Do.. Sep. 3rd, 2026
© Stiftung Bauhaus Dessau, Foto: Tenschert, Yvonne

Dessau (md/wg). Die Direktorinnen der drei Bauhaus-Institutionen in Berlin, Dessau und Weimar, Prof. Dr. Brigitte Franzen, Dr. Annette Ludwig und Dr. Barbara Steiner (siehe Foto, v.l.n.r.) bekräftigen ihr gemeinsames Anliegen der Kunstfreiheit, Offenheit und internationalen Verantwortung. Sie repräsentieren die Bauhaus-Kooperation und begrüßen, dass sich mit dem „Bauhaus-Manifest“ des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer und mit der „Dessauer Erklärung“ der Bundesländer („Mittendrin“ berichtete) ein gesellschaftliches Bündnis zur Freiheit von Kunst und Kultur bekennt.

Die dadurch entstandene internationale Aufmerksamkeit und breite Solidarität zeigen, dass die Vielgestaltigkeit des Bauhauses und die Reichhaltigkeit seiner Methoden und Gestaltungsansätze seit über 100 Jahren in die Gesellschaft wirken. Viele Errungenschaften der Moderne prägen bis heute den Alltag. Die Klassik Stiftung Weimar, die Stiftung Bauhaus Dessau und das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung Berlin bilden seit 2019 die Bauhaus-Kooperation Berlin-Dessau-Weimar. Die jeweiligen Institutionen stehen für einen Teil wichtiger deutscher Geschichte. Sie waren bis 1990 in beiden deutschen Staaten angesiedelt und arbeiten seit der Wiedervereinigung eng zusammen.

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Drei Orte, ein Welterbe

Das Bauhaus lässt sich weder auf einen einheitlichen Stil noch auf eine eindimensionale Erzählung reduzieren. Gerade deshalb ist es nationales Kulturgut. Es steht zugleich für internationale Zusammenarbeit, künstlerische Freiheit und den Mut, Bestehendes infrage zu stellen. Die Bauhaus-Kooperation arbeitet gemeinsam daran, das Bauhaus in seiner Vielgestaltigkeit, kreativen Fülle und seinen Widersprüchen über alle Grenzen hinweg zu vermitteln. Das Bauhaus inspiriert bis heute zu Fragen, die die Gesellschaft unmittelbar betreffen: Wie wollen wir wohnen? Wie gestalten wir unsere Umwelt? Wie entstehen aus Austausch, Gestaltung und Experimenten neue Lösungen für unser Leben?

Das Bauhaus ist kein starres Monument der Vergangenheit, sondern der Ursprung einer weltweiten und dynamischen Bewegung. „Über die Jahrzehnte entstanden unzählige neue „Bauhäuser“ – durch Nachfolgeinstitutionen, kreative Aneignung oder bewusste Abgrenzung. Das Spektrum reicht vom Alltagsgegenstand bis zur visionären Architektur. Diese enorme Bandbreite – das fortwährende Möglichwerden von Ideen und prototypischem Wirken – hält das Bauhaus bis heute weltweit lebendig. Diesen schöpferischen Reichtum gilt es als tragende Säulen unserer demokratischen Kultur zu verteidigen“, sagt Dr. Barbara Steiner, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau.

Doch diese für das Bauhaus elementare Freiheit der Kunst und unsere demokratische Kultur geraten zunehmend unter Druck. Den historischen Vorlauf dieser heutigen Bedrohung beleuchtet Dr. Annette Ludwig, Direktorin Museen der Klassik Stiftung Weimar: „Nicht zufällig wurde das Bauhaus in Weimar gegründet, und es fand 1923 hier die viel beachtete erste Leistungsschau statt. Zeitgleich führte das Erstarken völkisch-reaktionärer Kräfte zur Diffamierung der Bauhaus-Angehörigen. Bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden mehr als 70 Werke der zeitgenössischen Moderne aus dem Weimarer Schlossmuseum entfernt. 1937 kam es mit der Beschlagnahmung von über 450 Werken zu einem Aderlass in den Weimarer Kunstsammlungen, der nie mehr zu heilen sein wird. Der ‚Modelfall Weimar‘ sensibilisiert uns heute für vergleichbare Entwicklungen.“

