Wittenberg (md/wg). „30 Jahre. 6 Stätten. EIN Welterbe.“ Die Schlosskirche in Wittenberg steht ab dem 7. Oktober im Mittelpunkt des Welterbejubiläums der Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg. Spannende Angebote zu diesem Anlass bietet auch die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek (RFB)im Schloss.
Den Auftakt bildet eine Veranstaltung am 7. Oktober um 18.30 Uhr. Unter dem Titel „Schlossgeschichte(n). Graphiken und Erzählungen rund ums Schloss“ gibt es einen Einblick in die Graphiksammlung mit Abbildungen der Schlosskirche. Direkt im Anschluss wird Maria Carmela Marinelli in die Bibliothek unter dem Thema „Woraus die Mauern bestehen. Drei Bauwerke. Drei Schicksale. Drei Wege, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen, wenn der Boden unter den Füßen nachgibt“ Geschichten aus Schlössern erzählen. Marinelli ist inzwischen ein fester Gast der RFB und war zuletzt bei der Nacht der Bibliotheken zu hören.
Die RFB verfügt über mehr als 100.000 Drucke und Handschriften aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Dieser wertvolle Bestand wird in besonders gesicherten Räumen des Schlosses verwahrt, zu denen Nutzer und Besucher der Forschungsbibliothek für gewöhnlich keinen Zugang haben. In so genannten „Buchpausen“ werden im Oktober immer donnerstags um 12.45 Uhr historisch bedeutsame Bücher aus den Beständen der Bibliothek vorgestellt, Dauer ca. 45 Minuten.
Anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Schlosskirche als Weltkulturerbe bietet die RFB kostenfreie Magazinführungen jeden Montag im Oktober an. Die Veranstaltung am 5. Oktober ist bereits ausgebucht, für die Führungen am 12., 19. und 26. Oktober, jeweils um 16.30 Uhr, gibt es noch freie Plätze. Eine besondere Buchschau ist am Reformationstag zwischen 13 Uhr und 17 Uhr unter dem Titel „Welterbe trifft Büchererbe“ geplant, um 14 Uhr gibt es eine kostenlose Führung. Um 15.30 Uhr wird der Poetry Slamer Aron Boks in der RFB mit einem besonderen Programm zum Reformationstag bei freiem Eintritt erwartet. Anmeldung zu allen vier Angeboten unter 03491/5069 200 oder Sekretariat@rfb-wittenberg.de.
Im Rahmen der Kabinettausstellung „Die reinen Lutheraner machen große Fortschritte – Die Tranquebarmission und die Etablierung des Protestantismus im 18. Jahrhundert in Indien“ hält die Direktorin der Franckeschen Stiftungen, Dr. Marianne Schröter, am 28. Oktober um 18 Uhr in der RFB einen Vortrag. 1706 wurde in Tharangambadi (bekannt auch als Tranquebar) die erste lutherische Mission in Indien von pietistisch geprägten Missionaren begründet. Sie traten in Konkurrenz mit den katholischen Missionaren, die schon seit dem 16. Jahrhundert in Asien aktiv waren.
Dies nimmt die RFB zum Anlass, die Entwicklung des christlichen Missionsunternehmens der beiden Konfessionen mit besonderer Rücksicht auf die Lage Indiens in den Blick zu nehmen. In Kooperation mit den Frackeschen Stiftungen in Halle zeigt die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek Alte Drucke, die das Thema Mission aus historischer Perspektive behandeln, und tamilische Palmblätter, die in den Franckeschen Stiftungen aufbewahrt werden. Diese herausragenden Bestände, die so bisher nie zusammen gezeigt worden sind, bieten aufschlussreiche Einblicke in das Verhältnis der christlichen Konfessionen in einem außereuropäischen Kontext. Die Ausstellung ist bis zum 30. November bei freiem Eintritt zu sehen, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr, Freitag von 10 bis 14 Uhr.
Das Schlosskirchen-Ensemble verbindet Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise. Als Teil des UNESCO-Welterbes lädt es dazu ein, den Ursprüngen der Reformation nachzuspüren. Gemeinsam mit dem Evangelischen Predigerseminar und der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek bildet sie bis heute ein lebendiges Zentrum der Beschäftigung mit Reformation und protestantischer Kulturgeschichte. Foto: W. Gorsboth


