Gemeinden. „Wer wissen will, warum etwas geworden ist, wie es heute ist, findet die Antwort nicht selten hier im Kreisarchiv.“

Der Neubau sei eines der wichtigsten Projekte des Landkreises der vergangenen Jahre gewesen. Bereits 2021 wurde der Beschluss gefasst, das Kreisarchiv neu zu errichten. Insgesamt investierte der Landkreis rund 7,6 Millionen Euro in das Vorhaben. „Es war ein langer Weg bis hierher“, sagte Tylsch und dankte allen beteiligten Planern, Baufirmen und Handwerksbetrieben für die gute Zusammenarbeit. Trotz einiger Verzögerungen sei das Projekt insgesamt zügig und reibungslos umgesetzt worden. Besonderen Dank richtete der Landrat auch an die Familie Böhm von Wikana. In deren Fabrikgebäude waren die Archivbestände über viele Jahre untergebracht. Bis zum Umzug habe das Archiv dort eine gute und sichere Bleibe gefunden.

Tylsch ging auch auf die technischen Anforderungen des Neubaus ein. Drei Magazinbereiche mit rund 8.000 laufenden Metern Archivregalen bieten künftig Platz für die Bestände des Landkreises. Das Gebäude steht auf 51 Bohrpfählen, die bis in den tragfähigen Baugrund reichen. Für die nachhaltige Energieversorgung wurden 22 Erdsonden mit jeweils 100 Metern Tiefe eingebracht. Zusätzlich erzeugt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach umweltfreundlichen Strom. „Das neue Kreisarchiv steht für beides – für die Bewahrung unserer Geschichte und für eine moderne Verwaltung“, betonte der Landrat.

Auch der Kreistags vorsitzende Enrico Schilling richtete einige Worte an die Gäste, die sich trotz der sommerlichen Hitze vor dem Gebäude versammelt hatten.

Ministerpräsident a. D. Reiner Haseloff zeigte sich erfreut über die gelungene Umsetzung des Projekts. Besonders hob er die nachhaltige Bauweise hervor. Es sei gut, dass diese Fläche einer sinnvollen Nutzung zugeführt worden sei und an dieser verkehrsgünstigen Stelle an der Bundesstraße nun ein wichtiger öffentlicher Standort entstanden sei. Großes Interesse zeigte Haseloff bei seinem Rundgang durch die Ausstellungen. Besonders lange verweilte er vor historischen Adressbüchern. Schmunzelnd ließ er sich ein Exemplar aushändigen und suchte nach Einträgen seiner Familie. Schließlich fand er einen entsprechenden Nachweis und verwies darauf, dass seine Familie bereits seit vielen Jahrhunderten in der Region verwurzelt sei. „Genau solche Schätze kann man hier entdecken“, bemerkte er.

Im Anschluss an die Grußworte folgte die symbolische Schlüsselübergabe. Landrat Christian Tylsch überreichte den Schlüssel an Archivleiterin Ines Kluge.

Von Johannes Beusker, dessen Unternehmen den Klinkerbau ausführte, gab es zudem ein besonderes Geschenk: einen Nistkasten für Mauersegler. Auf der Gebäuderückseite wurden bereits Quartiere für Mauersegler, Fledermäuse und Zaunkönige geschaffen, die teilweise schon von den Tieren angenommen wurden.

Danach teilte Archivleiterin Ines Kluge die Besucher in Gruppen ein. Mitarbeitende und Auszubildende führten die Gäste durch die Magazinräume und Arbeitsbereiche. Dort wurde erläutert, wie historische Dokumente digitalisiert werden und welche Anforderungen an Lagerung und Erhaltung der Unterlagen gestellt werden.

Besonders beeindruckend wirkten die langen Regalreihen mit Archivgut aus allen Städten und Gemeinden des Landkreises. Selbst historische Zeitungen werden hier gesammelt und aufbewahrt – teilweise reichen die Bestände bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.

Mit dem dreigeschossigen Neubau verfügt der Landkreis nun über ein modernes, barrierefreies Archiv mit Lesesaal, Digitalisierungsarbeitsplätzen und zeitgemäßer technischer Ausstattung. Künftig finden hier rund 7,6 Kilometer Archivgut ihren Platz. Das Kreisarchiv ist damit nicht nur ein sicherer Aufbewahrungsort für die Geschichte des Landkreises, sondern zugleich ein Wissensspeicher für kommende Generationen.

Von Redaktion