Wörlitz (wg). Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (KsDW) hat die Position des Vorstands und Direktors neu besetzt. Der Kunstwissenschaftler Dr. Stefan Körner wird zum 1. Januar 2027 die Leitung der KsDW von Prof. Dr. Harald Meller übernehmen. Die Bestellung erfolgte durch das Kuratorium der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz nach Abschluss des Auswahlverfahrens, teilte die KsDW am Dienstag mit. Damit endet ein mehr als fünf Jahre lang erbittert geführter Streit: Im März 2022 entschied das Stiftungs-Kuratorium, den seit 2017 von der Wienerin Dr. Brigitte Mang besetzten Direktorenposten nicht zu verlängern, sondern neu auszuschreiben. Zweimal brachte sie die Besetzungsverfahren zu Fall, bis sie vor dem Landesarbeitsgericht in Halle 2024 eine nicht mehr anfechtbare Niederlage erlitt. Damit dauerte die Vakanz fast fünf Jahre, in denen Prof. Dr. Harald Meller die Leitung mit großem Erfolg kommissarisch ausübte.
Nach Übergabe der Amtsgeschäfte wird sich Harald Meller ab 1. Januar 2027 wieder in Vollzeit seinen Aufgaben als Landesarchäologe und Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie und des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle widmen: „Es war mir eine große Ehre und Freude, das Gartenreich, eine der wichtigsten Kulturinstitutionen Deutschlands, kommissarisch leiten zu dürfen. In dieser Zeit haben wir gemeinsam für das Gartenreich außerordentlich viel erreicht.“ Das wichtigste Ereignis und der größte Erfolg sei dabei die Unterzeichnung des Masterplanes gewesen, durch den dem Gartenreich langfristig für die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten 150 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung gestellt werden.
Mit dem Antritt von Dr. Stefan Körner sind die Weichen für die zukünftige Entwicklung und Bewahrung des Gartenreichs Dessau-Wörlitz gestellt. Zum Verantwortungsbereich des neuen Direktors gehört neben der Führung der Stiftung und ihrer rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der rund 80 Saison- und Aushilfskräfte insbesondere die strategische Weiterentwicklung des UNESCO-Welterbes Gartenreich Dessau-Wörlitz. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung des Masterplans Bau- und Gartendenkmalpflege der Stiftung.
Darüber hinaus stehen im Hinblick auf die geplante Entwicklung der KsDW folgende Themen im Mittelpunkt: Die wissenschaftliche Erforschung der betreuten Denkmale und Sammlungen, die nationale und internationale Vernetzung der Stiftung, die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln sowie die touristische Nutzungsplanung der Kulturlandschaft. Weitere Zukunftsthemen sind die Digitalisierung, die nachhaltige Transformation des Gartenreichs und der Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Mit Letzterem ist Dr. Körner bestens vertraut, denn in seiner Amtszeit startete er 2022 die „Neue Branitzer Baumuniversität“, das wohl größte Modellprojekt in Deutschland zum Erhalt historischer Gärten im Klimawandel.
„Das Gartenreich ist für mich eine der großen Utopien von Reform und Verantwortung – und eine Aufklärungsidee, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat“, erklärt der designierte Vorstand und Direktor. „Vor über 250 Jahren wurden hier nachhaltige Landesentwicklung, Toleranz, Bildung, und kultureller Austausch nicht nur gedacht, sondern als Kulturlandschaft verwirklicht. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden und Partnern der Kulturstiftung möchte ich dieses besondere Erbe für unsere Gegenwart bewahren und erfahrbar machen. Mein Wunsch ist, dass vom Gartenreich auch künftig neben seiner unverwechselbaren Schönheit eine aufklärerische Kraft ausgeht, die Neugier weckt, zum Gestalten anregt und Lust auf Zukunft macht.“
Dr. Stefan Körner – zur Person
Dr. Stefan Körner wurde 1978 in Potsdam geboren und studierte Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften in Berlin und Wien, 2011 promovierte er. Nach Erfahrungen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Museen und als Lehrbeauftragter war er ab 2004 leitender Kustos der Sammlungen der Fürsten Esterházy und bis 2012 stellvertretender Direktor der Esterházy Privatstiftung in Österreich. Anschließend baute er eine Sparte des internationalen Auktionshauses Grisebach auf.
Seit 2020 ist er Vorstand und geschäftsführender Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, wo er unter anderem den Masterplan für die bauliche Weiterentwicklung des Ensembles initiierte und die Erweiterung von Flächen und Sammlungen vorantrieb. Zudem engagiert sich Dr. Körner in mehreren Gremien: u a. im Vorstand von Schlösser und Gärten Deutschland e.V., im Fachbeirat der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte, im Kuratorium der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Er ist zudem Sprecher der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen (KNK).


