Wittenberg (md/wg). Vom Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg, Torsten Zugehör, wurde eine dreiköpfige Delegation der Deutsch–Russländischen Gesellschaft (DRG) traditionell zum Stadtfest in die belarussische Partnerstadt Mogiljow entsandt. „Aufgrund der offiziellen Einladung seitens der Stadt Mogiljow gab es bei der Grenzkontrolle erhebliche Erleichterungen“, freut sich DRG-Projektleiter Dr. Heinz Wehmeier, der gemeinsam mit Siegfried Dümichen (Vorsitzender) und Monika Pusch (Vorstand) reiste.
Bei einem Festempfang für die 28 Partnerstädte Mogiljows wurden die in den gegenwärtig problematischen Zeiten sehr lebendigen partnerschaftlichen Beziehungen von allen Seiten gewürdigt. An allen Festtagen kam es zu herzlichen Begegnungen am Rande der sehr niveauvollen Kulturveranstaltungen mit zahlreichen Musikern, Künstlern und Projektpartnern, die in den letzten 30 Jahren an den Austauschprogrammen teilnahmen bzw. noch in diesem Jahr in der Lutherstadt mit Konzerten und künstlerischen Werken sich präsentieren werden – alles in allem mehr als 1.500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
„Neben der Kranzniederlegung für alle Kriegsopfer und des brutalen rassistischen Völkermordes an der Zivilbevölkerung und ganz besonders an den jüdischen Familien führte uns Ewfrosinia, Äbtissin des orthodoxen Nikolaus–Klosters, auch zu den 250 Grabstellen im Wald von Mogiljow von Soldaten der Wehrmacht, die zwischen 1945 und 1948 als Kriegsgefangene ihr Leben ließen“, berichtet Dr. Wehmeier. Seitdem die Deutsche Kriegsgräberfürsorge nicht mehr vor Ort tätig sei, kümmere sich das Kloster um die Gräber.
In Minsk wurden die Wittenberger in der Deutschen Botschaft vom ständigen Vertreter Otto Graf zu einem informativen Gespräch empfangen. Themen waren die gegenwärtigen partnerschaftlichen Projekte des Bundesverbandes Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) und der DRG Wittenberg in den humanitären und kulturellen Bereichen, in der Gedenkkultur sowie in der Zusammenarbeit mit der belarussischen Gesellschaft für kulturelle Beziehungen mit dem Ausland. „Unser Dank galt auch ganz besonders der Konsularabteilung der Deutschen Botschaft für die freundliche Visa-Erteilung an belarussische Projektpartner“, betont Dr. Wehmeier.
Anschließend wurden die Wittenberger sehr herzlich von Boris Batura und Nina Iwanowa begrüßt, um die beiderseitigen Beziehungen mit dem BDWO zu besprechen. Badura ist Vorsitzender des belarussischen Verbandes der Partnerstädte, während Iwanowa die belarussische Gesellschaft für Freundschaft und kulturelle Beziehungen mit dem Ausland in Minsk vertritt. Im Ergebnis schlug Batura vor, auch das nächste Partnerschaftstreffen vom 16. bis 19. April 2027 in Minsk durchzuführen. „Diesen großzügigen Vorschlag werden wir wohlwollend beantworten“, kündigt Dr. Wehmeier an. Treffen in Belarus seien einfacher als in Deutschland zu organisieren, da die Teilnehmer kein Visum benötigen.
BDWO baut seit 30 Jahren Brücken
Der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften e.V. (BDWO) gründete sich am 27. Oktober 1996 als gemeinnütziger Verein und hat seinen Sitz in Berlin. Er ist weltanschaulich und politisch unabhängig. Seine Mitglieder sind Vereinigungen und Initiativen, die sich für die Völkerverständigung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion einsetzen. Natürliche Personen wirken im BDWO als Fördermitglieder mit. Zahlreiche Mitglieder engagierten sich bereits schon weit vor der Gründung des BDWO für die Völkerfreundschaft, sowohl in der Deutschen Demokratischen Republik und der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, als auch in der ehemaligen Bundesrepublik.
Der BDWO verfolgt das Ziel, als „Brückenbauer“ die Beziehungen zwischen den Menschen in der Bundesrepublik und den Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu erweitern und zu vertiefen. Er ist bestrebt, die Verständigung zwischen Völkern zu pflegen und Verständnis für die Kultur und Lebensweise der anderen Seite zu wecken und zu fördern. Die Aktivitäten des BDWO sollen dem Frieden zwischen den Völkern dienen und zur Entwicklung guter Beziehungen der Europäer untereinander und zu den Völkern im europäisch-zentralasiatischen Raum beitragen.
Zu den Aktivitäten gehören: Bürgerbegegnungen zwischen West und Ost und Partnerschaften aller Art, die Förderung der Erinnerungskultur mit dem Schwerpunkt Zweiter Weltkrieg, die Durchführung kultureller Veranstaltungen, Vorträgen, Fachtagungen und Symposien zu politischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen, die Verbreitung von Informationen, die ein differenziertes Bild des jeweiligen Partnerlandes zeichnen, Initiativen auf dem Gebiet der humanitären Hilfe, Studien- und Erholungsaufenthalte, die Erweiterung des Schüler- und Studentenaustausches, Initiativen für eine inklusive, barrierefreie Gesellschaft und Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderungen, Weiterbildungsmaßnahmen und die Betreuung von Praktikanten sowie das Angebot von Deutsch- und Russischkursen.
Bild: Sergej Tschertkov (l.), Bürgermeister von Wittenbergs Partnerstadt Mogiljow und Dr. Heinz Wehmeier, stellvertretender Vorsitzender des BDWO und DRG-Projektleiter. Foto: privat


