Wittenberg (md/aw). Mit der Sonderausstellung „Dialoge mit dem Vergessenen“ präsentiert das Cranach-Museum vom 19. Juni bis 4. Oktober 2026 Werke zweier Künstlerinnen, deren künstlerische Entwicklung eng mit Wittenberg verbunden ist. Die Ausstellung vereint Arbeiten von Eva Jepsen-Föge und Ewa Trafna, die Mitte der 1990er Jahre das renommierte Cranach-Stipendium erhielten und während ihres Aufenthalts in den damals noch unsanierten Cranach-Höfen wichtige Impulse für ihr Schaffen fanden.
Der erste Teil der Ausstellung mit Werken von Eva Jepsen-Föge wird am Donnerstag, 18. Juni 2026, um 17 Uhr im Cranach-Museum am Markt 4 eröffnet. Die Vernissage zum zweiten Ausstellungsteil mit Arbeiten von Ewa Trafna folgt am 25. Juni ebenfalls um 17 Uhr.
Das Cranach-Stipendium richtet sich an bildende Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Laufbahn. Verbunden ist es mit einem Arbeitsaufenthalt in einer der ehemaligen Werkstätten des berühmten Renaissance-Malers Lucas Cranach d. Ä. Die besondere Atmosphäre der historischen Gebäude, die in den 1990er Jahren noch von Verfall und Leerstand geprägt waren, wurde für beide Künstlerinnen zur Inspirationsquelle.
Während ihres Aufenthalts beschäftigte sich Eva Jepsen-Föge intensiv mit der deutsch-deutschen Geschichte und den Lebenswelten der Menschen vor Ort. Besonders faszinierten sie die zahllosen Konsumgüter und Verpackungen aus Westdeutschland, die nach der Wiedervereinigung ihren einstigen Kultstatus verloren hatten und oft achtlos entsorgt wurden. Gemeinsam mit Kindern sammelte sie leere Getränkedosen und Konservenbüchsen, die anschließend zerschnitten, gepresst und bearbeitet wurden. Aus diesen Materialien sowie aus Bauteilen verfallener Gebäude entstanden eindrucksvolle Plastiken und Wandobjekte.
Die 1943 in Minden geborene Metallbildhauerin studierte unter anderem in Köln sowie an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale). Für ihre Arbeiten verwendet sie bevorzugt ausrangierte Materialien und Altmetall. Durch Umformen, Zerlegen und Neuarrangieren verleiht sie scheinbar wertlosen Überresten eine neue Bedeutung. Dabei bleibt die Erinnerung an deren ursprüngliche Funktion stets sichtbar. Ihre Werke regen dazu an, über den Umgang mit Ressourcen, über Vergänglichkeit und über gesellschaftliche Entwicklungen nachzudenken.
Die Ausstellung „Dialoge mit dem Vergessenen“ zeigt eindrucksvoll, wie aus den Spuren der Vergangenheit neue künstlerische Ausdrucksformen entstehen können. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, bekannte Materialien und Erinnerungen mit neuen Augen zu betrachten und die Geschichte der Cranach-Höfe aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu entdecken.

