Dienstag, 21.04.2026

Wittenberg (md/wg). Die Lutherstadt Wittenberg plant die Restaurierung des historischen Leichensteins des Postkommissars Johann Georg Zimmermann (1680–1734) auf dem Neuen Friedhof in der Dresdner Straße. Bürgermeister André Seidig betonte die Bedeutung der Maßnahme: „Es ist wichtig, dass wir die Geschichte unserer Stadt bewahren und uns dieser auch immer wieder bewusst werden. Der Leichenstein des Postkommissars Zimmermann geht auf eine Geschichte zurück, die in Wittenberg nahezu jede Familie kennt.“

Zimmermann ging als Ehemann der sogenannten Wittenberger Giftmischerin in die Stadtgeschichte ein. Deren mumifizierte Hand ist bis heute in den Städtischen Sammlungen ausgestellt. Aufgrund der Schande, die seine Frau über das Haus brachte, vermachte Zimmermann der Stadt Wittenberg in seinem Testament sein gesamtes Vermögen. Über die gegründete Zimmermannsche Stiftung konnte die Stadt infolge über viele Jahre hinweg die Fürsorge für arme Waisen übernehmen. Zudem gingen Grundstücke in städtischen Besitz über, die sich teilweise bis heute im Eigentum der Lutherstadt Wittenberg befinden. Gleichzeitig verfügte Zimmermann testamentarisch, dass die Stadt ihm ein Denkmal in Form eines Leichensteins errichten und die dauerhafte Pflege seines Grabes sicherstellen solle. Dieser Forderung kam die Stadt im Jahr 1776 nach und ließ die Errichtung eines Leichensteins beauftragen.

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„Die letzte grundlegende Sanierung fand im Jahr 1930 statt“, erklärte Andreas Wurda, Leiter der Städtischen Sammlungen. „Dabei wurde unter anderem die Inschrift über dem Bogen ergänzt.“ In den folgenden Jahrzehnten geriet das Denkmal jedoch zunehmend in Vergessenheit, entsprechend deutlich sind heute die Schäden sichtbar. „Die Mauer und das Denkmal weisen einen starken Bewuchs mit Efeu auf. Dadurch haben sich teils erhebliche Risse gebildet“, erläuterte Karin Retzke, Fachbereichsleiterin Baudurchführung. Zudem sind einzelne Teile des Leichensteins beschädigt oder abgefallen. Ein abgebrochener Arm befindet sich jedoch noch im Besitz der Stadt.

Geplante Restaurierung

Ziel der geplanten Maßnahmen ist es, das Denkmal nicht nur zu sichern, sondern möglichst originalgetreu wiederherzustellen. Derzeit laufen dazu Abstimmungen mit der Denkmalschutzbehörde. Zunächst sollen archäologische Untersuchungen am Grab und am Denkmal erfolgen. Erst im Anschluss können konkrete Aussagen zu Kosten und Zeitplan getroffen werden. Zu berücksichtigen ist dabei auch eine unter dem Denkmal befindliche Gruft, die Auswirkungen auf die Standfestigkeit haben könnte.

Hintergrund sind geplante Sanierungsarbeiten an der Friedhofsmauer durch die zuständige Kirchgemeinde und den Friedhofsförderverein. Da der Leichenstein in die Mauer integriert ist, kann die Restaurierung nur im Zuge dieser Arbeiten erfolgen. Die Friedhofsmauer befindet sich im Eigentum der Kirchgemeinde, während das Denkmal der Lutherstadt Wittenberg gehört.

Bild: Andreas Wurda (l.), Karin Retzke und Bürgermeister André Seidig vor einem Gemälde des Postkommissars Johann Georg Zimmermann. Foto: Stadtverwaltung Wittenberg

Von Redaktion

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