Dessau (md/wg). Im Rahmen seiner Sommerakademie war das Berliner Missionswerk am 17. Juni 2026 mit 35 Interessierten aus aller Welt zu Gast in Dessau-Roßlau. Die Teilnehmer der Tagung diskutierten im Gemeinde- und Diakoniezentrum St. Georg in Dessau über „Religion in Zeiten von Populismus“. In seinem Impulsvortrag skizzierte Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser, Vertreter der evangelischen Kirchen in Anhalt und Mitteldeutschland beim Landtag, die aktuelle gesellschaftliche Situation in Sachsen-Anhalt: den demografischen Wandel, die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine, die daraus resultierenden Zukunfts- und Existenzängste der Menschen.
Populisten würden diese Ängste nutzen und weiter schüren, ohne Antworten zu haben. Die Aufgabe der Kirchen sei es, auf die Nöte der Menschen zu schauen, ein Miteinander sowie Vertrauen, Mut und Zuversicht zu fördern. „Christlicher Umgang mit Populismus ist geprägt von der Ernsthaftigkeit des Aufeinanderhörens“, betonte Steinhäuser. „Er ist gebunden an die Achtung von Würde eines jeden und Respekt gegeneinander. Er ist geleitet von der Suche nach Kompromissen in komplexen Problemlagen.“
Auch Oberkirchenrat Matthias Kopischke stellte das Wort „Alle“ aus dem Wochenspruch „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28) in den Mittelpunkt seiner Andacht: „Dieses Wort ist heute von erstaunlicher Aktualität. Denn wir merken in dieser Zeit, in der wir gerade leben, dass Menschen zunehmend gegeneinander ausgespielt werden. Ein Dualismus macht sich breit, frei nach dem Motto: Du gehörst dazu, Du nicht, Du bist etwas wert, Du nicht…Menschen werden gegeneinander abgegrenzt: Einheimische gegen Zugewanderte. Starke gegen Schwache. Leistungsfähige gegen Bedürftige. Das ‚Volk’ gegen diejenigen, die angeblich nicht dazugehören.“
Christinnen und Christen dürften dazu nicht schweigen. „Wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Hautfarbe oder ihrer Lebensgeschichte abgewertet werden, wird die Botschaft Jesu verletzt“, erklärte Matthias Kopischke. „Denn Jesus sagt: Alle. Nicht nur die Nützlichen. Nicht nur die Erfolgreichen. Nicht nur die, die einer Mehrheit angehören. Alle.“
Hintergrund:
Das Berliner Missionswerk ist ein ökumenisches Zentrum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Gegründet im Jahr 1824, initiiert und begleitet das Missionswerk Begegnungen und Partnerschaften weltweit, um Menschen zu unterstützen, sich wahrzunehmen und voneinander zu lernen. Es setzt sich für Frieden und Gerechtigkeit ein und fördert den Dialog zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen. Das Werk engagiert sich in Projekten in Afrika, im Nahen Osten, in Ostasien und in Kuba, um ein lebendiges christliches Zeugnis zu bewahren und Menschenrechte zu fördern. Foto: S. Reh

