Do.. Juni 25th, 2026

Zschornewitz (md/wg). Das Festival „Osten“ findet in seiner dritten Ausgabe vom 12. bis 27. September 2026 unter dem Titel „Kraftwerk – Zukunft“ im ehemaligen Kraftwerk Zschornewitz und Wolfen-Nord statt. Dabei sind unter anderem Charly Hübner, Eva von Redecker, RIAS Kammerchor, Rimini Protokoll, She She Pop und Mats Staub, Wissensformate vom Forum Rathenau sowie viele Projekte aus der Region. Programm und Tickets sind ab sofort unter www.osten-festival.de abrufbar. Tageskarten für beide Festivalorte sind in einem solidarisch abgestuften Preismodell erhältlich.

Im ehemaligen Braunkohlekraftwerk Zschornewitz und dem leerstehenden ehemaligen DDR-Jugendclub 84 in Wolfen-Nord entstehen zwei Festivalzentren. An beiden Orten wird es Theater, Performances, Installationen, Gespräche, Workshops, Filme, Ausflüge, Tanz und Begegnungsformate geben. Insgesamt umfasst das Programm fast 100 Formate, darunter Langzeitprojekte, wie einen Filmclub und eine Musiktheater-Performance, die seit Monaten zusammen mit Menschen aus Bitterfeld-Wolfen entwickelt und deren Resultate auf dem Festival vorgestellt werden.

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Das ehemalige Kraftwerk Zschornewitz galt als größtes Braunkohlekraftwerk der Welt und war über Jahrzehnte ein Ort der Energieproduktion. Das Programm in Zschornewitz entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Forum Rathenau e.V., der Verein setzt für das Baudenkmal als Einrichtung der Wissenschaftskommunikation und interdisziplinären Arbeit zum Thema Kohlenstoffkreislaufwirtschaft ein. Wolfen-Nord wiederum wurde als Wohnstadt für die Beschäftigten der Filmfabrik Wolfen gebaut und steht wie kaum ein anderer Stadtteil für Umbrüche und Abwanderung nach 1989. Unter dem Titel „Kraftwerk – Zukunft“ will das Festival „Osten“ an diesen beiden Orten die Geschichte der Energieerzeugung in der Region erkunden und die Frage stellen, wie gesellschaftliche Energie für die Zukunft generiert werden kann.

Mit zwei Festivalorten arbeitet „Osten“ dieses Jahr mit einer besonderen räumlichen Struktur. Am ersten Festivalwochenende findet das Programm ausschließlich im Kraftwerk Zschornewitz statt. Am zweiten und dritten Wochenende können Besucher tagsüber das Kraftwerk mit seinen Ausstellungen, Installationen, Führungen und Gesprächsformaten erkunden. Ab dem frühen Abend verlagert sich das Programm nach Wolfen-Nord, wo rund um den ehemaligen Jugendclub 84 ein zweites Festivalzentrum entsteht. Zwischen beiden Orten fährt ein Festivalbus.

„Wie ein Energienetz strahlen wir mit dem Festival weiter in die Region aus, die von Braunkohle, Chemie und Energieerzeugung geprägt ist“, sagt Martin Naundorf von der Festivalleitung. „Mit dem Kraftwerk Zschornewitz und der Satellitenstadt Wolfen-Nord verbinden wir zwei besondere Orte der Industriekultur. Besucher können die Region neu entdecken.“ Martina Schön, Vorstand des Forum Rathenau und ehemalige Kraftwerksingenieurin sagt: „Wir freuen uns sehr, dass wir das Kraftwerk dieses Jahr für so eine besondere Veranstaltung öffnen können und wir im Rahmen des Festivals hier Zukunftsvisionen für dieses Industriedenkmal und die Energiegewinnung von übermorgen diskutieren werden.”

Programm im Kraftwerk Zschornewitz

Im Kraftwerk Zschornewitz wird der Ort selbst zum Ausgangspunkt vieler künstlerischer Arbeiten. Das Festival eröffnet mit einer gemeinsamen Tanzaktion, angeleitet von der Leipziger Choreografin Irina Pauls, um gemeinsam Energie zu erzeugen. Das Konzert „In Traurigkeit mein Lachen – Trost im Kraftwerk“ mit Mitgliedern des RIAS Kammerchors bringt Texte des in Gräfenhainichen geborenen Barockdichters Paul Gerhardt sowie Texte der Autorin Ece Temelkuran in den Resonanzraum des Kraftwerks. In der begehbaren Installation „Sweat Machines“ von Rimini Protokoll verwandeln sich Fitnessgeräte in Musikmaschinen: Das Publikum bringt ein Maschinenorchester zum Klingen und hört an zehn Stationen Erzählungen über Fitnesskultur, Energie und Kraft.

Auch weitere Arbeiten nehmen Energie und Arbeit in den Blick. Die Lecture Performance „Switch“ von Ada Mukhina folgt politischen und persönlichen Energieabhängigkeiten. Der Film „Technik des Glücks“ von Chris Wright und Stefan Kolbe wird nach 23 Jahren erstmals im Kraftwerk Zschornewitz als Installation gezeigt und verbindet Amateurfilme ehemaliger Kraftwerker mit Fragen nach Erinnerung und verschwindender Zukunft. Außerdem wird Kohlendioxid als Rohstoff vorgestellt und – moderiert von Inka Zimmermann von MDR Wissen – über die Energie von morgen nachgedacht. In der Ausstellung „Ecologies of Light“ des Labs der Bauhaus Stiftung Dessau geht es um die unsichtbaren Netze, die das Leben mit der Energieproduktion verbinden.

Die Sound-Installation „Pödelwitz“ von Anna Schimkat erzählt aus der 700-jährigen Geschichte des gleichnamigen Kohledorfs südlich von Leipzig und macht eine Landschaft im Umbruch hörbar. Mit „Kunst für das Land“ bringen die Villa Aurora & Thomas Mann House künstlerische Arbeiten als großformatige Kunstplakate in den Stadtraum von Bitterfeld-Wolfen und auf das Festivalgelände am Kraftwerk Zschornewitz. Gezeigt werden Arbeiten von Viktoria Binschtok, Luise Schröder und Sung Tieu.

Bei der künstlerischen Expedition „Zschornewitzer Bodenproben“ von Uwe Gössel und Henrik Adler kann etwas über den Energiestandort Zschornewitz im Laufe der Zeit erfahren werden. Experimente rund um Pflanzenkohle, Kunststoffe und Photosynthese zeigen das ambivalente Element Kohlenstoff von verschiedenen Seiten. „Was wird aus der Region und was wird aus mir?“, fragt die Zukunftsschmiede Industriekultur und lädt zu einer Reise in verschiedene Zukünfte ein. Ergänzt wird das Programm durch Workshops, Führungen und Podiumsgespräche.

Bild: Martina Schön, Kraftwerksseniorin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Forum Rathenau e.V. Foto: Forum Rathenau/Sergei Balyberdin

Von Redaktion

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