Donnerstag, 19.02.2026

Coswig (md/wg). Neben renommierten Spielstätten wie dem Anhaltischen Theater Dessau und dem Bauhaus Dessau präsentiert das Kurt Weill Fest jedes Jahr auch neue, außergewöhnliche Orte, darunter erstmalig das Simonetti Haus in Coswig. Hinter der Fachwerkfassade des Hauses in der Zerbster Straße verbirgt sich ein barockes Juwel: 1699 ließ der Berliner Alchemist Johann Friedrich von Meder, der mit „Goldmacherei“ zu Reichtum gelangt war, das Haus errichten und vom damals gefeierten Stuckateur Giovanni Simonetti ausstatten. Von neun seiner Werke sind sieben prachtvolle, plastisch-figürliche Stuckdecken mit Szenen der griechischen Mythologie erhalten – ein glücklicher Umstand, denn Simonettis Ausführungen im Berliner Stadtschloss, im Zerbster Schoss und in der Leipziger Handelsbörse gingen im Krieg verloren.

1888 kam am Simonetti Haus ein Gründerzeit-Tanzsaal (siehe Foto) hinzu, dieser Saal bietet Raum für Konzerte, Lesungen und Feste und macht das Simonetti Haus als lebendiges Kulturdenkmal wieder sichtbar. Seit 2007 bewahrt und restauriert dieses außergewöhnliche Gebäude-Ensemble ein engagierter Bürgerverein. Ebendort findet am Samstag, dem 14. März, um 17 Uhr das Programm „Höchste Eisenbahn“ statt, Ausführende sind Ben Zimmermann (Gesang) und Mark McNeill (Klavier).

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Zwischen Chanson, Kunstlied und Foxtrott entsteht ein lebendiges Panorama des Berlins der 1920er Jahre. Diese Revue fängt nicht nur die unwiderstehliche Faszination der pulsierenden Metropole ein, sondern zeigt zugleich, wie sich im Schatten dieser Glanzzeit der NS-Terror ankündigte: Eine musikalische Zeitreise, die mehr ist als ein Rückblick, denn die im Kontext der 1920er Jahre eingebetteten Chansons haben auch die heutige Zeit im Blick.

Mit ausdrucksstarker Stimme, elegantem Auftreten und sorgsam ausgewählten Liedern vieler Künstler, darunter auch Kurt Weill, bewegt sich Zimmermann mühelos zwischen Witz, Wehmut, Leichtigkeit und Ernst. Außergewöhnlich ist die Wiederentdeckung des 1902 in Berlin geborenen Komponisten und Kabarettisten Curt Bry (Hausautor der „Katakombe“), seiner Karriere setzte der NS-Terror ein jähes Ende und löschte seine Spuren aus. Zimmermann lässt sie neu erklingen.

Der Bogen in die Gegenwart ergibt sich – leider – von selbst, denn Zimmermann erinnert in seinem Programm eindringlich daran, wie fragil Freiheit, Demokratie, Kunst und Vielfalt sein können. „Höchste Eisenbahn“ ist ein lebendiges Konzerterlebnis mit einer klaren Haltung zu Vergangenheit und Gegenwart: musikalisch auf hohem Niveau, authentisch und erschreckend aktuell. Denn auch heute steht Deutschland wieder an einem Scheideweg und es ist höchste Eisenbahn.

Vor der Veranstaltung findet um 15.30 Uhr eine kostenlose Führung statt. Interessenten melden sich bitte für einen der begrenzten Plätze per E-Mail an unter: anmeldung@kurt-weill.de. Foto: W. Gorsboth

Von Redaktion

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