Bad Schmiedeberg (md/wg).1893 entschied sich die Leipziger Mission, eine Expedition in die damalige Kolonie Deutsch-Ostafrika zu schicken und damit neben Südindien ein neues Missionsgebiet zu begründen. Aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums entstand 2018 eine Ausstellung, die auf zwölf roll-ups die Beweggründe dafür und den Beginn am Kilimanjaro beschreibt.
Diese Wanderausstellung ist vom 1. Juli bis 31. August 2026 in der Evangelischen Stadtkirche Bad Schmiedeberg zu besichtigen. Geöffnet hat sie zu den Zeiten der „Offenen Kirche“ dienstags von 10 bis 12 Uhr, freitags von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie – vor allem bei Gruppen – nach Voranmeldung. Für Gruppen (Schulklassen, Gemeindekreise, interessierte Vereine) wird gern auch eine Führung organisiert.
Es dauerte rund zehn Jahre, bis das Kollegium der Leipziger Mission dem Drängen nachgab, neben Indien ein weiteres „Missionsfeld“ zu betreten. Dass es zu diesem Entschluss kam, hatte mit der kolonialen Eroberung Ostafrikas zu tun. Man war sich damals bewusst, dass diese Verbindung problematisch war. Deshalb gab der damalige Missionsdirektors Karl von Schwartz den Missionaren mit auf dem Weg: „Denkt daran, dass ihr dem Reich Gottes und nicht dem Deutschen Kaiserreich dient.“
Die Leipziger Missionare legten großen Wert auf den Erhalt der lokalen Kultur, weil sie bereits damals sahen, welche Gefahren von der unvermittelt eindringenden europäischen Zivilisation ausgingen. Ganz im Sinne Martin Luthers förderten sie die jeweilige Muttersprache. Es gab aber auch Bräuche zum Schaden von Menschen, denen die Missionare entgegenwirkten, wie das Töten von Zwillingskindern und die Beschneidung von Mädchen.
Der Aussendegottesdienst der ersten vier Missionare fand am 24. Mai 1893 in der Leipziger Nikolaikirche statt, daraufhin brachen Gerhard Althaus, Albin Böhme, Robert Faßmann und Emil Müller ins Ungewisse auf. Unterwegs stieß noch der „Expeditionsleiter“, der Indienmissionar Traugott Päßler, zur Gruppe dazu. Im Kilimanjaro-Gebiet entstanden Missionsstationen mit Schulen und Krankenstationen. Die ersten Missionare schafften es innerhalb weniger Jahre, lebendige Gemeinden aufzubauen, die das Fundament der heutigen tansanischen Kirche bilden.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELCT) ist heute mit 6,5 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Mitgliedskirche des Lutherischen Weltbundes. Die ELCT engagiert sich neben den Bereichen Mission und Evangelisation auch in der Gesundheits- und Ausbildungsförderung, Umweltschutz und der Unterstützung von Einkommen schaffenden Maßnahmen vor allem für Frauen. Die Kirche unterhält eigene Universitäten, hunderte von Schulen, Krankenhäuser sowie drei Radiosender. Besondere Beachtung erfährt der christlich-muslimische Dialog.
Gesprächsabend mit Annette Kalettka
Im Rahmen der aktuellen Wanderausstellung veranstaltet die Kirchengemeinde am 6. Juli um 19.30 Uhr in der Stadtkirche einen offenen Gesprächsabend mit Annette Kalettka. Sie wird über die Geschichte des Missionswerkes berichten und über die aktuelle Situation informieren. Annette Kalettka, gebürtige Mecklenburgerin und Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, wurde 2023 von der Landeskirche für zunächst sechs Jahre mit Option auf Verlängerung als Direktorin und Asien/Pazifik-Referentin des Leipziger Missionswerkes berufen. Sie ist die erste Frau in der 190-jährigen Geschichte des Missionswerkes, die dieses Amt innehat. Foto: Leipziger Missionswerk

