Freitag, 01.05.2026

Halle/Wittenberg (md/wg). Zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai richtet die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft (SAKG) einen eindringlichen Appell an Öffentlichkeit, Politik und Familien. Lungenkrebs ist in den meisten Fällen vermeidbar – und wird dennoch viel zu oft zu spät erkannt. Hinter den Zahlen stehen Menschen, deren Erkrankung häufig hätte verhindert werden können. Rund 85 bis 90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen sind auf Tabakkonsum zurückzuführen, und jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 130.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Gerade in Sachsen-Anhalt ist die Situation besonders ernst, weil hier überdurchschnittlich viele Menschen rauchen und die Belastung durch tabakbedingte Erkrankungen entsprechend hoch ist.

Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten, ohne dass das Risiko sinkt. Klassische Zigaretten werden zunehmend durch E-Zigaretten, Vapes, Shisha oder Tabakerhitzer ergänzt oder ersetzt, häufig werden mehrere Produkte parallel genutzt. Besonders besorgniserregend ist, dass junge Menschen über diese vermeintlich „harmloseren“ Formen in den Nikotinkonsum einsteigen. Die SAKG beobachtet mit großer Sorge, dass der Einstieg in die Abhängigkeit weiterhin früh erfolgt und teilweise sogar durch Erwachsene verharmlost oder indirekt gefördert wird. Es ist ein alarmierendes Signal, wenn Eltern ihren Kindern E-Zigaretten oder Vapes zur Verfügung stellen, weil diese als weniger schädlich wahrgenommen werden.

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Nikotin bleibt ein Suchtstoff, und auch diese Produkte führen Schadstoffe in die Lunge und können langfristig schwere Erkrankungen begünstigen. Vor diesem Hintergrund gewinnt Prävention eine noch größere Bedeutung. Die SAKG setzt sich dafür ein, Aufklärungsarbeit frühzeitig und konsequent in Schulen zu verankern und Eltern stärker einzubeziehen. Ziel muss es sein, das Einstiegsalter in den Konsum deutlich anzuheben und jungen Menschen eine klare, verlässliche Orientierung zu geben. Wer gar nicht erst beginnt zu rauchen, schützt sich am wirksamsten vor Lungenkrebs.

Gleichzeitig eröffnet die medizinische Entwicklung neue Chancen. Seit April 2026 steht erstmals ein gesetzliches Lungenkrebs-Screening für Menschen mit erhöhtem Risiko zur Verfügung. Mithilfe moderner Niedrigdosis-CT-Untersuchungen können Tumore frühzeitig erkannt werden, oft noch bevor Beschwerden auftreten. Das ist ein wichtiger Fortschritt, denn bislang wird nur ein kleiner Teil der Erkrankungen in einem frühen Stadium diagnostiziert. Die SAKG bewertet diese Entwicklung ausdrücklich positiv, sieht aber zugleich deutliche Herausforderungen in der Umsetzung. Der Zugang zur Früherkennung ist derzeit noch nicht flächendeckend gesichert, da spezialisierte Strukturen erst aufgebaut werden müssen und die Versorgung regional unterschiedlich ist. Früherkennung entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn sie für die Menschen tatsächlich erreichbar ist.

Diese Einschätzung teilt auch Prof. Dr. Wolfgang Schütte (siehe Foto), Chefarzt der Pneumologie und Leiter des regionalen Lungenkrebszentrums in Halle am Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau sowie maßgeblich an der S3-Leitlinie Lungenkarzinom beteiligt. „Das neue Screening ist ein Meilenstein, weil wir Lungenkrebs deutlich häufiger in einem heilbaren Stadium entdecken können“, erklärt der ausgewiesene Experte. „Gleichzeitig stehen wir vor der Aufgabe, die notwendigen Strukturen so auszubauen, dass dieses Angebot auch wirklich bei den Menschen ankommt. Gerade in Regionen mit hoher Belastung ist das entscheidend.“ Zugleich betont er, dass Früherkennung und Prävention untrennbar zusammengehören: „Das Screening ist wichtig, aber der wirksamste Schutz bleibt, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen oder rechtzeitig aufzuhören. Neue Konsumformen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Risiko bestehen bleibt.“

Auch Prof. Dr. Dirk Vordermark, Vorstandsvorsitzender der SAKG und Direktor der Universitätsklinik für Strahlentherapie an der Universitätsmedizin Halle, unterstreicht die Bedeutung eines konsequenten Handelns: „Wir sehen in der täglichen Versorgung, welche Folgen ein später Erkrankungszeitpunkt hat. Moderne Therapien können viel leisten, aber sie ersetzen nicht die Prävention. Gerade deshalb müssen wir alles daransetzen, den Einstieg in den Nikotinkonsum zu verhindern und gleichzeitig die Früherkennung konsequent auszubauen.“ Mit Blick auf junge Menschen ergänzt er: „Es ist ein gesellschaftliches Signal, wenn vermeintlich harmlose Produkte wie Vapes den Weg in die Abhängigkeit ebnen. Hier braucht es klare Aufklärung und Verantwortung – auch im familiären Umfeld.“

Die SAKG sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen: bei der konsequenten Prävention, bei der Aufklärung über alle Formen des Nikotinkonsums und beim schnellen Ausbau der Früherkennung: „Lungenkrebs ist eine der wenigen Krebsarten, bei denen wir so viel in der Hand haben. Wir können ihn in vielen Fällen verhindern – und dort, wo er entsteht, früher erkennen. Diese Chance müssen wir nutzen.“ Foto: ©Martha-Maria Krankenhaus Halle-Dölau

Von Redaktion

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