Dessau (md/wg). Rund 80 Autorinnen und Autoren sind bei den Landesliteraturtagen vom 7. bis 23. Mai 2026 zu Gast, die vom Land mit 40.000 Euro gefördert werden. Mit den Landesliteraturtagen feiert Sachsen-Anhalt die Vielfalt seiner Autorinnen und Autoren – und nimmt zugleich die Gegenwart in den Blick. Unter dem Motto „… findet stadt!“ werden in Dessau-Roßlau dabei Möglichkeiten zur direkten Begegnung mit Literatur geboten: in „Langen Nächten“ und bei Lesungen an öffentlichen Orten, aber auch bei Veranstaltungen in Kindergärten, Schulen und Einrichtungen für Senioren.
Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra wird am Donnerstag, dem 7. Mai 2026, um 17 Uhr im Bauhaus Museum die Landesliteraturtage mit einem Grußwort eröffnen. Anschließend wird die Klopstock-Preisträgerin Heike Geißler (siehe Foto) in ihrem Essay über die Arbeit nachdenken: über ihre Allgegenwart, ihren Sinn und Wert, über Geben und Nehmen, Gewinner und Verlierer. Sie fragt nach Nutzen und Kosten des Einzelnen, nach materieller und unsichtbarer Arbeit. Dabei kommt sie mit sehr verschiedenen Menschen ins Gespräch und weitet den Blick vom persönlichen Schicksal zum gesellschaftlichen Panoptikum – politisch und poetisch.
Im romantischen Ambiente der Burg Roßlau versammeln sich am 8. Mai um 17 Uhr Gruppen und Solisten, die mit ihren Texten zum Lachen in allen Facetten reizen: vom leisen Schmunzeln bis zum lauten Prusten, vom harmlosen Scherz bis zur politischen Pointe, auf fremde Kosten oder eigene Rechnung. Dabei wird aus Romanen und Glossen, aus Gedichten und Erzählungen gelesen – eine heitere Nacht mit Hintersinn.
Der Glaube versetzt bekanntlich Berge und kann Kriege auslösen, er stiftet Sinn und spendet Trost. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen an immer weniger glauben, bietet die Georgenkirche am 9. Mai um 18 Uhr den Raum für Gedichte von Rainer Maria Rilke und neue Psalmen von Christian Lehnert, für die lyrischen Texte von Wahid Nader und für die sechste Weltreligion: Felix Leibrock denkt zum Finale über Gott und den Fußball nach.
Theodore Lux Feininger, 1910 in Berlin als Sohn des Künstlers Lyonel Feininger geboren, studierte am Bauhaus Dessau und spielte dort in der legendären Kapelle. In seinen Memoiren „Zwei Welten“ erzählt er seinen Lebensweg, der ihn über Paris nach Amerika führte. Bauhaus-Kurator Torsten Blume liest und spricht am 10. Mai um 10 Uhr im Bauhaus Museum mit Conrad Feininger, dem Sohn des Autors.
„Bauen am nationalen Haus“ ist der Titel einer Veranstaltung am 10. Mai um 15 Uhr im Moses Mendelssohn Zentrum. Philipp Oswalt ist als scharfsinniger und streitbarer Zeitgenosse bekannt, der in aktuellen Architektur-Diskursen immer wieder klare Position bezieht. Ob Potsdamer Garnisonskirche oder Berliner Stadtschloss, ob die neue Altstadt in Frankfurt am Main oder die Meisterhäuser in Dessau … Oswalt sucht und findet identitätspolitische Ideologien und konservative Interpretationen in vielen Beispielen der zeitgenössischen Stadtplanung.
Ein Jahr vor dem großen Wilhelm-Müller-Jubiläum blicken der Pianist Christoph Reuter und der Hornist Juri de Marco am 14. Mai um 15 Uhr im „Eichenkranz“ auf das Werk des Dessauer Romantikers. Die „Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten“, aus denen der Komponist Franz Schubert auch den Zyklus „Die schöne Müllerin“ schuf, bieten den Musikern Anlass für eine improvisierende Vergegenwärtigung.
Der pensionierte Dessauer Lehrer Roland Böhme ist als unermüdlicher Heimatforscher in den sozialen Medien präsent – und hat sich besonders der Geschichte und Gegenwart des lokalen Tierparks verschrieben. Nachdem er bereits eine Chronik der Einrichtung vorgelegt hat, die 1958 als „Lehrpark für Tier- und Pflanzenkunde“ eröffnet wurde, lässt er nun die heutigen Mitarbeiter von ihrem spannenden Alltag erzählen: am 16. Mai um 14 Uhr sowie am 23. Mai um 11 und um 14 Uhr im Tierpark.
Erik Neutsch war zu DDR-Zeiten ein Auflagen-Millionär, der auch als Literatur-Funktionär große Wirkungsmacht entfaltete. Der Journalist und Biograf Gunnar Decker porträtiert am 20. Mai um 17 Uhr im Bauhaus Museum den Verfasser von „Spur der Steine und „Der Friede im Osten“, von „Zwei leere Stühle“ und „Forster in Paris“ nun als „letzten Jakobiner“. Im Anschluss an die Lesung aus seiner Biografie wird Frank Beyers legendäre Verfilmung von „Spur der Steine“ gezeigt.
Zum Abschluss des Lese-Festes am 23. Mai geht es im Bauhaus-Museum um 16 Uhr noch einmal „An die Substanz“: Florentine Anders hat mit ihrem Roman „Die Allee“ die Geschichte ihres Großvaters Hermann Henselmann geschrieben, der als Architekt der Ostberliner Stalinallee zum bedeutendsten Baumeister der DDR aufstieg – und dabei von seiner Frau Isi unter Aufgabe der eigenen Karriere unterstützt wurde. Ein politisches und privates Panorama. Das vollständige Programm der Landesliteraturtage findet sich im Internet unter: literatur-lsa.de. Foto: Wikipedia

