Mo.. Juli 27th, 2026

Wittenberg (md/wg). Der Kultfilm „Dirty Dancing“ (USA 1987) schrieb mit seinem ikonischen Soundtrack, den unvergesslichen Tanzszenen und der sommerlichen Romanze Kinogeschichte. Das Sommerkino des Exil e.V. zeigt den Klassiker am 31. Juli um 21.30 Uhr im Cranach-Hof, Markt 4 und noch einmal am 14. August um 21 Uhr in der Schlossruine in Gräfenhainichen. Der Low-Budget-Film wurde zum Mythos. Gedreht wurde der Film mit nur fünf Millionen Dollar – ein Bruchteil von dem, was Hollywood-Filme damals kosteten. Niemand glaubte, dass sich der kleine Independent-Film länger als eine Woche in den Kinos halten würde, am Ende lief er 19 Wochen und spielte 210 Millionen Dollar ein.

Es ist Sommer 1963: Die Ermordung John F. Kennedys hat noch nicht stattgefunden, die Jugendkultur steckt nicht einmal in den Kinderschuhen. Die USA befinden sich im Zustand der Unschuld. Diese wirkt auf die 17 jährige Frances Houseman allerdings erdrückend. Frances, von allen nur „Baby“ genannt, plant Ökonomie zu studieren und Friedensaktivistin zu werden. Für den Moment ist sie allerdings mit ihrer Familie in einem Wellness Resort gefangen, in dem sie gelangweilt ihren Urlaub absitzt. Ihre Lage gewinnt jedoch an Reiz, als sie sich in den Tanzlehrer und Schwerenöter Johnnie Castle verguckt. Als Johnnies Partnerin am Tanzen gehindert wird, erhält „Baby“ ihre große Chance…

Werbung

Hinter der scheinbar leichten Liebesgeschichte verbirgt sich eine politische Dimension: Der Film thematisiert zentrale Aspekte weiblicher Emanzipation und setzt sich mit dem Kampf für das Recht auf Abtreibung auseinander. „Baby“ trainiert nur deshalb so intensiv mit Johnny für den Wettbewerb, weil sie kurzfristig dessen eigentliche Tanzpartnerin ersetzt. Diese lässt in der Zwischenzeit einen illegalen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. Die Handlung spielt 1963, als Abtreibung in den USA noch strafbar war. Bis zum Grundsatzurteil „Roe gegen Wade“, das das Recht auf Abtreibung landesweit absicherte, vergingen noch zehn Jahre.

Drehbuchautorin Eleonor Bergstein verknüpfte, auch auf Grundlage eigener Erfahrungen, Romanze und das Thema Abtreibung bewusst miteinander. Sie war überzeugt, dass politische Botschaften in einem populären, glamourös inszenierten Film ein größeres Publikum erreichen würden. Als „Dirty Dancing“ 1987 in die Kinos kam, war Abtreibung in den USA zwar legal, doch die Pro-Life-Bewegung gewann unter Präsident Ronald Reagan an Einfluss. Indem Bergstein die Geschichte in eine Zeit vor der Legalisierung verlegte, erinnerte sie an die Bedeutung dieser hart erkämpften Errungenschaft.

„Dirty Dancing“ heute wieder zu sehen heißt deshalb auch, einen Film neu zu entdecken, der überraschend deutlich für Feminismus und sexuelle Selbstbestimmung eintritt. Lange nach „Roe gegen Wade“ stehen das Recht auf Abtreibung und andere Freiheiten in den Vereinigten Staaten erneut massiv unter Druck. Vor diesem Hintergrund wirkt „Dirty Dancing“ aktueller denn je. Foto: Veranstalter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert