Dessau (md/wg). Bonn Parks bitterböse Horrorkomödie „Das Deutschland“ hat am 9. Oktober um 20 Uhr Premiere im Studio des Kleinen Hauses des Anhaltischen Theaters. Deutschland, aber normal – für die einen ein Traum, für die anderen ein Albtraum. Bonn Parks Komödie nimmt sich eine universale und zugleich gespenstische Kindheitserfahrung zum Ausgangspunkt: Emulie besucht Lonnart.
Doch Emulie ist anders. Im Figurenverzeichnis des Stückes steht: „Lonnarts Freundin, Gast, auch 10 Jahre, Pink“ und kurze Zeit später: „Lonnart streckt seine Hand aus nach Emulie, damit ihre Hände verschmelzen können, er möchte Emulie integrieren, ihr zeigen, dass Emulie zu ihnen gehört, wenn sie will.“ Und so wird Emulies Besuch bei Lonnart zu einem (Integrations-)Horror – ganz ohne kannibalistische Axtmörder und Blutfontänen, nur durch das Zelebrieren deutscher Mittelmäßigkeit.
Mahnungen, Bereithalten für Handwerkertermine irgendwann zwischen Sonnenaufgang und Silvester, penibles Kassenzettelstudium, notorisch verspätete Bahnfahrten, Schweinenackensteaks in Kräutermarinade und allabendliches Tatort-Debattieren am Küchentisch. Park verwandelt diesen scheinbar harmlosen Alltag in ein groteskes Gruselkabinett des Spießertums, in dem Anpassungsdruck, klebrige Höflichkeit und der angstvolle Blick auf das „Andere“ unheimlich lebendig werden. Am Ende lässt das Stück das Publikum mit der unbequemen Frage zurück, welchen Preis alle Beteiligten für das Gelingen von Integration zu zahlen bereit sind.
Bonn Park, 1987 in West-Berlin geboren, zählt zu den eigenwilligsten Stimmen des zeitgenössischen Theaters. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Popkultur, Groteske und gesellschaftlicher Analyse und wurden u.a. mit dem Heidelberger Stückemarkt-Preis, dem Else-Lasker-Schüler-Preis und dem Friedrich-Luft-Preis ausgezeichnet. Inszeniert wird die Groteske am Kleinen Haus vom Schauspieldirektor Robert Teufel. Zuletzt war er als Regisseur für die Stücke „Nachtland“ und „Der Kirschgarten“ verantwortlich.


