Donnerstag, 05.03.2026

Bad Schmiedeberg (wg). Der Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 jährt sich heuer zum 70. Mal. As diesem Anlass zeigt die Evangelische Stadtkirche in Bad Schmiedeberg noch bis zum 30. Juni 2023 eine Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung, die kompakt auf sechs Tafeln die damaligen Ereignisse und Hintergründe mit Illustrationen, Infografiken, zeithistorischen Fotos und leicht verständlichen Texten zusammenfasst. Der 17. Juni ist ein erinnerungswürdiges Datum der deutschen Demokratiegeschichte: Er führt die Macht und Ohnmacht der Menschen vor Augen und erinnert zugleich an die Bedeutung demokratischer Werte.

Am 17. Juni 1953 protestierten eine Million Menschen in mehr als 700 Städten und Gemeinden in der DDR gegen das kommunistische Regime, mehr als 1.000 Betriebe und 250 öffentliche Gebäude wurden bestreikt. Der soziale Arbeiteraufstand entwickelte sich zu einem Volksaufstand, der die gesamte DDR erfasste. Die Demonstrierenden forderten politische und persönliche Freiheiten, die Wiedervereinigung, den Rücktritt Walter Ulbrichts und die Freilassung politischer Häftlinge. Die sowjetische Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Mit massivem Einsatz von Militär, Volkspolizei und Staatssicherheit wurde der Aufstand am 17. Juni niedergeschlagen.

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Die Ursachen gehen auf die II. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 zurück, auf der Ulbricht den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ verkündete, dessen Umsetzung zu einer schweren Ernährungskrise, zum Absinken des Lebensstandards und zum Rückgang der industriellen Produktion führte. Viele Menschen flüchteten in den Westen. Der Tod Stalins im März 1953 nährte Hoffnung auf Verbesserungen. Doch die SED-Führung setzte im Mai 1953 die Arbeitsnormen um mehr als 10 Prozent hoch, während die Löhne gleich blieben.

Die sowjetischen Machthaber zwingen das SED-Politbüro zu einem Schuldeingeständnis und zu einem neuen Kurs. Einige Maßnahmen zum „Aufbau des Sozialismus“ werden zurückgenommen, nicht aber die Erhöhung der Arbeitsnormen. Am 15. und 16. Juni 1953 kam es auf Ost-Berliner Großbaustellen zu Protestaktionen, die am nächsten Tag auf die gesamte DDR übergriffen. In 167 von 217 Landkreisen verhängte die Sowjetunion den Ausnahmezustand, bei der Niederschlagung des Aufstands starben rund 50 Menschen, circa 15.000 Personen wurden festgenommen.

Bereits am 18. Juni 1953 meldete das „Neue Deutschland“ als Zentralorgan der SED, dass der Aufstand das Ergebnis einer „faschistischen Provokation“ gewesen sei. Ohne das Eingreifen der Sowjetunion wäre das SED-Regime unter Ulbricht zusammengebrochen. Bis zum Ende der DDR war der Volksaufstand das Trauma der DDR-Machthaber. Der Deutsche Bundestag erklärte am 3. Juli 1953 den 17. Juni zum „Tag der deutschen Einheit“, bis 1990 blieb er in der Bundesrepublik gesetzlicher Feiertag.

Hinweis

Die Ausstellung umfasst 6 DIN A1-Plakate und vermittelt Grundlagenwissen über den Volksaufstand. Die Präsentation wird von der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützt und ist zu den Öffnungszeiten der Stadtkirche Bad Schmiedeberg dienstags und freitags von 10 bis 12 Uhr sowie freitags, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr zu besichtigen. Gruppen werden um eine Voranmeldung gebeten. Der Eintritt ist frei, um eine Spende zur Deckung der Unkosten wird freundlich gebeten.

Bild: Die Ereignisse des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 sind Thema der neuen Sonderausstellung in der Evangelischen Stadtkirche Bad Schmiedeberg. Foto: Bundesstiftung zur Aufarbeitung

Von Redaktion