Dessau (md/wg). Die Stiftung Bauhaus Dessau eröffnet am 12. Februar 2026 um 18 Uhr im Bauhaus Museum die Ausstellung „Soda, Linsen, Fluff“ mit Werken der Künstlerin Antje Schiffers und ihres Partners Thomas Sprenger. Schiffers und Sprenger bereisten 2024/2025 Abbau- und Produktionsstätten von Roh- und Grundstoffen für Zement, Ziegel, Stahl und Glas in Sachsen-Anhalt, Kuba und der Türkei. Ihre Malereien, Zeichnungen und Geschichten über Begegnungen mit den Menschen an diesen Orten laden Besucher ein, Herkunftsorte der Materialien der Moderne zu erkunden.
Unter der Teilnahme des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, berichten Antje Schiffers und Thomas Sprenger am Abend der Ausstellungseröffnung von ihren Reisen und stellen ihre Arbeiten vor. „Soda, Linsen, Fluff“ ist die zweite Ausstellung, die im Rahmen des Jubiläums „An die Substanz. Bauhaus Dessau 100“ eröffnet, sie ist bis zum 12. Juli 2026 zu sehden. Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei.
Auf Einladung der Stiftung Bauhaus Dessau präsentieren die Künstlerin Antje Schiffers und ihr Partner Thomas Sprenger die Ergebnisse ihrer Recherche zur Herkunft und Produktion der Baumaterialien der Moderne. Das Projekt, das im Sommer 2024 begann, beleuchtet die globalen Verflechtungen von Ressourcen, Arbeit und Ökonomien.
Im Zentrum steht die Erkundung verschiedener Abbau- und Produktionsstätten: Das Duo bereiste Zementanlagen, Flachglasproduktionen, Tagebaue und Ziegeleien in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Anatolien und Kuba. Zentraler Bestandteil ihrer Erkundungen war der direkte Kontakt zu Produzenten, Geologen oder Industriemuseen vor Ort, die durch ihre Kooperation zu Mitwirkenden der Ausstellung werden.
Malerei und Zeichnung fungieren in diesem Kontext als vielschichtige Werkzeuge: Sie dienten als Einstieg für Gespräche, als Dokumentationsmedium der Reiseerlebnisse und schließlich als eigenständige Kunstwerke. Die Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau macht gesellschaftliche Umbrüche, Verluste, aber auch Aufbrüche und menschliches Engagement über Objekte und Erzählungen greifbar. Ein wesentliches Element der Inszenierung ist das Ausstellungsdisplay selbst: Kantinentische und Trocknungsregale aus laufenden und stillgelegten Industriearbeitsstätten werden als Träger der Exponate eingesetzt.
Der Ausstellungstitel „Soda, Linsen, Fluff“ spielt auch mit der skurrilen Frage, wie viele Tonnen Linsen ein Zementwerk wert sei. Die Antwort findet sich in den historischen globalen Handelsbeziehungen der DDR mit dem Sozialistischen Äthiopien: Das Zementwerk New Mugher wurde damals im Rahmen eines langfristigen Importabkommens tatsächlich auch mit Linsen bezahlt. Diese Geschichte macht die oft abstrakten Tauschprozesse und globalen Verflechtungen auf spielerische und sehr konkrete Weise greifbar. Das Museum wird so zu einem Knotenpunkt dieses räumlich und zeitlich ausgefalteten Projekts.
Bild: Antje Schiffers, Kompressorenhalle Solvay Bernburg, Acryl auf Holz, 2025

