Wörlitz (md/wg). Die Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches laden am 14. Oktober von 9 bis 17 Uhr im historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ zum siebten Gartenreich-Forum ein. Unter dem Titel „Über die Zukunft der Toleranz in unserer Gesellschaft“ soll gemeinsam mit Gästen, Mitgliedern der Gesellschaft der Freunde sowie mit Schülerinnen und Schülern umliegender weiterführender Schulen diskutiert, gelernt und Perspektiven ausgetauscht werden. Um Anmeldung bis zum 9. Oktober 2026 wird unter https://www.gartenreichfreunde.de/gartenreichforum/ gebeten. Für die Teilnahme inklusive Mittagessen wird ein Kostenbeitrag in Höhe von fünf Euro erhoben.
Toleranz gehörte zu den zentralen Forderungen der europäischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Nach den Erfahrungen konfessioneller Konflikte und Religionskriege wandte sich die Aufklärung gegen religiösen Dogmatismus und forderte Vernunft, Gewissensfreiheit und einen friedlichen Umgang mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen. Toleranz bedeutete dabei zunächst vor allem, Andersgläubige zu dulden und ihnen die Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen.
Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau setzte wesentliche Gedanken der Aufklärung in seinem Territorium praktisch um. Bildung, Wissenschaft und Erziehung gehörten ebenso zu seinen Reformvorstellungen wie die religiöse Duldung. Besonders bemerkenswert war seine Haltung gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Doch die Toleranz des Fürsten war keine Gleichstellung im modernen Sinne. Die jüdische Bevölkerung blieb in wesentlichen bürgerlichen Rechten eingeschränkt. Fürst Franz war ein Vertreter der aufgeklärten Duldung, nicht der modernen Gleichberechtigung.
Gerade diese historische Differenz macht seinen Toleranzbegriff für die Gegenwart interessant: Toleranz beginnt mit der Anerkennung des Anderen, stellt aber zugleich die Frage, ob bloße Duldung ausreicht oder ob daraus gleiche Rechte und gesellschaftliche Teilhabe entstehen müssen. Diese Spannung zwischen aufgeklärtem Anspruch und obrigkeitlicher Duldung bei Fürst Franz ist nicht nur historisch faszinierend – sie entspricht auch der aktuellen Forschung zum Gartenreich. Sie macht zudem deutlich, warum der heutige Begriff von Toleranz nicht unkritisch auf das 18. Jahrhundert übertragen werden darf.
Diese Fragen sollen am 14. Oktober gemeinsam erörtert werden: Was bedeutet Toleranz heute? Wie und was kann aus der Geschichte gelernt werden, ohne sie zu vereinfachen? Wie lässt sich eine Gesellschaft gestalten, in der Toleranz nicht nur Duldung, sondern echte Teilhabe bedeutet? Welche Hilfestellung kann Mitmenschen gegeben werden, wenn sie Situationen von Intoleranz persönlich erleben? Foto: W. Gorsboth


