Wittenberg (md/wg). Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek (RFB) lädt am 19. November 2026, 18 Uhr, zum Künstlergespräch mit Christoph Liedtke (siehe Foto) ein. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter info@rfb-wittenberg.de oder Tel.: 03491/50 69 200 wird gebeten. Liedtke ist einer von sechs Stipendiatinnen und Stipendiaten des „Heimatstipendiums#3“ der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und arbeitet seit April in der RFB.
Wer zwischen Luther-Bibeln, Wiegendrucken und mittelalterlichen Handschriften arbeitet, hat reichlich Gesprächsstoff. Christoph Liedtke hat selbst viel zu erzählen: Der gelernte Holzbildhauer aus Halle malt, fotografiert und formt, veröffentlicht Gedichtbände und realisiert Videoperformances und eine Kunsttalkshow. Er spielt in der No-Wave-Band „Klinke“ und betreibt den YouTube-Kanal „Rhizom Halle-Leipzig“. Seine Arbeiten waren unter anderem in Bonn, Berlin und Leipzig zu sehen. Bei rund 230.000 Bänden findet ein Künstler, dem Schrift, Geste, Bild und Wort ineinanderfließen, Inspiration in jeder Regalreihe.
Anhand ausgewählter Werke erzählt er, wie er arbeitet und denkt, und warum sich seine Kunst von keiner Disziplin einsperren lässt. Er ist inspiriert von fernöstlicher Ästhetik und von Dichtern, die er in seinen Werken zitiert und so zu Gesprächspartnern macht. Für das Publikum ist es die Gelegenheit, einen der vielseitigsten Künstler Mitteldeutschlands aus nächster Nähe zu erleben und selbst Fragen zu stellen.
In Wittenberg sucht Liedtke nach dem, was in der Geschichte leise weiter klingt. Er will den Bibliotheksraum zum Denkraum erweitern und forscht dafür in Zitaten, Geschichten und im Bildmaterial der Bestände. Daraus entstehen malerische Arbeiten und Objektkästen, in denen Wort und Bild einander durchdringen. Seine Leitfrage: Wie lässt sich das Schöne im Vergangenen wieder zum Leben erwecken, und was sendet einen Gruß aus der Tiefe in die Zukunft?
Hintergrund
Mit dem zwölfmonatigen Heimatstipendium ermöglicht die Kunststiftung Sachsen-Anhalt zum dritten Mal Künstlerinnen und Künstlern den Zugang zu Museen und Bibliotheken im Land. Von April 2026 bis März 2027 befassen sie sich intensiv mit den Sammlungen, erkunden die Bestände und entdecken in den Archiven verborgene Schätze. Davon inspiriert entstehen neue Werke, die das kulturelle Erbe reflektieren. Gemeinsam mit den Häusern entwickeln die Stipendiaten außerdem Angebote, bei denen das Publikum mitmachen kann. So werden Sammlungen sichtbar, die zwar zum nationalen Kulturgut gehören, aber oft wenig bekannt sind, und neue Besucher werden auf sie aufmerksam. Foto: ©Matthias Ritzmann

