Wittenberg (aw). 19 Uhr, die ersten Lichter gehen an – und plötzlich ist ganz Wittenberg unterwegs. Bis Mitternacht verwandelte sich die Altstadt an 22 Spielorten mit mehr als 50 Künstlern in eine große Bühne. Bei angenehmen Temperaturen ließ es sich wunderbar von Station zu Station flanieren. Erst später wurde es mit etwa 16 Grad etwas frisch.

Wer vom Schlossplatz aus startete, konnte zunächst in der Schlosskirche Hub Hildenbrand erleben, der mit Gitarre und Stimme eine ganz eigene, beinahe meditative Klangwelt schuf. Gleich daneben öffnete die Stiftung Christliche Kunst erstmals als Erlebnisnacht-Spielort ihre Türen und zeigte mit „Glaube. Zweifel. Kunst. Aufbruch in die Moderne“ Werke unter anderem von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz.

Entlang der Straßen sorgten neben dem Feuervogel, der Wittenberger Stelzenkünstlerin Mirimah, auch weitere leuchtende Stelzenläufer für staunende Blicke. Neu dabei waren die beiden Herzdamen in Rot, kokett und stets auf der Suche nach der großen Liebe. Auch der Licht- und Sternenzauber zog wieder durch die Altstadt.

Im Weberhof sorgte das internationale Ensemble „Flamenco Vivo“ für eine feurige, südländische Atmosphäre. In der Bibliothek wartete Zauberkünstler Axel Dedering mit Tricks aus nächster Nähe.

Auf dem Marktplatz war an Stillstehen kaum zu denken. Das Radio-Brocken-Team lieferte Musik, daneben wurde Tischtennis und Tischkicker gespielt. Über allem leuchtete die aufwendig inszenierte Kulisse. Im futurea Science Center wurde dagegen experimentiert: Chemische Reaktionen, physikalische Effekte und Mitmachaktionen machten Wissenschaft zum Erlebnis.

Weiter ging es Richtung Collegienstraße. Im Kunstkonsum zeigte Bertram Freihube live, wie ein Bild entsteht. Im neu hinzugekommenen Hof des „alten Barrik“ (Collegienstraße 81) begeisterte das Wittenberger Multitalent Patrick Thomalla das Publikum mit einer schillernden Mischung aus Live-Gesang, Comedy und glamouröser Travestie.

Auch die Wittenberger Hofkapelle sorgte in der Pfaffengasse für eine neue Erlebnisstation und brachte mit ihrer Musik zusätzlichen Schwung in die Altstadt.

In der Alten Schmiede fand bereits der 2. Wittenberger Hip-Hop Jam statt. Während der Künstler Igel live ein Graffiti-Kunstwerk entstehen ließ, sorgten DJ-Show und Live-Rap von MABU und seinen Gästen für echte Street-Culture-Stimmung.

Bevor es weiter zur Leucorea ging, lockte die Boutique Carline mit einer Modenschau und setzte dabei modische Akzente im bunten Treiben der Erlebnisnacht.

Im Hof der Stiftung Leucorea riss das Leipziger Ton-Kollektiv das Publikum mit einer energiegeladenen Brass-Performance mit Tuba und Posaunen zum Tanzen mit.

Wer danach weiter Richtung Lutherhaus zog, fand dort Festivalstimmung auf zwei Rädern. Und auch am Wegesrand gab es viel zu entdecken: Beim Color-Bike am Stadion 29 entstanden mit Muskelkraft und flüssigen Acrylfarben individuelle Bilder, in der Boutique lockte eine Modenschau.
In den Altstadthöfen wurde gegessen, getrunken und zu Livemusik gefeiert. An einigen besonders beliebten Stationen bildeten sich zeitweise lange Schlangen, während man an anderen Orten ohne größere Wartezeiten hineinkam.
Man musste keinen festen Weg nehmen. Ein paar Schritte weiter wartete schon die nächste Überraschung – Kunst, Musik, Licht, Akrobatik oder einfach ein voller Hof mit guter Stimmung. Genau das machte die Erlebnisnacht auch in ihrer 22. Auflage aus: Wittenberg war nicht nur Kulisse, sondern selbst die große Bühne.


