Wittenberg (aw). Auf dem Gelände des Entwässerungsbetriebs soll künftig nicht nur Abwasser gereinigt, sondern auch Energie erzeugt und sinnvoll genutzt werden. Dafür entsteht ein Energiepark mit vier Bausteinen: einem zweiten Faulturm zur Klärgasgewinnung, einer Photovoltaik-Freiflächenanlage, einer geplanten Wärmepumpe sowie der perspektivischen Anbindung an das Fernwärme- und Stromnetz. „Wir wollen die energetischen Potenziale, die hier vorhanden sind, möglichst umfassend nutzen“, sagte Andreas Reinhardt, Betriebsleiter des Entwässerungsbetriebs und Geschäftsführer der Stadtwerke. Ziel sei es, die gewonnene Energie möglichst vollständig vor Ort einzusetzen und Überschüsse perspektivisch für die Strom- und Wärmeversorgung der Stadt nutzbar zu machen.

Fotos: Antje Weiß
Bereits im Bau ist der zweite Faulturm. Seit Juni wird an dem neuen Klärschlammfaulbehälter gearbeitet. Der erste Faulturm ist seit 2012 in Betrieb, kommt wegen der gestiegenen Zulaufmengen inzwischen aber an seine Kapazitätsgrenze. Mit dem Neubau soll künftig mehr Klärgas gewonnen und in den vorhandenen Blockheizkraftwerken zur Energieerzeugung genutzt werden.

„Damit können wir deutlich mehr regenerative Wärme erzeugen und vermeiden zusätzlichen Wärmebedarf aus externen Quellen“, erklärte Carsten Buder, technischer Abteilungsleiter im Entwässerungsbetrieb. Rund 672 Tonnen CO₂ sollen dadurch jährlich eingespart werden. Die Fertigstellung des 2,9 Millionen Euro teuren Faulturms ist für November 2027 vorgesehen. Die Hälfte der Kosten wird über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Auch Sonnenenergie soll künftig einen größeren Anteil an der Versorgung übernehmen. Auf einer 5100 Quadratmeter großen Fläche wurden 1638 Solarmodule installiert. Die hochgeständerte Anlage soll vor Hochwasser geschützt sein und bis zu 900 Kilowatt Strom erzeugen. Die Inbetriebnahme ist in den kommenden Wochen geplant. Überschüssiger Strom soll in das Netz der Stadtwerke fließen.
Noch in der Planung ist eine Wärmepumpe. Sie soll Wärme aus dem geklärten Abwasser des Vorfluters gewinnen. Perspektivisch ist zudem eine Verbindung zum Fernwärmenetz sowie eine Verstärkung des Stromnetzes in der Nähe der Kläranlage vorgesehen.
Für Bürgermeister André Seidig ist das Projekt Teil eines größeren Zusammenhangs. „Das Klimaschutzkonzept und der kommunale Wärmeplan der Stadt stehen in unmittelbarer Verzahnung mit den energetischen Maßnahmen des Entwässerungsbetriebes und dem Transformationsplan der Stadtwerke“, sagte er. Klimafreundliche Energie müsse zugleich sicher und bezahlbar bleiben.
Auch auf die Abwassergebühren hat das Projekt Auswirkungen – allerdings nur in geringem Umfang. Nach Angaben von Reinhardt wirken sich vor allem die gestiegenen Kosten für Material, Dienstleistungen und Personal auf die Gebühren aus. Die neuen Investitionen sollen langfristig sogar dazu beitragen, das Gebührenniveau zu stabilisieren.
Ab 2027 steigt die Gebühr für die Ableitung und Behandlung von zentralem Schmutzwasser auf 4,92 Euro je Kubikmeter. Für einen durchschnittlichen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt bedeutet das 1,75 Euro Mehrkosten im Monat.
Weitere Informationen zum geplanten Energiepark und den einzelnen Maßnahmen gibt es ausführlich in der November Ausgabe von „Mittendrin“.


