Wittenberg (md/wg). Am Donnerstag, dem 6. August, lädt die evangelische Stadtkirche um 19 Uhr in den Katharinensaal, Jüdenstraße 35, zu einem Vortrag von Prof. Dr. Andreas Pangritz ein. Dass Antisemitismus „Sünde gegen den Heiligen Geist“ sei, hat der Schweizer Theologe Karl Barth 1938 aus Anlass der sogenannten Reichskristallnacht formuliert, als die Synagogen in Deutschland in Brand gesteckt wurden. Dr. Pangritz war von 2004 bis 2019 Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und ist seit 2021 Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück.
Anders als damals gilt es heute als kirchlicher Konsens, dass Antisemitismus nicht nur aus menschenrechtlichen, sondern auch aus theologischen Gründen zu verurteilen ist. Darüber wird aber zuweilen vergessen, dass der Antisemitismus Wurzeln auch in christlich-theologischer Tradition hat. Der Vortrag will die verwickelten Zusammenhänge zwischen Theologie und Antisemitismus an ausgewählten Beispielen kritisch beleuchten – von der „Lehre der Verachtung“ bei den Kirchenvätern über Martin Luthers Judenfeindschaft bis zur Theologie der „Deutschen Christen“ im 20. Jahrhundert.
Am 9. August, dem zehnten Sonntag nach Trinitatis, feiern Schloss- und Stadtkirchengemeinde gemeinsam den Gottesdienst zum Israelsonntag. Der Gottesdienst beginnt um 11 Uhr an der Stätte der Mahnung an der Stadtkirche und wird im Anschluss in der Stadtkirche fortgesetzt. Gastprediger ist Prof. Dr. Alexander Deeg, er lehrt seit 2011 Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät Leipzig. In Wittenberg ist er kein Unbekannter, hier leitete er von 2009 bis 2011 das Zentrum für evangelische Predigtkultur der EKD. Im Gottesdienst wird er über „Geliebte Feinde. Paulus, Israel und wir“ (Römer 11,25-32) sprechen.
Am Montag, dem 10. August, gastiert das Jugendorchester „J-ArtEck“ um 18 Uhr in der Stadtkirche Sankt Marien, der Eintritt ist frei. Die Jugendlichen aus Israel, Deutschland und anderen Ländern haben Klezmermusik sowie Werke von Bach und Mendelssohn in ihrem Repertoire. Sie laden die Gäste ein zu einer musikalischen „Reise durch Erinnerung, Kultur und Begegnung“. Im Anschluss an das Konzert werden die Jugendlichen im Bugenhagenhof und Katharinensaal sein und freuen sich auf Gespräche und gemeinsames Essen.
Bild: Die um 1300 entstandene Schmähplastik an der Stadtkirche gehört in Deutschland zu den bekanntesten antisemitischen Darstellungen des Mittelalters. Foto: W. Gorsboth


