Wörlitz (md/wg). Mit der feierlichen Taufe der ersten barrierefreien Gondel im Wörlitzer Park setzt die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz einen wichtigen Meilenstein für mehr Teilhabe im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Gemeinsam mit dem Behindertenbeauftragten der Landesregierung Sachsen-Anhalt Dr. Christian Walbrach und dem Staatssekretär für Kultur Dr. Sebastian Putz wurde die neue Gondel am Dienstag, dem 9. Juni 2026, offiziell in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurden acht neue Rollstühle vorgestellt, die künftig Besucherinnen und Besuchern an verschiedenen Standorten der Stiftung zur Verfügung stehen.
Möglich wurden die Maßnahmen durch eine bedeutende Sonderfinanzierung des Landes Sachsen-Anhalt sowie eine großzügige Privatspende. Die Kulturstiftung konnte damit ihre barrierefreien Angebote in den vergangenen Monaten entscheidend ausbauen. „Es geht nicht nur darum, diesen kulturellen Ort erreichen, sondern ihn selbstbestimmt und gleichberechtigt erleben und zudem mitgestalten zu können. Für mich ist die heutige Einweihung ein wertvolles und demonstratives Beispiel gelebter Inklusion und Teilhabesicherung“, betonte Dr. Walbrach.
„Gerade im Wörlitzer Park erschließen sich wesentliche Sichtachsen und Landschaftsbilder vom Wasser aus. Mit der neuen Gondel erhalten Menschen mit eingeschränkter Mobilität nun Zugang zu einem zentralen Bestandteil dieses einzigartigen Kultur- und Naturerlebnisses.“, ergänzte Dr. Sebastian Putz. Die neue Gondel wurde eigens für die besonderen Bedingungen im Wörlitzer Park entwickelt. Sie fügt sich optisch in die historische Gondelflotte ein und ermöglicht gleichzeitig die komfortable Mitnahme von bis zu drei Rollstuhlfahrern sowie fünf Begleitpersonen. Über eine innenliegende Rampe kann die Gondel stufenlos befahren werden. Eine eigens errichtete Anlegestelle mit anpassbarem Zugangssteg gewährleistet zudem einen barrierefreien Einstieg auch bei wechselnden Wasserständen.
Mit einem Tiefgang von lediglich rund 25 Zentimetern kann die Sonderanfertigung die flachen Kanäle der Wörlitzer Anlagen ebenso befahren wie die bestehenden Gondeln und auf dem gewohnten Rundkurs eingesetzt werden. Die Entwicklung und der Bau erfolgten durch die Roßlauer Schiffswerft GmbH & Co., die Planung der Anlegestelle übernahm Böger + Jäckle Ingenieure Dessau mbH & Co. KG, die Ausführung lag bei der Bau- und Haustechnik Bad Düben GmbH. Die Gesamtkosten für Gondel, Planung und Anlegevorrichtung belaufen sich auf rund 217.000 Euro.
Die barrierefreie Gondel ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms für den Gondel- und Fährbetrieb im Wörlitzer Park. Der neu errichtete Gondelstationsbau nahe dem historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ wurde 2025 fertig gestellt. Weitere Maßnahmen folgen in den kommenden Jahren. Mit einem Gesamtvolumen von rund 2,4 Millionen Euro zählt das Vorhaben derzeit zu den umfangreichsten Projekten im Bereich Gartendenkmalpflege und Gartenunterhalt der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.
Auch über die Gondelfahrt hinaus investiert die Stiftung kontinuierlich in mehr Barrierefreiheit. Dank einer privaten Spende wurden jüngst acht Rollstühle angeschafft, die nun in den Schlössern Wörlitz, Luisium, Oranienbaum und Mosigkau, im Gotischen Haus, im Haus der Fürstin sowie an der Gondelstation bereitstehen. Damit können Besucherinnen und Besucher bei Bedarf unkompliziert unterstützt werden. „Die Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt hilft uns dabei, die Erlebbarkeit der Schlösser und Gärten trotz der besonderen denkmalpflegerischen Anforderungen für möglichst viele Menschen weiter zu öffnen“, erklärte Prof. Dr. Harald Meller, kommissarischer Vorstand und Direktor der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.
Barrierefreiheit im Gartenreich
Barrierefreiheit besitzt im Gartenreich seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert. An verschiedenen Stellen konnten bereits Lösungen für denkmalverträgliche Maßnahmen gefunden werden, die die Zugänglichkeit der Gebäude verbessern. So ermöglicht eine Hebebühne Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Zugang zur Hauptetage des Schlosses Wörlitz. Im Haus der Fürstin wurde im Zuge der Sanierung ein Aufzug integriert, wodurch das Gebäude heute auf allen Ebenen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich ist.
Ergänzt werden diese Angebote durch barrierefreie Sanitäranlagen, zertifizierte Informationen im Rahmen des bundesweiten Projekts „Reisen für Alle“ sowie weitere Maßnahmen für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Die Kulturstiftung versteht Inklusion dabei als Gewinn für alle Besucherinnen und Besucher. Ziel ist es, das UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz unter Wahrung seiner historischen Authentizität für möglichst viele Menschen erlebbar zu machen. Foto: ©KsDW/Nicole Boß