Weiter heißt es in dem gemeinsamen Statement: „Angesichts der Vertreibung des Bauhauses aus Weimar 1925 sowie der erzwungenen Schließungen unter dem Druck der Nationalsozialisten – in Dessau 1932 und in Berlin 1933 – verstehen wir es als unsere Pflicht, an einer toleranten, menschlichen und solidarischen Gesellschaft mitzuarbeiten und eine demokratische Kultur zu stärken. Wir sehen unsere Aufgabe mitten in der vielfältigen, von vielen Kulturen geprägten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.“

Prof. Dr. Brigitte Franzen betont: „Ich verteidige das Bauhaus gegen jede Verleumdung – es ist nationales Kulturgut. Seine Ideen und Methoden wurden in Deutschland entwickelt und strahlen seitdem von hier aus in die Welt. Das Bauhaus ist weltweit für seinen Leitgedanken renommiert, Kunst, Handwerk, Industrie und Gesellschaft als Einheit zu begreifen. Wer politisch bestimmt, welche Kunst ‚deutsch‘ oder ‚gut‘ ist, schränkt die Meinungsfreiheit ein. Wer Kunst und Kultur einschränkt, verletzt Würde und Selbstbestimmung – Mensch sein heißt, Kultur frei zu erfahren.“

Abschließend heißt es im Statement: „In der Bauhaus-Kooperation Berlin-Dessau-Weimar arbeiten wir eng zusammen. Wir widmen uns Forschungs- und Ausstellungsprojekten, die weit über die Grenzen der Regionen hinausreichen. In der täglichen Auseinandersetzung mit dem Bauhaus, seinen Ideen, Zukunftsentwürfen und praktischen Ansätzen – aber auch mit seinen gesellschaftlichen Umbrüchen und Momenten des Scheiterns – suchen wir nach neuen Antworten auf die Herausforderungen unserer heutigen Zeit.“

Dieses Verständnis zeigt sich ganz konkret an den drei Bauhaus-Orten: Weimar, die Wiege des Bauhauses, präsentiert die weltweit älteste, von Walter Gropius zusammengestellte Bauhaus-Sammlung. Die Dauerausstellung im 2019 eröffneten Bauhaus Museum im Quartier der Moderne widmet sich unter dem Motto „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ der grundlegenden Frage „Wie wollen wir zusammenleben?“ und schlägt mit wechselnden Sonderausstellungen, darunter „Vergessene Bauhäuslerinnen“ (2022), „Bauhaus und Nationalsozialismus“ (2024) und aktuell „Bauhaus und Politik“, eine Brücke zu aktuellen Fragen.

In Dessau verknüpft derzeit das Jubiläumsprogramm „An die Substanz. Bauhaus Dessau 100“ das historische Erbe direkt mit ökologischen Zukunftsfragen. Die Stiftung macht ein einzigartiges Netz historischer Bauhausbauten ehemaliger Meister und Studenten in der gesamten Stadt als gebaute Moderne erfahrbar.

Berlin beherbergt die weltweit größte Bauhaus-Sammlung. Das ikonische Bauhaus-Archiv-Gebäude von Walter Gropius wird derzeit saniert und um einen Neubau von Volker Staab erweitert. Es entsteht ein Campus aus Museum, Research Center, Treffpunkt, Diskursraum, Ort des Willkommens und Universität für alle. Zeitgenössisches trifft auf Historisches, Erinnerung auf Zukunft. Das Bauhaus-Archiv wirkt mit seinem Programm unmittelbar in die Gesellschaft hinein und ist als Institution nahbar: Es engagiert sich mit Outreach Projekten in der Gropiusstadt, macht mit „Young Bauhaus“ die Perspektiven junger Menschen sichtbar oder lädt mit der Reihe „Haltung üben“ die Öffentlichkeit zu kritischem Denken, Reflexion und Auseinandersetzung ein.

Die Bauhaus-Kooperation Berlin-Dessau-Weimar möchte das Bauhaus erfahrbar machen und dabei das Erbe nicht nur bewahren, sondern auch in Impulse für Gegenwart und Zukunft übersetzen. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, die unterschiedlichen Perspektiven vor Ort zu entdecken und die Aktualität des Bauhauses mitzugestalten. Foto: ©Stiftung Bauhaus Dessau

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