Do.. Aug. 20th, 2026

Dessau (md/wg). Auf Anregung Sachsen-Anhalts hat die Kulturministerkonferenz am heutigen 20. August die „Gemeinsame Erklärung der Kulturministerinnen und -minister sowie -senatoren zu einer freiheitlichen Kunst- und Kulturlandschaft in Deutschland aus Anlass des diesjährigen Bauhaus-Jubiläums“ – die sogenannte „Dessauer Erklärung“ – beschlossen. Mit der Erklärung erneuern die Länder ihr Bekenntnis aus dem Jahr 2019 zu kultureller Vielfalt in einer freien, offenen und demokratischen Gesellschaft. Grundlegende Voraussetzung dafür sei die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung in allen deutschen Ländern, frei von politischen Vorgaben und ohne Angst vor Sanktionen oder Zensur.

Anlass für die Erklärung ist die 100. Wiederkehr der Errichtung des Bauhauses in Dessau, nachdem es von nationalsozialistischen Kräften aus Weimar vertrieben worden war. Die Kulturministerinnen und -minister sowie Senatoren der Länder beglückwünschen die Stiftung Bauhaus Dessau zu diesem Jubiläum und würdigen die hervorragende Arbeit, die die Stiftung seit 1990 als Teil des UNESCO-Welterbes geleistet hat.

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Sachsen-Anhalts Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra dankte am Rande des heutigen Festaktes im Bauhaus Dessau den Amtskollegen in den Ländern für ihre Solidarität: „Das Bauhaus wurde einst aus politischen Gründen aus Weimar vertrieben. Dieses Kapitel unserer Geschichte mahnt uns, die Freiheit der Kunst niemals als selbstverständlich hinzunehmen. Mit der ‚Dessauer Erklärung’ setzen die Länder erneut ein Zeichen: Kunst und Kultur müssen sich frei von politischer Einflussnahme und ohne Angst vor Sanktionen oder Zensur entfalten können.“

In der Erklärung wird darauf hingewiesen, dass nach Art. 28 Abs. 1 GG „die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes“ entsprechen muss. Die Beachtung dieses Homogenitätsgebotes ist eine wesentliche Grundlage der Zusammenarbeit der Länder und des Bundes in ihrer föderalen Gemeinschaft. Dafür ist grundlegende Voraussetzung, dass in allen deutschen Ländern die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung gewährleistet ist, die für Künstlerinnen und Künstler sowie gleichermaßen für Kultureinrichtungen gilt.

Die Achtung der Freiheit der Kunst ist Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit. Es ist und bleibt die gemeinsame Aufgabe der aufeinander abgestimmten förder-, struktur- und ordnungspolitischen Initiativen des Bundes und der Länder in der Kulturpolitik, Räume zur Ausübung dieser Freiheiten zu schützen und – wo möglich – zu erweitern. Gerade im Hinblick auf das Schicksal des Bauhauses in der Weimarer Republik betonen sie, wie wichtig es ist, dass Kunst und Kultur ihre Wirkung ohne politische Vorgaben und ohne Angst vor finanziellen Sanktionen oder anderen Formen von Zensur entfalten können.

Zeitgleich haben sich mehrere Kulturinstitutionen des Bundes in einer Erklärung zum Erbe des Bauhauses und dessen Grundsätze bekannt. Darin heißt es unter anderem: „Vor hundert Jahren revolutionierten moderne Bewegungen die Welt. Das Bauhaus war einer der wesentlichen Akteure. Die neuartige Verbindung von Kunst und Handwerk, Gestaltung und Technik, von Design und Architektur, von gesellschaftlicher Verantwortung und ästhetischer Innovation wurde zu einem der bedeutendsten kulturellen Projekte der Moderne. Die enorme internationale Wirkung des Bauhauses, heute UNESCO-Welterbe, beruht jedoch nicht allein auf moderner Formensprache und Avantgarde-Design.

Es ist seine Haltung, die Vorbildcharakter hatte und weiterhin hat: der Mut zur kühnen Vision, das Vertrauen in die Freiheit des künstlerischen Denkens, die Überzeugung, dass nur eine offene Gesellschaft die Kraft zur kulturellen Erneuerung aufbringt. Heute, genau hundert Jahre danach, wollen wir das Bauhaus gegen populistische Angriffe verteidigen. Den gesellschaftspolitischen Impetus der Bauhaus-Vordenkerinnen und -Vordenker brauchen wir gerade in Zeiten, in denen die politischen Ränder erstarken und Rückschritt statt Fortschritt propagieren. Wir brauchen sie auch angesichts der großen Reformen, die notwendig sind, um unser Land zum Positiven zu verändern. Hier steht das Bauhaus exemplarisch für das Vertrauen in die gesellschaftliche Strahlkraft kultureller Innovationen: als Paradigma eines demokratisch grundierten, humanistisch orientierten Gestaltungskonzepts.“

Diese Erklärung kann im vollen Wortlaut der Webpräsenz https://adk.de/projekt/bauhaus-manifest-2026 entnommen werden. Foto: W. Gorsboth

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