Wörlitz (md/aw). Die Domäne Wörlitz bekommt eine neue Zukunft: Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (KsDW) hat aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes Fördermittel in Höhe von vier Millionen Euro erhalten. Damit soll das historische Ensemble schrittweise zu einem modernen und leistungsfähigen Wirtschaftshof der Stiftung entwickelt werden.
„Damit erhält die ehemals fürstliche Domäne Wörlitz eine neue Zukunft“, sagt der kommissarische Direktor der Kulturstiftung, Prof. Dr. Harald Meller. Das denkmalgeschützte Ensemble könne so Schritt für Schritt vervollständigt, die originale Bausubstanz gesichert und zugleich für die heutigen Anforderungen nutzbar gemacht werden.
Grundlage für die Entwicklung war der Erwerb zentraler Flächen der Domäne durch die Kulturstiftung im Jahr 2021. Künftig sollen dort wichtige betriebliche Aufgaben gebündelt werden. Geplant sind unter anderem Büroflächen, Werkstätten und Lagerbereiche sowie Stellplätze für einen Teil des Fahrzeugbestands. Auch die Abteilung Baudenkmalpflege mit den Bereichen Bauforschung, Baudenkmalpflege und Bauunterhalt soll künftig auf dem Domänengelände angesiedelt werden.
Damit soll zugleich die historische Hofgärtnerei entlastet werden. Sie kann sich stärker zu einem zentralen Ort für die gärtnerische Arbeit der Kulturstiftung entwickeln. Die Gebäude des 18. Jahrhunderts, darunter das Garteninspektorhaus und das Palmenhaus, sollen wieder stärker ihrer ursprünglichen Funktion entsprechend genutzt werden.
Die erste Entwicklungsphase der Domäne umfasst vier Bauabschnitte. Bereits im August haben die Arbeiten an der historischen westlichen Scheune begonnen. Das Tragwerk aus dem 19. Jahrhundert soll weitgehend erhalten und aufgearbeitet werden. Außerdem werden das Mauerwerk instandgesetzt, der historische Putzgiebel zur Straße wiederhergestellt und das Dach denkmalgerecht erneuert. Die Arbeiten sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Eine frühere Getreidetrocknungs- und Beizanlage wurde bereits zurückgebaut.
Im zweiten Bauabschnitt soll eine durch frühere Abrisse entstandene Lücke an der Nordwestecke geschlossen werden. Ein Neubau soll wieder den Eindruck eines geschlossenen Hofes herstellen. Er orientiert sich an der historischen Kubatur und Dachlandschaft und soll moderne Arbeits-, Werkstatt-, Lager- und Büroräume aufnehmen. Für die ersten beiden Bauabschnitte sind rund vier Millionen Euro vorgesehen.
Auch der historische Nordriegel soll saniert werden. Die hofseitige Arkade, ein charakteristisches Gestaltungselement des Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, soll wiederhergestellt werden. Historische Holzkonstruktionen sollen erhalten und saniert, spätere und nicht denkmalgerechte Einbauten entfernt werden.
Die zwischen 1783 und 1787 nach Plänen Erdmannsdorffs errichtete Domäne gehört zu den bedeutenden Zeugnissen des frühen Klassizismus in Deutschland. Als Vorbild diente die venezianische Villa Emo von Andrea Palladio. Ursprünglich war die Anlage als geschlossener Vierseithof mit Stall- und Scheunenflügeln, zentralem Amtshaus und drei Toranlagen angelegt. Nach 1945 wurden wesentliche Teile abgetragen.
Mit der jetzt geförderten Entwicklung will die Kulturstiftung die historische Struktur nicht nur bewahren, sondern verlorene Elemente schrittweise wieder ergänzen. Gleichzeitig soll die Domäne zu einem funktionalen Standort für die tägliche Arbeit der Kulturstiftung werden.
Foto: Domäne mit Blick zur Kirche und zum Schloss © KsDW, L. Reimann


