Wittenberg (md/wg). Am Lutherhaus in Wittenberg ist am heutigen Freitag der Grundstein für ein neues Eingangsgebäude gelegt worden. Das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt wird seit Anfang 2025 energetisch saniert und touristisch weiter erschlossen. Mit dem Neubau erhält es einen modernen und größeren Empfangsbereich für die neue Dauerausstellung, deren Eröffnung für Herbst 2027 geplant ist. Das Land Sachsen-Anhalt fördert das Vorhaben mit 10,5 Millionen Euro. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt die energetische Sanierung mit einer Fördersumme von 4,8 Millionen Euro. 300.000 Euro an Eigenmitteln kommen von der Stiftung Luthergedenkstätten selbst, das Projekt hat mithin ein Gesamtvolumen von 15,6 Millionen Euro.
Zur Grundsteinlegung befüllten der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Dr. Wolfram Weimer, Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel, der Wittenberger Bürgermeister André Seidig und Dr. Thomas T. Müller, Vorstand der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, eine Zeitkapsel mit Objekten, die der Nachwelt mitgegeben werden sollen. Die Metallkapsel wurde danach verschlossen und von Maurermeister Maximilian Wegener im Bereich der Baustelle eingemauert. Die Zeitkapsel wurde mit einer von den Mitwirkenden der Grundsteinlegung unterzeichneten Urkunde, Bauplänen, einer aktuellen Münze aus dem Jahr 2026, einer Lutherrose, einer aktuellen Ausgabe der Mitteldeutschen Zeitung sowie einer Playmobil-Lutherfigur gefüllt. Pfarrer und Studiendirektor Dr. Samuel Nánási vom Lutherischen Weltbund sprach Segensworte zur Grundsteinlegung.
Zitate zur Grundsteinlegung
Staatsminister Dr. Wolfram Weimer: „Die altehrwürdigen Mauern des Lutherhauses sind einmalige Zeitzeugen von Luthers Leben und Schaffen vor mehr als 500 Jahren. Hier wirkte er als Mönch, hier lebte er als Mensch – als Reformator, Ehemann und Vater. Hier entstanden seine reformatorischen Leitschriften, die sich von Wittenberg aus rasend schnell in der ganzen Welt verbreiten und unsere Gesellschaft weit über die Religion hinaus nachhaltig prägen sollten. Mit der Sanierung und Erweiterung des Lutherhauses wollen wir diese Mauern auch in Zukunft ihre Geschichten erzählen lassen. Wir wollen ihre Aura als UNESCO-Welterbe erhalten. Denn wir brauchen sichtbare Orte, wie diesen wertvollen Leuchtturm der deutschen und europäischen Geschichte, der mit seiner Strahlkraft zur Auseinandersetzung mit der Reformation und mit Luther als Mensch einlädt.
Bildungsminister Jan Riedel: „Das Lutherhaus verbindet auf einzigartige Weise kulturelles Erbe und Bildungsauftrag. Als außerschulischer Lernort eröffnet es jungen Menschen und Gästen aus aller Welt einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte der Reformation. Mit der Sanierung und dem neuen Eingangsgebäude investieren wir in einen modernen, barrierefreien und zukunftsfähigen Lern- und Erinnerungsort, der das reformatorische Erbe Sachsen-Anhalts auch für kommende Generationen lebendig hält.“
Vorstand Dr. Thomas T. Müller: „Mit dem Neubau des Eingangsgebäudes zur Dauerausstellung verbessert sich die Raumsituation des Museums wesentlich. Darüber freue ich mich und bin sehr dankbar für die Unterstützung des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt bei diesem für uns zentralen Bauvorhaben. Wir wollen das Lutherhaus in seiner Authentizität erhalten und es zugleich als modernes Museum präsentieren, das aktuellen Standards der Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Sicherheit entspricht.“
Hintergrund zum Baugeschehen und zum Lutherhaus
Im Zuge der Baumaßnahme wurde das in den 1930er Jahren errichtete einstige Direktorenhaus neben dem Lutherhaus zurückgebaut. An seinem Standort wird aktuell das neue Eingangsgebäude für die Dauerausstellung errichtet, das in Form und Erscheinungsbild an den Vorgängerbau angelehnt ist. Für dieses Gebäude wurde heute der Grundstein gelegt. In seinem Erdgeschoss entsteht ein neuer und großzügigerer Eingangsbereich mit Kasse und Museumsshop für das Ensemble des Lutherhauses. Der kleine, vom Lutherhof abgegrenzte Vorhof des Lutherhauses, wird vollständig in den Eingangsbereich integriert und dafür mit einer transparenten Überdachung versehen. Die Schachtarbeiten für den Neubau haben begonnen, die Bodenplatte für das neue Foyer wurde gegossen. Nach der Grundsteinlegung kann mit dem Rohbau begonnen werden.
Parallel wird die energetische Sanierung des Lutherhauses vorangetrieben. Dazu gehören die Ertüchtigung der Fenster, die Planung und Verlegung einer neuen Heizung und ein sicherheitstechnisches Konzept. Auch die Gestaltung der neuen Dauerausstellung wird in die Bauabläufe einbezogen. Ein Hauptziel des Projektes ist, eine energetisch stabile Gebäudehülle zu schaffen. Damit wird nicht nur das Gebäude selbst vor klimatischen Einflüssen geschützt. Auch die bedeutenden historischen Objekte im Museum erhalten einen besseren Schutz. Teil des Konzeptes ist auch der Ausbau des künftigen Eingangsbereiches der neuen Dauerausstellung als Klimaschleuse.
Im Lutherhaus, einst als Augustinerkloster erbaut, lebte, arbeitete und wirkte Martin Luther über 35 Jahre lang – zunächst als Mönch, später als Reformator. Hier verfasste er seine 95 Thesen und entwickelte seine reformatorischen Ideen, hier hielt er Vorlesungen vor Studenten aus ganz Europa, hier fanden seine legendären Tischreden statt und hier entstanden seine Schriften, die die Welt veränderten. Hier lebte er mit seiner Frau Katharina von Bora, die Haus und Hof führte, und seinen Kindern.
Seit 1883 steht das Lutherhaus Besucherinnen und Besuchern aus dem In- und Ausland als größtes reformationsgeschichtliches Museum der Welt offen und gilt zudem für viele Schulklassen und Konfirmandengruppen sowie in Lehrplänen als wichtiger Lernort deutscher und europäischer Geschichte. Der Besuch der Lutherstube, nahezu im Originalzustand erhalten, bildet dabei den Höhepunkt.
Bild: Grundsteinlegung für das neue Eingangsgebäude des Lutherhauses mit Vorstand Dr. Thomas T. Müller, Bildungsminister Jan Riedel, Maurermeister Maximilian Wegener, Staatsminister Dr. Wolfram Weimer und Bürgermeister André Seidig (von links). Foto: Stiftung Luthergedenkstätten/Johannes Killyen

