Dessau (md/wg). Die Stiftung Bauhaus Dessau eröffnet am 5. September 2026, 15.30 Uhr, im Bauhaus Museum Dessau mit „Gong, Schlag, Pfiff“ die erste Einzelausstellung des dänischen Künstlerinnenduos Astrup & Bordorff (siehe Foto) in Deutschland. Im Zentrum steht der neue Kammerspielfilm „Drainpipe Dreams“, den die Künstlerinnen zwischen 2022 und 2026 im Auftrag der Stiftung Bauhaus Dessau realisiert haben. Die Ausstellungseröffnung ist Teil des Bauhausfest-Wochenendes am 4. und 5. September 2026. Das Bauhausfest selbst findet mit einem vielseitigen Programm am historischen Bauhausgebäude statt.
Ausgangspunkt von „Drainpipe Dreams“ sind historische Abflussrohre, die 2007 bei archäologischen Untersuchungen an den ehemaligen Meisterhäusern Gropius und Moholy-Nagy gefunden wurden. Die Rohre gehören heute zum Bauforschungsarchiv der Stiftung Bauhaus Dessau. Einige der damals geborgenen Funde lassen sich nicht eindeutig bestimmten Häusern zuordnen. Diese archivarische Ungewissheit greifen Astrup & Bordorff auf und entwickeln daraus die Geschichte eines möglichen fünften, vergessenen Meisterhauses und seiner Bewohnerinnen.
In ihrem Film gerät ein kleines Team von Wissenschaftlerinnen in den Sog einer Recherche, die ebenso von Beweisen wie von queerem Begehren, beruflichem Ehrgeiz und geteilter Faszination bestimmt wird. Die Suche nach Spuren eines fünften Meisterhauses entwickelt sich zu einer Spekulation über Geschichtsschreibung: „Drainpipe Dreams“ versteht Geschichte nicht als festes Gefüge von Fakten, sondern als etwas, das durch Interpretation, Imagination und Verlangen fortwährend neu geformt wird. Der Film eröffnet damit eine queer-feministische Perspektive auf die Bauhausgeschichte und ihre Überlieferung.
Im Bauhaus Museum Dessau wird „Drainpipe Dreams“ in eine eigens entwickelte, bühnenbildartige Szenografie eingebettet, die Form- und Farbmerkmale der Dessauer Meisterhäuser aufgreift. In der Raumbühne erweitert die Installation „Pipe Dreamer“ die Erzählung des Films in den Ausstellungsraum hinein. Die monumentale Nachbildung eines Abflussrohrs schwankt zwischen architektonischem Element, archäologischem Artefakt und körperlicher Form und wird so zu einem Portal zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Astrup & Bordorff – Kirsten Astrup und Maria Bordorff – arbeiten seit 2018 zusammen. Ihre künstlerische Praxis verbindet kinematografische Bildsprachen, theatrale Inszenierung, eigens komponierte Musik und Performance. Mit „Drainpipe Dreams“ entwickeln sie ihre Arbeit erstmals als narratives Kammerspiel weiter. Während dreier Rechercheaufenthalte lebten die Künstlerinnen mit ihren drei Kindern im Meisterhaus Schlemmer. Die Spannung zwischen einem als Denkmal besuchten Haus und dem Alltag darin wurde zu einem wesentlichen Impuls für den Film. Gedreht wurde im Januar 2026 in Dessau, unter anderem auf der historischen Bauhausbühne und mit Architekturmodellen aus dem Bestand der Stiftung Bauhaus Dessau, sowie im April 2026 in einem Filmstudio in Kopenhagen.
Die Ausstellung ist bis zum 29. März 2027 zu sehen. Begleitend bietet die Stiftung Bauhaus Dessau eine neue Sonderführung zum Thema „Queeres Bauhaus“ an. Sie schließt auch die Versuchsstätte in der Sammlungspräsentation mit ein und wird über die Laufzeit der Ausstellung hinaus im Programm bleiben. Foto: © Stiftung Bauhaus Dessau/Thomas Meyer, Ostkreuz, 2026


