Dessau (md/wg). In der Dessauer Auferstehungskirche hat heute die Frühjahrssynode der Evangelischen Landeskirche Anhalts begonnen. Die Beratungen werden bis Samstagnachmittag dauern. In seiner Eröffnungsrede erklärte der kommissarische Präses, Dr. Jan Brademann, es sei wichtig, aus den Erfahrungen der Geschichte zu lernen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Brademann sagte: „Vergangenheit, Zukunft, Ewigkeit – in der Gegenwart dieser Synode fließen diese Dimensionen in allen Themen zusammen, denen wir uns widmen.“ Die Synode werde zurückschauen auf sexualisierte Gewalt in der Kirche, die verschwiegen worden ist und künftig EKD-weit besser verhindert werden soll.
Darüber hinaus hob der kommissarische Präses einen Besuch des Bauhauses am Freitagnachmittag hervor: „Wir werden uns das Bauhaus ansehen und auch in diesem Zusammenhang etwas über die Verstrickungen unserer Kirche in Schuld erfahren.“ Der dritte Schwerpunkt ist der Strategieprozess Anhalt 2035. Dr. Brademann erläuterte, dass bei diesem Thema die Zukunftsdimension am stärksten ausgeprägt sei, aber eben auch viele verschiedene Vergangenheiten zu bewältigen seien: „Entscheidend ist dabei, dass wir eines Geistes werden.“
Die Synodalen der Evangelischen Landeskirche Anhalts haben am ersten Tag ihrer Beratungen intensiv das Thema Gewaltschutz diskutiert. So wurde die Kirchenleitung von den Synodalen damit beauftragt, ein Rahmenschutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt für die Einrichtungen der Evangelischen Landeskirche Anhalts vorzulegen. Dieses Schutzkonzept wird dann auf der Herbsttagung beraten und beschlossen. In diesem Zusammenhang sollen auch die landeskirchlichen Personalakten im Hinblick auf sexualisierte Gewalt überprüft werden.
Als Gast der Synode hatte Hermann Lorenz, der Präsident der Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz, zu Beginn ein Grußwort gehalten. Auch die Partnerkirche der Landeskirche Anhalts steht vor einem Reformprozess. Wie in Anhalt seien in der Pfalz Verfassungsänderungen und Kirchenreformgesetze auf den Weg gebracht worden, sagte Lorenz. So sollen etwa die bisherigen 15 Kirchenbezirke bis Januar 2029 zu vier großen Kirchenbezirken zusammengeführt werden.
Hermann Lorenz hat sich angeboten, den Synodalen in Anhalt bei ihrem Reformprozess beratend zur Seite zu stehen. Am Sonnabend wird die Synode mit weiteren Beratungen zum Strategiepapier und zu Kirchenimmobilien sowie der Wahl eines neuen Präses fortgesetzt. Foto: Susanne Reh

