Wittenberg (md/wg). Am 19. Juni 2026 unterzeichneten Johannes Winkelmann, Vorsitzender des Cranach-Stiftungsrates, Cranach-Geschäftsführer Timm Miersch und der Sammler Dr. Martin Grundmann den Schenkungsvertrag zugunsten der Cranach-Stiftung, der dem Testament des Sammlers beigefügt wurde.
Dr. Martin Grundmann hat seit Anfang der 1990er Jahre eine umfangreiche Sammlung von hochkarätigen Gemälden, Zeichnungen und Graphiken zusammengetragen. Sie stammen von Künstlerinnen und Künstlern, die sich überwiegend im Dresden der 1950er Jahren kennenlernten, darunter Jürgen Böttcher alias Strawalde, Peter Graf, Peter Herrmann, Peter Makolies, A.R. Penck, Winfried Dierske, Agathe Böttcher und einige mehr. Sammler und Künstler sind bis heute freundschaftlich verbunden.
Als Vorgeschmack auf die Schenkung erhielt die Cranach-Stiftung im letzten Jahr etwa 60 Werke aus der Sammlung Grundmann als Leihgabe, die in der Sonderausstellung „Es begann in Dresden…Gemälde und Zeichnungen des Freundeskreises um Strawalde“ vom 26. September 2025 bis zum 1. Februar 2026 zu sehen waren.
Der Freundeskreis um Strawalde
Nachdem Jürgen Böttcher sein Studium an der neuen Hochschule für bildende Künste Dresden 1953 abgeschlossen hatte, arbeitete er für einige Jahre als freischaffender Künstler und Kunstdozent an der Volkshochschule. Seine Kurse waren schnell ausgebucht, denn um ihn scharrten sich junge Menschen, denen es selbst ein inneres Bedürfnis war, Künstler zu werden. Vielen von ihnen war jedoch der Weg an eine staatliche Kunsthochschule verwehrt, da ihr Handeln und Denken nicht systemkonform genug war.
Mit Böttcher – der selber um seine Existenz als Künstler kämpfen musste – eröffnete sich ihnen ein völlig freier Zugang zur Kunst, der ihre unvoreingenommenen und sehr individuellen Ausdrucksformen wahrscheinlich bis heute beeinflusst. Sie stellen dar, was ihr Leben prägt und was sie in ihrer Umgebung wahrnehmen. Manchmal erscheinen ihre Werke melancholisch, mal witzig mit einem Hauch Ironie, mal sind sie düster und schwer, mal farbenfroh.
Der Freundeskreis hatte nie einen einheitlichen Stil, sie verband immer eine tiefe Freundschaft. Die Nebeneinanderstellung ihrer Werke bietet einen Überblick über die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich jenseits der althergebrachten Normen finden lassen – Gestaltungsmöglichkeiten, die vor allem eines sein wollten: Freude am Umgang mit Farbe und Form, gewürzt mit einer Prise Ironie, Witz und Gesellschaftskritik.
Bild (v.l.n.r.): Johannes Winkelmann (Stiftungsratsvorsitzender bis zum 30. Juni 2026, dann von Kristin Ruske abgelöst), Jana Seeger (Kuratorin/Museumsleitung), Dr. Martin Grundmann (Sammler), Timm Miersch (Geschäftsführer/Vorstandsvorsitzender ab 1. Juli 2026). Foto: ©Cranach-Stiftung/Kristin Ruske

