Mittwoch, 29.04.2026

Selbitz (aw). In dem rund 400 Einwohner zählenden Ortsteil der Stadt Kemberg wird am 1. Mai groß gefeiert. Gleich zwei Jubiläen stehen im Mittelpunkt: Die Selbitzer Kirche wird 100 Jahre alt, zugleich begeht der Dorfförderverein sein 15-jähriges Bestehen. Was den kleinen Ort besonders macht: Hier wird Gemeinschaft nicht nur beschrieben, sondern gelebt.


(b.l.) Ortsbürgermeister Norman Langer, der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Petzold und die Vorsitzende des Dorf-Fördervereins, Anja Grabolla, vor der sanierten Kirche in Selbitz.
Fotos: Antje Weiß

„Im vergangenen Jahr hatten wir 15 Veranstaltungen – hier ist wirklich immer etwas los“, sagt Ortsbürgermeister Norman Langer (CDU). Das Engagement der Vereine und Einwohner sei das Herzstück des Dorflebens. Gefeiert wird das Jubiläum deshalb nicht nur als Rückblick, sondern vor allem als lebendiger Ausdruck dieser Gemeinschaft.

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Der Festtag beginnt am 1. Mai um 9:15 Uhr mit einer feierlichen Andacht in der Selbitzer Kirche. Anschließend wird auf dem Kirchplatz gemeinsam weitergefeiert. Für Musik, Begegnung und das leibliche Wohl ist gesorgt – und bei schlechtem Wetter zieht die Festgemeinschaft in die Gaststätte Ludley um.

15 Jahre Dorfförderverein – aus einer Idee wurde Bewegung

Der Dorfförderverein Selbitz wurde 2011 von acht Bürgerinnen und Bürgern gegründet – mit einem klaren Ziel: einen Spielplatz für die Kinder des Ortes zu schaffen. „Damals gab es für unsere Kinder keinen richtigen Platz zum Spielen. Wir wollten das ändern“, erinnert sich Vorsitzende Anja Grabolla.

2013 wurde der Spielplatz direkt neben der Kirche eröffnet und entwickelte sich schnell zu einem Treffpunkt für alle Generationen. Parallel wurden weitere Projekte umgesetzt, darunter die Sanierung des Kriegerdenkmals. Heute zählt der Verein rund 50 Mitglieder und vereint Menschen aller Altersgruppen.

„Es sind alle dabei, und jeder bringt sich ein“, so Grabolla. Unterstützt wird der Verein vom Event-Team Selbitz, der Feuerwehr und dem Ortschaftsrat. Gemeinsam organisieren sie ein vielfältiges Veranstaltungsleben – vom Dorffest über den Kinderfasching und das Heufest bis hin zum Kartoffelrock und sogar einem Metal-Festival. „Früher kamen zum Heufest vielleicht 30 Leute, heute sind es über 400“, berichtet sie stolz.

Auch Ortsbürgermeister Langer betont: „Kirche, Vereine, Feuerwehr und Ortschaftsrat arbeiten hier Hand in Hand. Genau das macht Selbitz aus.“

100 Jahre Kirche – ein Wahrzeichen mit Geschichte

Die Selbitzer Kirche wurde 1926 nach dem Abriss des Vorgängerbaus neu errichtet und prägt seitdem das Ortsbild. Besonders der Kirchturm war in den vergangenen Jahren ein großes Gemeinschaftsprojekt: Er neigte sich stark und musste umfassend saniert werden. Dank vieler Helfer, Spenden und Fördermittel konnte der Turm 2023 erfolgreich restauriert werden.

„Eine Kirche ohne Turm – das wäre für Selbitz unvorstellbar gewesen“, sagt Ulrich Petzold, der sich seit Jahrzehnten im Ort engagiert. Die Rettung des Turms sei ein Symbol für den Zusammenhalt im Dorf. „Jeder, der mitgeholfen hat, kann stolz sein. Die Kirche steht wieder im Mittelpunkt des Ortes.“

Auch die enge Verbindung zwischen Kirche und Alltag wird spürbar: „Wenn die Glocken läuten und gleichzeitig Kinder auf dem Spielplatz spielen, dann lebt unser Dorf“, ergänzt Grabolla.

Ein Fest für das ganze Dorf

Das Jubiläum am 1. Mai soll genau dieses Miteinander sichtbar machen. Nach der Maifeier mit Speckkuchen folgt die Andacht mit Pfarrer Johannes Alex auf dem Kirchplatz. Musikalisch begleitet wird der Tag unter anderem vom Posaunenchor.

„Wir laden alle ein – das ist ein Fest für das ganze Dorf“, so Langer. Für die Organisatoren ist das Jubiläum mehr als ein feierlicher Anlass: Es ist ein Dank an alle, die Selbitz über Jahre hinweg mit Leben gefüllt haben.

Blick nach vorn

Trotz aller Erfolge bleiben Herausforderungen. Leerstehende Grundstücke und fehlende Einkaufsmöglichkeiten beschäftigen die Gemeinde. Ziel ist es, junge Familien für den Ort zu gewinnen und Selbitz langfristig lebendig zu halten. Die Nähe zu Wittenberg, Dessau, Halle und Leipzig sowie moderne Glasfaseranschlüsse bieten dafür gute Voraussetzungen.

„Unser Ziel ist, dass das Dorf nicht ausstirbt“, sagt Petzold. „Aber dafür müssen wir weiter zusammenhalten.“ Grabolla ergänzt: „Nur wenn alle Generationen mitmachen, bleibt Selbitz lebendig.“ Und Ortsbürgermeister Langer bringt es auf den Punkt: „Ohne dieses Engagement wäre all das nicht möglich.“

Von Redaktion