Wittenberg (md/wg). Am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, 19.30 Uhr, hält der Historiker Dr. Gerd Koenen im Audimax der Stiftung Leucorea einen Vortrag zum Thema „Im Widerschein des Krieges. Nachdenken über Europa und Russland“. Der Vortrag eröffnet die neue Reihe der Leucorea-Vorträge, die unter der Überschrift „Ach, Europa!“ steht.
Kaum jemand hat in den vergangenen Jahrzehnten das deutsch-russische Geflecht aus historischen Erfahrungen, machtpolitischen Interessen und ideologischen Fieberträumen intensiver erforscht als Gerd Koenen. Im Widerschein des neuen Krieges, der viele alte Fragen wieder aufwirft, führt seine Spurensuche von der zynischen Partnerschaft während des Hitler-Stalin-Paktes bis zur Freund-Feind-Propaganda unserer Tage und von den Gründern von „Memorial“ bis zu den Spin Doctors Putins.
Dabei geht er Fragen nach, die Europas Gegenwart und Zukunft bestimmen: Was hat Putin und die um ihn gescharte oligarchische Machtelite dazu getrieben, einen ebenso mörderischen wie selbstzerstörerischen Angriffskrieg zu beginnen? Welche langfristigen Ziele verfolgt Russland? Und warum hat sich zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn erneut ein tödliches Spannungsfeld aufgebaut, das ganz Europa in eine Gefahrenzone verwandelt? Grundlage des Vortrags ist Koenens jüngstes Buch „Im Widerschein des Krieges. Nachdenken über Russland“ (2023), in dem er sein jahrzehntelanges Nachdenken über Russland zu einer ebenso differenzierten wie schonungslosen Bilanz bündelt.
Gerd Koenen wurde 1944 in Marburg geboren. Er hat Geschichte und Politik in Tübingen und Frankfurt/Main studiert und dabei vom SDS 1967 bis zu den maoistischen Zirkeln und Parteiinitiativen der 1970er Jahre das volle Programm des linksradikalen Aktivismus absolviert. Später hat er als Verlagslektor, Zeitschriftenredakteur, Journalist, wissenschaftlicher Mitarbeiter Lew Kopelews sowie als freier Schriftsteller gearbeitet. Er wurde für „Der Russland-Komplex“ mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Seine Geschichte des Kommunismus „Die Farbe Rot“ war für mehrere Buchpreise nominiert. Er gilt als einer der besten Kenner der politischen Mentalität Russlands.

