Montag, 20.05.2024

Wittenberg (wg). Mit Impulsen von Katarina Barley, Karl Homann, Wolfgang Huber und Bodo Rodestock hat das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) eine ethische Kursbestimmung in Zeiten des Ukraine-Krieges vorgenommen. Und: Die WZGE-Gremien erfahren weitere Verstärkung. Konflikte, Krisen, Krieg: Scheitern die Werte des Westens an der Wirklichkeit? Unter dieser Leitfrage hatte das WZGE seine Mitglieder und Partner in die Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin eingeladen.

Bereits am Vorabend reflektierte Prof. Dr. Karl Homann als Spiritus rector des Zentrums die aktuelle Situation aus ordnungsethischer Perspektive. Die Kernbotschaft seines Vortrags „Kooperation oder Konflikt – das Problem der sozialen Ordnung“: Der Gegensatz ist falsch – Kooperation braucht stets glaubwürdige Konfliktbereitschaft. Ohne diese Konfliktbereitschaft des Westens fühle sich der Trittbrettfahrer Putin ermutigt, seine Defektionsstrategie fortzusetzen. Dennoch sei Konfliktbereitschaft kein Selbstzweck. Sie diene vielmehr dazu, andere in der Kooperation zu halten und vom Trittbrettfahren abzuhalten.

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Diese Argumentationslinie unterstütze Prof. Dr, Wolfgang Huber, Mitglied im WZGE-Kuratorium, in seinem Eröffnungsimpuls „Zeitenwende für die Friedensethik?“ aus theologischer Perspektive. Das politische Handeln Deutschlands sollte erkennbar dadurch geprägt sein, dass nicht nur das eigene Sicherheitsinteresse, sondern auch das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine gegen den Angriffskrieg Russlands ernst genommen wird. Gleichzeitig müsse die Arbeit für eine gewaltfreie Welt fortgesetzt werden.

Mit Katarina Barley, Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments, sprach Dr. Martin von Broock, Vorstandsvorsitzender am WZGE, zum Thema „Europäische Werte im Stresstest“. Sie hob die europäische Zusammenarbeit in der Krise hervor, sprach aber auch offen die zunehmenden sozialen Spannungen und demokratiefeindlichen Tendenzen innerhalb Europas an. Umso wichtiger sei daher gerade jetzt ein entschiedenes Eintreten für europäische Werte.

Bodo Rodestock, Vorstand der VNG AG und Mitglied im WZGE-Kuratorium, gab in seinem Impuls Einblicke in die „Verantwortung im Energiedilemma“ aus Unternehmensperspektive. Dabei zeigte er entlang der Faktenlage die schwierigen Abwägungen zwischen langfristigem Klimaschutz und kurzfristiger Versorgungssicherheit auf. Zugleich legte er nachvollziehbar dar, wie Entscheider*innen der Industrie diesen Dilemmata mit einer klaren Haltung begegnen.

Fazit des WZGE-Dialogs 2022: Die Ideen der Gründer des Zentrums (siehe im Internet den Podcast mit Andrew Young) und der daraus entwickelte Ansatz sind aktueller denn je. Das spiegeln die Rückmeldungen zu den Debatten wider. Und die Tatsache, dass der Kreis renommierter und engagierter Unterstützer*innen wächst.

Herrmann neuer WZGE-Präsident

Im Zuge der angeschlossenen Gremiensitzung wurden planmäßig die Spitzen der Aufsichtsgremien von Verein und Stiftung neu gewählt: Hans-Joachim Herrmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg GmbH, ist neuer Präsident des Vereins. Astrid Messmer (Deutschen Lufthansa AG) und Thorsten Pinkepank (BASF SE) wurden als Stellvertreter gewählt. Eckhard Naumann, vorheriger Präsident des Vereins und ehemaliger Oberbürgermeister von Wittenberg, übernimmt den Vorsitz des Stiftungsrats. Zum Stellvertreter wurde Dr. Stephan Muschick (E.ON Stiftung) berufen. Prof. Karl Homann, vorheriger Stiftungsratsvorsitzender, und Dietmar Kokott, ehemaliger Vize-Präsident und stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender, wechseln ins Kuratorium.

Zum WZGE

Das WZGE ist ein gemeinnütziger Think Tank, der seit 1998 praxisorientiert Wirtschafts-, Unternehmens- und Führungsethik vermittelt. Mit seinen Angeboten wenden sich das Zentrum primär an Führungs- und Nachwuchskräfte, Studierende und Promovierende sowie an Unternehmen und Organisationen. Das WZGE arbeitet unabhängig, wissenschaftlich fundiert und global ausgerichtet. Unterstützt wird es von Partnerinnen und Partner aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kirchen.

Bild: Dr. Martin von Broock ist Vorstandsvorsitzender des WZGE. Foto: Wolfgang Gorsboth

Von Redaktion