Freitag, 27.03.2026

Wittenberg (md/wg). Der nächste Talk am Turm am 8. April um 18.30 Uhr widmet sich in der Evangelischen Akademie dem Thema „Wie ein Ausstellungsort zur Stätte der Mahnung entsteht“. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Talk am Turm steht für den offenen, respektvollen Austausch über Themen, die Wittenberg bewegen.

Die Auseinandersetzung um das judenfeindliche Relief an der Stadtkirche St. Marien hat Wittenberg in den vergangenen Jahren intensiv begleitet – in der Reformationsdekade ebenso wie im Gerichtsverfahren um die Frage seiner Abnahme. Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben diese Debatten aufmerksam verfolgt und mitgestaltet. Die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt versteht solche Kontroversen als Auftrag zum Gespräch: Wie geht man mit einem historisch belasteten Erbe um? Welche Verantwortung erwächst daraus für Kirche, Stadtgesellschaft und Bildungsarbeit heute?

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Nach dem Beschluss der Stadtkirchengemeinde 2022, das Relief hängen zu lassen, soll nun ein Bildungsort in der Stadtkirche entstehen. In dessen Mittelpunkt steht eine neue Dauerausstellung, die gerade von der Stadtkirchengemeinde, der Evangelischen Akademie und weiteren Partnern entwickelt wird. Sie wird das mittelalterliche antijüdische Relief an der Fassade sowie die Inschrift aus dem 16. Jahrhundert historisch einordnen, kommentieren und in ihrer Wirkung bis in die Gegenwart beleuchten. Ziel ist es, den Ort bewusst als Bildungsort der Information, der kritischen Reflexion und der aktiven Auseinandersetzung mit Antisemitismus zu gestalten. Im November 2026 soll die Ausstellung eröffnet werden.

Zu Gast an diesem Abend sind Maren Krüger, die Kuratorin der Ausstellung, welche lange am Jüdischen Museum Berlin gearbeitet hat, Annelie Hollmann (siehe Foto), die Projektleiterin aus der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Susanne Riemer-Ranscht, Geschichts- und Religionslehrerin an der Landesschule Pforta, sowie Simon Rumlich, Bildungsreferent bei ConAct Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch.

Fortbildung für Lehrer und Pädagogen

Das berüchtigte „Judensau“-Relief an der Wittenberger Stadtkirche ist seit Jahren Gegenstand intensiver öffentlicher Debatten – über historische Verantwortung, Erinnerungskultur und den heutigen Umgang mit antisemitischen Kunstwerken. Am 25. April befasst sich von 9.30 bis 15.30 Uhr eine Fortbildung für Lehrer und Pädagogen im Bugenhagenhaus mit der Geschichte und theologischen Bedeutung des Reliefs sowie die Wirkungsgeschichte der judenfeindlichen Schriften Martin Luthers.

Ein besonderer Fokus liegt auf der 1988 geschaffenen Bodenplatte unterhalb der Darstellung, die an die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden erinnert und als „Stätte der Mahnung“ zum Nachdenken auffordert. Im gemeinsamen Austausch werden didaktische Anregungen gegeben, wie dieses schwierige Erbe im Unterricht thematisiert werden kann. Dabei geht es auch um die aktuelle Streitfrage: Soll das Relief entfernt, verhüllt oder sichtbar bleiben? Die Teilnehmenden erhalten Impulse, wie sie diese Debatte mit Schülern sachkundig und argumentativ reflektieren und eine eigene Position entwickeln können.

Die Referenten sind Dr. Hanna Kasparick (Theologin, Kirchenhistorikerin, Leiterin des Predigerseminars i.R.), Susanne Riemer-Ranscht (LISA, Landesschule Pforta) und Juliane Keitel (Staatliches Seminar Halle. Anmeldung über ElTIS – Fortbildungsportal Sachsen-Anhalt. Foto: Ev. Akademie

Von Redaktion

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