So.. Juli 26th, 2026

Wittenberg (md/wg). Anlässlich der Aufnahme der Stadtkirche Wittenberg in die UNESCO-Welterbeliste vor 30 Jahren wird in der Stadtkirche eine Sonderausstellung zur Reformationsgeschichte präsentiert. Historische Gebrauchsgegenstände und wertvolle Archivalien geben Einblicke in die Theologie der Reformation und die bis heute lebendige Geschichte des bedeutenden Kirchenbaus. Die ausgestellten Objekte verdeutlichen die enge Verbindung der Stadtkirche mit den Ereignissen der Reformationszeit und machen Geschichte unmittelbar erfahrbar.

Zu den herausragenden Exponaten zählt eine Kopie des Eherings Katharina von Boras, der Ehefrau des Reformators Martin Luther. Am 13. Juni 1525 heiratete Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora, aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Auch viele andere Reformatoren entschieden sich für die Ehe – das protestantische Pfarrhaus entstand. Eine weitere Erneuerung der Reformationszeit stellt die Bibel des Wittenberger Druckers Hans Lufft aus dem Jahr 1534 dar, die in der Ausstellung als Faksimile zu sehen ist. Damit alle Menschen Zugang zu biblischen Geschichten erhalten, übersetzte Luther das Neue Testament zwischen Dezember 1521 und März 1522 auf der Wartburg ins Deutsche. Bis 1534 lag in Wittenberg erstmals eine vollständige Übersetzung der Bibel mit Altem und Neuem Testament vor.

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Ein weiteres Exponat ist der mittelalterliche Abendmahlskelch (siehe Foto) aus dem Jahr 1492. An Weihnachten 1521 wurde in der Stadtkirche erstmals das Abendmahl mit Brot und Wein für die Gemeinde gefeiert. Vor der Reformation war es üblich, dass allein der Priester aus dem Kelch trank. Es ist sehr wahrscheinlich, dass aus dem in der Ausstellung gezeigten originalen Kelch das erste Abendmahl für Laien getrunken wurde. Was in Wittenberg seinen Anfang nahm, hat sich seither weltweit verbreitet. Dieser Kelch ist auf vielen Bildern der Reformationszeit abgebildet. Ebenfalls gezeigt wird ein sehr schlichter, aus Holz gedrechselter Züricher Abendmahlskelch. Die Wittenberger und die Schweizer Reformation gingen nach einiger Zeit unterschiedliche Wege.

Stadtkirchen-Pfarrer Mederacke, Initiator der Ausstellung, betont die außergewöhnliche Bedeutung der erhaltenen Bestände: „Es ist ganz erstaunlich, dass das Archivgut der Stadtkirche über 500 Jahre gut erhalten wurde. Es ist ein Glück und Gottes Bewahrung, dass die Stadtkirche nie abgebrannt ist oder in einem Krieg zerstört wurde. So stehen wir bis heute mit der Reformation in Verbindung, indem wir zum Beispiel den ausgestellten Abendmahlskelch, aus dem wahrscheinlich schon Luther getrunken hat, noch aktiv nutzen.“ Die Ausstellung lade Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Geschichte der Reformation anhand authentischer Zeugnisse neu zu entdecken und die einzigartige Kontinuität kirchlichen Lebens in der Stadtkirche Wittenberg zu erleben.

Besucht werden kann die Schau zu den Öffnungszeiten des Hauses, die auf www.stadtkirche-wittenberg.de immer aktuell abrufbar sind. Dort finden sich auch Informationen unter anderem zur Kirche sowie zu Veranstaltungen. Foto: W. Gorsboth

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